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Endzeitstimmung im Élysée-Palast

Endzeitstimmung im Élysée-Palast

Präsident Hollande ist am letzten Nationalfeiertag seiner Amtszeit auf dem Tiefpunkt angelangt. Neben einem Frisör-Skandal setzt ihm auch sein Wirtschaftsminister zu.

Paris. Als François Hollande am Donnerstag um 13.15 Uhr sein traditionelles Interview zum französischen Nationalfeiertag begann, fiel der Blick der Fernsehzuschauer zuerst auf die wohlgefönten Haare des Präsidenten. Knapp 10 000 Euro monatlich kostet die Steuerzahler der Coiffeur, der den Staatschef jeden Tag frisiert. Eine gute halbe Million Euro macht das in fünf Jahren Amtszeit, rechnete die Satirezeitung Le Canard Enchainé vor. Viel Geld für einen Sozialisten, der sich als "normaler Präsident" vom luxuriösen Lebensstil seines Vorgängers abheben wollte. Kein Wunder also, dass der Frisör des Élysée auch Gegenstand des 50 Minuten langen Interviews war, des letzten in Hollandes Amtszeit.
Vorwurf der Entfremdung


Ob er nicht merke, wie weit er sich von seinem Volk entfernt habe, wollte einer der Journalisten wissen. Es war der Vorwurf der Entfremdung, der dem einst als volksnah geltenden Präsidenten seit einem Jahr gemacht wird und den er auch am Donnerstag nicht entkräften konnte. Im Gegenteil: wie ein Oberlehrer rechnete der Staatschef die Einsparungen vor, die er in den vergangenen Jahren im Präsidentenbudget vornahm. "Man kann mir viele Vorwürfe machen, aber nicht diesen", wehrte sich Hollande gegen eine mögliche Verschwendung.
Kämpferisch sollte der Auftritt des 61-Jährigen wirken, der mit Zustimmungswerten von nur noch zwölf Prozent so unbeliebt ist wie kein anderer Staatschef der vergangenen Jahrzehnte. Dennoch sind seine Ambitionen auf eine zweite Amtszeit kein Geheimnis mehr. Erklären will sich Hollande erst im Dezember, doch das Rennen um die Kandidatur des sozialdemokratischen Lagers hat bereits begonnen.
Die Nase vorn hat dabei Hollandes charismatischer Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, der zwei Tage vor dem Nationalfeiertag eine erste Kundgebung seiner Bewegung En Marche abhielt. Der parteilose 38-Jährige will mit der Anfang April gegründeten Gruppierung, die bereits mehr als 50 000 Anhänger hat, das traditionelle Rechts-Links-Schema aufbrechen. Hollande sah dem Treiben seines einstigen Zöglings, den er 2012 als Wirtschaftsberater an seine Seite geholt hatte, bisher duldsam zu.
Ermahnung für Macron



Auf den Rauswurf seines beliebten Ministers verzichtete der Präsident auch am Donnerstag. Statt dessen blieb es bei einer erneuten Ermahnung: "Wer die Regeln nicht respektiert, kann nicht in der Regierung bleiben", drohte Hollande, ohne zu sagen, wo für ihn die rote Linie liegt.
Macron hat zwar noch keine eigene Präsidentschaftskandidatur verkündet, aber klargemacht, dass sein Engagement auf das Wahljahr 2017 zielt.
Der frühere Investmentbanker sparte vor seinen Anhängern auch nicht mit Spitzen gegen den Staatschef, ohne ihn beim Namen zu nennen. "Unser Land ist der nicht gehaltenen Versprechen müde", sagte Macron beispielsweise.
Traurige Bilanz


Gemeint war die Zusage Hollandes, die Tendenz zu immer mehr Arbeitslosen zu stoppen. An diese Trendumkehr hatte der Präsident auch die Kandidatur für eine Wiederwahl geknüpft. Doch bisher hat er als traurige Bilanz rund 600 000 zusätzliche Arbeitslose vorzuweisen. "Die Entscheidungen, die ich getroffen habe, waren gut", bekräftigte der Sozialist seinen Kurs. Das gilt auch für die umstrittene Liberalisierung des Arbeitsrechts, gegen die Gewerkschaften in den vergangenen Monaten massiv mobil machten.
Zu dem Gesetz habe es am Anfang lediglich zu wenig Erklärungen gegeben, rechtfertigte sich der Staatschef. Für weitere Erklärungen bleibt ihm nun nur noch wenig Zeit - in zehn Monaten wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt.