Eltern nehmen Unterrichtsausfall nicht hin

Eltern nehmen Unterrichtsausfall nicht hin

Die Eltern rheinland-pfälzischer Schüler formieren sich überregional und prangern zu viel Unterrichtsausfall an. Rund 70 Schulelternsprecher von Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen und Realschulen plus haben ein Protestschreiben an Bildungsministerin Doris Ahnen unterzeichnet.

Mainz. Aus Sorge um die Zukunft ihrer Kinder machen Elternvertreter gegen ein ihrer Ansicht nach flächendeckendes Problem mobil. "Wir haben zu wenig Lehrer", klagt Manfred Ries von der Arbeitsgemeinschaft der Gymnasialelternbeiräte Trier (AGT) am Montag bei einer Pressekonferenz in Mainz. Erschreckend viele Stunden fielen aus. "Man kann nicht mehr von einem regulären Unterricht reden."
Aufgeschreckt wurden die Eltern dadurch, dass Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) eine Antwort auf die Frage schuldig geblieben sei, welcher Grad an Unterrichtsversorgung mit den im Doppelhaushalt des Landes 2012/2013 veranschlagten Mitteln erreicht werden kann.
Die Eltern engagieren sich ehrenamtlich, unabhängig von Schulformen und nach eigenem Bekunden parteipolitisch neutral. Eines ihrer Ziele formuliert Reiner Schladweiler aus Temmels im Kreis Trier-Saarburg, Sprecher des Regionalelternbeirates, so: "Wir haben einen Kohlepfennig und einen Wassercent, uns fehlt noch ein Bildungseuro."
Die Kritiker bemängeln, dass eine Grundversorgung des Unterrichts mit planbaren Lehrerstellen faktisch nicht mehr vorhanden sei. Stundenpläne müssten durch Lehrermangel immer wieder kurzfristig umgeworfen werden. "Vertretungslehrer retten es nicht", sagt Stephanie Oehl von der Arbeitsgemeinschaft der Schulelternbeiräte an Gymnasien und integrierten Gesamtschulen in Mainz und Umgebung.
Als Folgen des Lehrermangels reklamieren die Elternvertreter "eine für Schulen und Bewerber völlig unberechenbare Personalpolitik", die zu deutlichen Einbußen in der Bildungsqualität führe. Als Skandal empfinden viele, dass Referendare nach ihrer Ausbildung abwanderten, weil der Markt von anderen Bundesländern abgegrast werde und Rheinland-Pfalz in die Röhre gucke.
Verlangt wird, dass mehr Geld in die Bildung fließt und vor allem den Schülern auch zugutekommt. Bisher profitierten von steigenden Ausgaben im Bildungssektor nur die Bediensteten und die Bürokratie. "Wir müssen wieder Struktur in die Schullandschaft bekommen", sagt Jutta Albrecht, Elternsprecherin des Max-Planck-Gymnasiums Trier.
Bildungs-Staatssekretär Hans Beckmann reagiert auf den Protest: "Die Sicherstellung einer guten Unterrichtsversorgung hat für uns und für die Schulaufsicht höchste Priorität." Der Maßstab sei dabei für die Landesregierung, "dass die Schulen durch die Lehrerzuweisungen ein Angebot machen können, das deutlich über die Pflichtstundentafel hin-ausgeht". Bei kommenden Einstellungsterminen werde besonderes Augenmerk auf Verbesserungen in Gymnasien und Berufsbildenden Schulen gelegt.Extra

Der Philologenverband Rheinland-Pfalz glaubt nach einer Analyse von Zahlen des Statistischen Bundesamtes, eine signifikante Unterfinanzierung der allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz von jährlich 176 Millionen Euro festzustellen. Rheinland-Pfalz wende pro Jahr pro Schüler nur 5600 Euro auf, bei den anderen Bundesländern seien es im Schnitt 6000 Euro. Das Land rangiere damit nur an 14. Stelle. Wolle Rheinland-Pfalz mit den Spitzenländern gleichziehen, müsste es rund eine Milliarde Euro zusätzlich investieren. Das Bildungsministerium weist den Vorwurf als "recht einseitige Interpretation" der Zahlen des Bundesamtes zurück. Die Vergleichbarkeit der Länder sei nur eingeschränkt möglich.fcg