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Eine kleine Spur im Fall Hillesheim

Eine kleine Spur im Fall Hillesheim

Bei der Suche nach den Ursachen für die rätselhafte Erkrankungs- und Todeswelle in einem Pflegeheim in Hillesheim, bei der neun Heimbewohner gestorben sind, könnte sich eine Spur ergeben haben.

Mainz. Justiz-Staatssekretärin Beate Reich (SPD) hat am Donnerstag den Sozialpolitischen Ausschuss des Landtags über einen ergänzenden Bericht der Staatsanwaltschaft Trier informiert. Diese ermittelt aufgrund der Häufung der Todesfälle. Neun Heimbewohner sind seit dem 23. März binnen kurzer Zeit erkrankt und gestorben, fünf von ihnen aus ungeklärter Ursache.

Nach Angaben von Reich haben Sachverständige des Instituts Fresenius bei Raumluft-Untersuchungen am 17. April in einem Aufenthaltsraum und zwei Zimmern erhöhte Konzentrationen des chemischen Stoffes Aziridin und der organisch-chemischen Verbindung Mercaptane entdeckt. Nach Ansicht des Instituts Fresenius ist Azidirin "in Wohnräumen ungewöhnlich". Die Flüssigkeit wird normalerweise zur Herstellung von Kunstharz oder Waschmitteln verwendet. Kommt man mit Aziridin in Berührung, kann das unter anderem zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Atemnot, Kopfschmerzen und Husten führen. Wird der Stoff eingeatmet, kann schlimmstenfalls ein Lungenödem auftreten.

Mercaptane wird wegen seines fauligen Geruchs normalerweise geruchlosen Gasen zugesetzt. Der Stoff kann zu ähnlichen Symptomen führen wie Aziridin: Erbrechen, Atemlähmung und ebenfalls zu einem Lungenödem. Bei den zwölf Bewohnern des betroffenen Traktes des Pflegeheimes wurden wegen ähnlicher Symptome in Krankenhäuser eingeliefert.

Ferner wurde in einem der untersuchten Zimmer Mykotoxin (Schimmelpilz) nachgewiesen. Da die Konzentration der Mykotoxine während der ersten Messung nicht festgestellt wurde, wurde eine zweite Messung der Räume einschließlich der Entlüftungsschächte und der im Untergeschoss gelegenen Entlüftungskammer veranlasst. Nach den Feststellungen der Sachverständigen lagen die festgestellten Konzentrationen zwar unter den zulässigen Richtwerten. Dennoch sollen nun die verstorbenen Heimbewohner laut Reich daraufhin untersucht werden, ob sich bei ihnen ebenfalls erhöhte Konzentrationen der chemischen Stoffe finden. Woher diese stammen, ob beispielsweise aus dem Fußboden, ist unklar und wird ebenfalls ergänzend untersucht. Die Ergebnisse einer zweiten Raumluftanalyse vom 27. April stehen noch aus.

Da die festgestellten Konzentrationen unter den zulässigen Richtwerten lägen, sehe man derzeit keine Gefährdung der Bewohner des Altenheimes, sagte eine Sprecherin der Kreisverwaltung Daun. Bevor keine weiteren Ergebnisse vorlägen, könnte man auch keine Rückschlüsse auf die Ursache der Erkrankungen ziehen.

Die ebenfalls laufenden Untersuchungen des Rechtsmedizinischen Instituts in Mainz sind noch nicht abgeschlossen. Dort werden ein histologisches und ein toxikologisches Gutachten angefertigt, bei dem unter anderem Reinigungsmittel, Blutproben und Medikamente untersucht werden. Diesbezüglich hätten sich bislang keine Besonderheiten gezeigt, berichtete die Staatssekretärin.

Auf Anregung der Abgeordneten Peter Schmitz (FDP) und Ingeborg Sahler-Fesel (SPD) aus Schweich soll Reich bei der Staatsanwaltschaft nachfassen, ob diese neben dem betroffenen Wohntrakt in dem Pflegeheim auch die anderen Gebäude untersuchen ließ. "Wir stehen weiterhin vor einem großen Rätsel", sagte Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD).

Der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer hält sich mit einer Bewertung zurück. Die Rechtsmedizin müsse nun beurteilen, ob die nachgewiesenen Stoffe die Erkrankungen der zwölf Heimbewohner verursacht haben könnten, sagte Brauer. Die Untersuchungsergebnisse seien der Heimaufsicht und dem zuständigen Gesundheitsamt in Daun mitgeteilt worden. Es gebe weiterhin keine Ansatzpunkte für strafrechtliche Ermittlungen, sagte Brauer.