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Ein Rüffel für den Professor

Ein Rüffel für den Professor

Der Finanzminister dieses Landes hat seit Monaten keinen leichten Stand. Immer wieder muss Ingolf Deubel bohrende Fragen zur Finanzierung des Projekts "Nürburgring 2009" beantworten. Dabei werden 252 Millionen Euro für 500 neue Arbeitsplätze ausgegeben.

Nun hat der Professor auch noch einen Rüffel von einem (Leidens-)Genossen bekommen. Und das geschah so: Kürzlich regte sich der Minister im Wirtschaftsausschuss des Landtags über jene Menschen auf, die alle hochsalbungsvollen Worte der Abgeordneten und Minister schriftlich festhalten. Die Protokolle seien "hundsmiserabel", sie wimmelten nur so von Fehlern, tat Ingolf Deubel kund. Er könne "20, 30 Beispiele nennen, die falsch sind, schlicht und ergreifend falsch". Solche harschen Worte an die Mitarbeiter des Stenografischen Dienstes können nicht unkommentiert bleiben, dachte sich offensichtlich deren Chef, Landtagspräsident Joachim Mertes. Der Sozialdemokrat schrieb also dem Genossen Deubel einen schönen Brief. Tenor: Er weise diese pauschale Kritik ausdrücklich zurück. Jederzeit habe das Finanzministerium die Möglichkeit zur Korrektur gehabt, sie aber zu keiner Zeit genutzt, ließ Joachim Mertes seinen Parteikollegen süffisant wissen. Also könne es mit der Kritik nicht weit her sein, folgerte der Landtagspräsident. Um seinen Worten Gewicht zu verleihen, ließ er sein Schreiben an Deubel auch den Fraktionen des Landtags zukommen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich ausgerechnet Ingolf Deubel über die schriftliche Arbeit anderer beklagt. Denn im Gegensatz zu allen anderen Ministerien legt das Finanzministerium so gut wie nie etwas Schriftliches vor, wenn der Landtag tagt und Deubel ans Rednerpult tritt. Vielleicht wollen sich der Minister oder seine "Rechenknechte", wie er sie kürzlich selbst bezeichnet hat, keine Blöße beim Verfassen von Mitteilungen geben, die Sachverhalte darstellen oder beleuchten könnten.