1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Ein roter Teppich und viel Glanz und Gloria: Eindrücke von Malu Dreyers erster Auslandsreise als Bundesratspräsidentin

Ein roter Teppich und viel Glanz und Gloria: Eindrücke von Malu Dreyers erster Auslandsreise als Bundesratspräsidentin

Die erste Auslandsreise als Bundesratspräsidentin führte die Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in dieser Woche nach Frankreich. Zum Abschluss standen am Donnerstag politische Gespräche im Pariser Außenministerium und im Senat auf dem Programm. Eine auf jeden Fall eindrucksvolle Visite.

"Oh", entfährt es Malu Dreyer, als sie am frühen Donnerstagmorgen auf der Wiesbadener Airbase in die Maschine der Flugbereitschaft steigt. Der Innenraum des Fliegers wartet mit geräumigen beigen Ledersesseln auf, mühsames Anstehen vor dem Einchecken entfällt für eine Bundesratspräsidentin natürlich auch. "Normalerweise fliege ich Economy", sagt Dreyer zu der Handvoll mitfliegender Journalisten, als müsse sich die Mainzer Ministerpräsidentin für den Komfortflug in die französische Hauptstadt rechtfertigen.

Dabei steht der 55-Jährigen die Nutzung der Flugbereitschaft bei Auslandsreisen während ihrer einjährigen Präsidentschaft zu. Frankreich macht den Auftakt, Südamerika, Israel und Warschau sollen noch folgen.

Aber Paris ist schon ein Auftakt nach Maß. Im Senat rollt man der Bundesratspräsidentin den roten Teppich aus, Uniformierte stehen Spalier. Und Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault holt die Trierer Politikerin sogar am Wagen ab und führt sie gemächlichen Schrittes durch seine prächtigen Gemächer.

Wüsste man sich nicht im französischen Außenministerium, könnte man sich glatt im nicht weit entfernten Louvre oder einem anderen Pariser Prachtbau wähnen. "Nichts Besonderes", meint zwischendurch ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft, "die Ministerien hier sehen alle so aus."

Auch Malu Dreyer ist von dem französischen Glanz und Gloria beeindruckt, wie sie zugibt, fügt aber hinzu, man dürfe das Ganze auch nicht überbewerten.

Schließlich geht es bei so einer Reise vor allem ums Inhaltliche. Das ist in Zeiten des Brexit natürlich die Zukunft der darbenden Europäischen Union. Deutschland und Frankreich seien Säulen, denen gerade in Krisenzeiten eine besondere Bedeutung zukomme, betonen Dreyer und ihre französischen Gesprächspartner an diesem Tag immer wieder. Es geht aber um Themen, die von eher regionalem Interesse sind. Cattenom ist ein solches Thema. Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg wollen, dass der Pannenmeiler so rasch wie möglich vom Netz genommen wird.Sie verzieht keine Miene

Doch bislang scheint das Klagen auf französischer Seite wenig Gehör zu finden. Das ist auch an diesem Tag im Pariser Außenministerium nicht anders. Man kenne die Meinung der deutschen Seite, wischt Ayrault Journalistenfragen nach dem Pannenmeiler beiseite. Malu Dreyer verzieht in diesem Augenblick keine Miene, sagt aber später im Flieger: "Wenn wir das Thema immer wieder ansprechen, werden wir irgendwann damit Erfolg haben." Und: "Ich hoffe, dass Cattenom der nächste französische Meiler nach Fessenheim ist, der abgeschaltet wird."

Beim Gespräch mit dem konservativen französischen Senatspräsidenten Gérard Larcher während des Mittagessens soll die Diskussion über Sinn oder Unsinn der Kernenergie etwas heftiger gewesen sein, hieß es später von Teilnehmern. "Sollen wir uns etwa in die Abhängigkeit von Putin und seinem Erdgas begeben?", soll Larcher Dreyer gefragt haben.
Dazu wurden Jakobsmuscheln auf Risotto gereicht, danach gab es Kalbsfilet im Kräutermantel und schließlich als Dessert noch Feigen mit geschäumter weißer Schokolade. Weil der Senatspräsident ein begeisterter Jäger ist, bekommt er von Malu Dreyer ein Fernglas geschenkt, dazu zwei Flaschen Wein aus Rheinland-Pfalz - einen Riesling aus Rheinhessen und einen Spätburgunder von der Ahr.Wein und Fernglas als Geschenke

 Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault hat Bundesratspräsidentin Malu Dreyer am Wagen abgeholt und führt sie durch seine prächtigen Gemächer.
Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault hat Bundesratspräsidentin Malu Dreyer am Wagen abgeholt und führt sie durch seine prächtigen Gemächer. Foto: (g_pol3 )
 Auftakt nach Maß: Im französischen Senat rollt man Bundesratspräsidentin Malu Dreyer am Donnerstag den roten Teppich aus, Uniformierte stehen Spalier. TV-Fotos (5): Rolf Seydewitz
Auftakt nach Maß: Im französischen Senat rollt man Bundesratspräsidentin Malu Dreyer am Donnerstag den roten Teppich aus, Uniformierte stehen Spalier. TV-Fotos (5): Rolf Seydewitz Foto: (g_pol3 )
Ein roter Teppich und viel Glanz und Gloria: Eindrücke von Malu Dreyers erster Auslandsreise als Bundesratspräsidentin
Foto: (g_pol3 )

"Unseren Wein lieben mittlerweile selbst die Franzosen", schwärmt Dreyer - und ihr Gegenüber schaut ein wenig ungläubig drein. Malu Dreyer bekommt ein Halstuch geschenkt. Ob man es je an der Bundesratspräsidentin sehen wird, darf bezweifelt werden. Zum Abschluss des Besuchs im Senat führt Präsident Larcher seinen Gast noch in die Kapelle des Hauses. "Das ist doch ein laizistischer Staat", wundert sich die gläubige Katholikin Dreyer.

Man merkt ihr an, dass sie Frankreich und die Franzosen mag. Das ist nicht verwunderlich, schließlich hat Malu Dreyer als Studentin einst ein Auslandssemester in Dijon und Nizza verbracht. Besonders freut sie sich am Ende ihres Besuchs darüber, dass sich alle Gesprächspartner für ihre Antrittsreise nach Frankreich bedankt hätten. "Das ist als Zeichen der Verbundenheit wahrgenommen worden", sagt Dreyer vor der Ankunft in Berlin.

Dort wartet heute Vormittag der nächste große Auftritt auf die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin. In der Ländervertretung nahe am Potsdamer Platz hält sie ihre Antrittsrede als Bundesratspräsidentin.