Einer steht Schmiere, zwei räumen ab

Einer steht Schmiere, zwei räumen ab

TRIER. Nach den Panzerknackern sind in der Region Trier jetzt die Autoknacker unterwegs. Fast jede Nacht wird ein anderer Ort von den vermutlich osteuropäischen Bandenmitgliedern heimgesucht. Die Polizei reagiert mit verstärkten Streifen und rät: Wertsachen raus aus dem Wagen.

Gestern Speicher, vorgestern Zemmer, davor Newel: Beinahe täglich kommen derzeit gleich lautende Hiobsbotschaften aus einem anderen Ort in der Region Trier. Tenor: Die Autoknacker waren da, haben in der Nacht einen kompletten Straßenzug "abgegrast" und zahlreiche, dort abgestellte Fahrzeuge geknackt. Rund 80 PKW-Aufbrüche innerhalb von nur zwei Wochen registrierten die Polizeidienststellen der Region - und ein Ende der vermutlich auf das Konto osteuropäischer Banden gehenden Serie ist nicht in Sicht. Die Autoknacker gehen bei ihren nächtlichen Beutezügen fast immer nach der gleichen Masche vor: Einer steht Schmiere, zwei Komplizen gehen an die Arbeit. Innerhalb weniger Sekunden werden am Straßenrand abgestellte Fahrzeuge aufgebrochen, selten filigran, häufiger mit brachialer Gewalt: Mal werden die Seitenscheiben eingeschlagen, mal wird mit einem so genannten Polen-Schlüssel das Schloss geknackt, mal wird mit dem "Rumänen-Knick" die Tür aufgehebelt. Dann räumen die Ganoven den Wagen aus. Bevorzugte Beute sind Navigationsgeräte, Autoradios oder andere Wertgegenstände. Zur Not, wie jüngst in Newel, begnügen sich die Autoknacker auch mal mit einem Paar Fußballschuhe. Der ganze Raubzug ist nach ein paar Minuten vorbei. Schicht-Ende für Gangster & Co. bis zur nächsten Nacht. Fast immer gilt: Der angerichtete Schaden ist größer als der Wert der Beute. Das Phänomen der über Land ziehenden Autoknacker-Banden ist nicht neu. Immer wieder in den vergangenen Jahren sorgten Aufbruch-Serien bundesweit für Schlagzeilen. Die nach polizeilichen Erkenntnissen meist aus Osteuropa stammenden Banden bleiben meist so lange, bis die Gegend "abgegrast" ist, der Verfolgungsdruck zu groß wird oder - wie Ende letzter Woche in Troisdorf (Rhein-Sieg-Kreis) - Bandenmitglieder geschnappt werden. In Troisdorf waren es zwei 23 Jahre alte Litauer, einem dritten Mann gelang die Flucht.Räumen Sie ihr Auto aus, bevor es andere tun

Für die Ermittler steht fest, dass viele Serien-Autoaufbrüche auf das Konto straff organisierter Diebesgruppen gehen. "Das ist organisierte Kriminalität", sagt der Trierer Kriminalhauptkommissar Armin Wacht. Die gestohlenen Radios oder Navigationsgeräte würden nach Osteuropa geschafft, unter Umständen neu codiert und gelangten anschließend über Internet-Auktionshäuser oder andere Kanäle wieder auf den Markt - "weit unter Neupreis". Laut Wacht hat die Polizei auf die Aufbruchserie in der Region reagiert: "Wir fahren häufiger Streife und haben mehr Personal im Einsatz." Doch auch die Autobesitzer selbst können ihr Scherflein dazu beitragen, dass sie nicht eines Morgens eine böse Überraschung erleben. Hauptkommissar Armin Wacht rät: Lassen Sie keine Wertsachen im Auto, auch nicht im Kofferraum. Räumen Sie Ihr Auto aus, bevor es andere tun. Nutzen Sie Ihre Garage, oder parken Sie Ihren Wagen an einer gut beleuchteten Stelle. Rufen Sie sofort die Polizei an, wenn Sie nachts verdächtige Geräusche hören oder etwas beobachten. Mehr Tipps zum Schutz vor Autoknackern und anderen Ganoven auf der Internet-Seite www.polizei-beratung.de.