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Eine dicke Akte und eine dünne Anklageschrift

Eine dicke Akte und eine dünne Anklageschrift

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat vor dem Trierer Landgericht der Prozess wegen des zehn Jahre zurückliegenden tödlichen Raubüberfalls auf einen Eifeler Geschäftsmann begonnen. Die vier Männer auf der Anklagebank kamen gar nicht erst dazu, viel zu sagen.

 Prozessauftakt vor dem Landgericht Trier. TV-Foto: Friedemann Vetter
Prozessauftakt vor dem Landgericht Trier. TV-Foto: Friedemann Vetter Foto: TV-Foto: Friedemann Vetter
 Prozessauftakt vor dem Landgericht Trier. TV-Foto: Friedemann Vetter
Prozessauftakt vor dem Landgericht Trier. TV-Foto: Friedemann Vetter Foto: TV-Foto: Friedemann Vetter

Die Premiere ist von der schnellen Sorte. Kaum hat die Verhandlung im großen Sitzungssaal des Landgerichts am Mittwochmorgen begonnen, verabschiedet der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg die Anwesenden auch schon wieder - "bis in drei Wochen dann".

So mancher Zuschauer mag sich verwundert die Augen gerieben haben: Strenge Sicherheitskontrollen am Einlass, ein personelles Aufgebot an Richtern, Rechtsanwälten und Staatsanwälten wie selten, und dann ist alles schon wieder vorbei, kaum dass der Prozess begonnen hat.

Der Gutachter sei nicht da, meint der Vorsitzende Richter entschuldigend. Dass der Verhandlungstag trotzdem angesetzt wurde, hat mit Fristen zu tun. Nur in Ausnahmefällen darf die Untersuchungshaft länger als ein halbes Jahr dauern. Und zwei der vier Angeklagten sitzen seit dem 17. Dezember hinter Gittern. Ohne den gestrigen Beginn der Hauptverhandlung hätten sie womöglich auf freien Fuß gesetzt werden müssen.

Dabei hat es lange genug gedauert, bis die Ermittler im Fall des in der Nacht zum Heiligen Abend 2005 im Mehrener Industriegebiet getöteten Geschäftsführers überhaupt einen konkreten Ansatzpunkt gefunden hatten. Erst im Nachgang zur im Frühjahr vergangenen Jahres ausgestrahlten Fernsehfahndung in der Sendung "Aktenzeichen XY.… ungelöst" meldete sich eine Zeugin bei der Polizei. Im Dezember wurden daraufhin zwei Verdächtige festgenommen, im Februar dann zwei weitere.

Das Quartett sitzt nun auf der Trierer Anklagebank, eingerahmt von seinen insgesamt acht Pflichtverteidigern. Einer der Anwälte, der Dauner Jurist Hans-Josef Ewertz, hat schon vor Verhandlungsbeginn gesagt, dass es für die Staatsanwaltschaft kein leichtes Spiel werde. Es gebe keinerlei stichhaltige Beweise, nur Anhaltspunkte.
Wenn Staatsanwalt Eric Samel mit solchen Aussagen konfrontiert wird, wandern seine Mundwinkel nach außen. "Es liegt in der Natur der Sache", sagt er schmunzelnd, "dass Verteidiger dies so sehen." Aber auch Samel kann nicht verhehlen, dass er als Ankläger schon besser munitioniert in einen Prozess gezogen ist. "Das wird kein einfaches Verfahren", sagt er, es gebe "viele, kleine Indizien, das macht die Sache nicht ganz einfach".
Wie dünn das Eis womöglich ist, auf dem sich Samel und sein Kollege Volker Blindert bewegen, lässt die Anklageschrift erahnen. Sie ist nur wenige Sätze lang und reichlich unkonkret. Wer der Angeklagten was genau getan haben soll, ist weitgehend offen. Das 54-jährige Opfer soll mit einem scharfkantigen Gegenstand mehrfach auf Kopf und Oberkörper geschlagen worden sein.
Gut 6000 Euro Beute
Anschließend sei dem sterbenden Mann der Tresorschlüssel abgenommen worden. Die Beute: etwas über 6000 Euro.
So übersichtlich die Anklageschrift ist, so unübersichtlich ist das in diesem Fall von den Ermittlern zusammengetragene Aktenmaterial. Der Vorsitzende Richter spricht von 5000 bis 6000 Seiten, der Staatsanwalt sagt, es seien eher 10.000 Seiten.

Da dürften die 200 zusätzlichen Seiten, die Chef-Richter Keimburg gestern an alle Prozessbeteiligten verteilt, nicht weiter ins Gewicht fallen. "Eine kleine Flut neuer Ermittlungsergebnisse", meint Keimburg, "Erkenntnisse, die beim Gericht für Überraschungen gesorgt haben."

Das weckt zumindest Erwartungen, die Staatsanwalt Samel nach Verhandlungsende wieder dämpft: "Ich würde nicht von überraschenden Ergebnissen sprechen, eher von nachgereichten."

Der Prozess wird am Dienstag in drei Wochen fortgesetzt. Terminiert ist bis Ende November.