Ein schlechtes Jahr für die Landwirtschaft

Mainz · Das trockene heiße Wetter im Frühjahr hat für die Bauern in Rheinland-Pfalz fatale Folgen: Die Erntebilanz 2011 fällt etwa ein Drittel schlechter aus als im Vorjahr.

Mainz. Der nasse Frühsommer, der für die meisten Menschen eher ein Ärgernis war, hat immerhin noch dazu geführt, dass den Landwirten eine totale Missernte erspart blieb, betonte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Leo Blum, bei der Präsentation der Ernte gestern in Weyerbusch (Kreis Altenkirchen).
Vor allem auf den später gesäten Mais hat sich der Niederschlag laut Prognosen äußerst positiv ausgewirkt. Inzwischen haben aber auch die Landwirte vom Regen genug: "Durch die andauernde feuchte Witterung sind wir bei der Ernte im Juli und August nicht gut vorangekommen. Vor allem in Eifel, Hunsrück und Westerwald steht noch viel Getreide auf den Feldern. Wenn es nicht bald reingeholt wird, sind zusätzliche Qualitätsverluste zu erwarten", so Blum.
Strohbörse in der Diskussion


Welches Wechselbad der Gefühle die Landwirte 2011 durchgemacht haben, stellte der Bauernpräsident am Beispiel des Grasschnitts dar: "Im Mai/Juni waren unsere Erwartungen in einer solchen Tiefphase, dass wir befürchten mussten, nicht genug Futter für die Tiere zusammenzubekommen." Damals habe man bereits über die Gründung einer Strohbörse nachgedacht. Durch die Entwicklung der vergangenen Wochen sei diese Sorge jedoch nicht mehr akut. Die 25- bis 30-prozentigen Ertragseinbußen bei der Wintergerste, der wichtigsten Fruchtart im Land, könnten durch akzeptable Preise zumindest so weit kompensiert werden, dass nicht von einem wirtschaftlichen Einbruch gesprochen werden müsse. "Dennoch wird es den Betrieben nicht möglich sein, Rücklagen zu bilden, um notwendige Investitionen tätigen zu können", unterstrich Blum.
Bei der Braugerste machen Qualitätsprobleme den Bauern zu schaffen, da der Eiweißgehalt des Getreides über den von den Brauereien und Mälzereien gewünschten 11,5 Prozent liegt. Der Verband setzt sich dafür ein, dass der Grenzwert in diesem Jahr erhöht wird.

40 Prozent weniger Raps


Ähnlich die Situation bei Wintergerste, Roggen und der Futterpflanze Triticale: Auch da ist mit Einbußen von mehr als 20 Prozent zu rechnen. Noch schlimmer hat es den Raps getroffen, bei dem die Erträge 40 bis 50 Prozent unter den Erwartungen liegen. Die recht guten Preise derzeit würden lediglich dabei helfen, die Verluste zu minimieren, so Blum. Um schlechte Jahre wie 2011 ausgleichen zu können, setzt sich der Verband weiterhin dafür ein, dass Betriebe in starken Jahren steuerfrei Rücklagen bilden können. Darüber hinaus übte Blum scharfe Kritik an verschiedenen Plänen der EU - zum Beispiel an den Überlegungen, aus ökologischen Gründen die Produktion durch Stilllegung von Flächen zu reduzieren. "In Zeiten, wo so viele Menschen in Afrika verhungern, ist das unverantwortlich", schimpfte Blum. Auch die Auflage, Gülle künftig innerhalb von vier Stunden ins Feld einzuarbeiten, sei praxisfern. Als besorgniserregend bezeichnete er die Situation der Schweinehalter: Einerseits haben sie mit steigenden Futterpreisen zu kämpfen, andererseits sinken die Fleischpreise.
Bei all diesen Themen hofft Blum auf die Unterstützung durch Politiker aus der Region. Die sicherten ihm der von der Mosel stammende Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser (CDU), der Cochemer Europa-Abgeordnete Werner Langen (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Edmund Geisen (FDP) zu.