Eingezäunt

Die Parlamentsferien haben Landtag und Staatskanzlei genutzt, um gewaltig "aufzurüsten". Neue hohe Betonpfeiler und mächtige Eisengitter, die eigentlich einen historischen Anschein haben sollten, vermitteln jedoch eher eine robuste, künstlich aufgesetzte Wehrhaftigkeit und harmonieren so gar nicht mit dem Mainzer Flair einer offenen und lebenslustigen Stadt.

Zu der ungezwungenen rheinhessischen Atmosphäre passt da eher die Zufahrt zum Innenhof des Parlamentsgebäudes. Dort ist schon seit vielen Monaten eine neue Schranke wieder demontiert, weil sie Autofahrern und Passanten durch ihre ungewohnte Schnelligkeit eins aufs Dach zu geben drohte. Zumindest ist überliefert, dass sie manche Abgeordnete abrupt stoppte und anderen schnelle Beine machte - so gesehen also auch unziemlich in den Parlamentsbetrieb eingriff. Ungewollt eingreifen musste Landtagspräsident Joachim Mertes beim neu herausgekommenen Parlamentshandbuch. Dort war Ministerpräsident Kurt Beck zu viel der Ehre zuteil geworden, weil er für die Jahre 1989 bis 1994 zum Oberbürgermeister seiner Heimatgemeinde "ernannt" wurde. Bevor tausende Leser sich staunend fragen konnten, wieso sich das kleine, knapp 2000 Einwohner zählende Steinfeld einen Oberbürgermeister leisten kann, ließ Mertes in die 10 000 Exemplare flugs einen Korrekturzettel einlegen mit der Bitte um Nachsicht, dass der Druckfehlerteufel "ganz prominent zugeschlagen" habe. Beck war natürlich Orts- und nicht Oberbürgermeister. Die CDU-Opposition erscheint der Staatskanzlei offenbar derzeit so schwach, dass Becks Zentrale über ihren Verteiler eine höchst regierungskritische Pressemitteilung der Union verschickte. Stutzig gewordene Journalisten rieben sich die Augen und vermuteten, die allgegenwärtige und allwissende Regierung wolle nun auch noch die Oppositionsarbeit übernehmen, weil sie eh alles besser kann. Doch dann trudelte eine Entschuldigung über das Faxgerät ein: "Dies war ein Versehen!!!" Dabei hätte es durchaus etwas, wenn die Regierung sich mal öfter selbst kritisieren würde.