"Energiepreise werden langfristig sinken"

"Energiepreise werden langfristig sinken"

Die Kauffrau, Umweltökonomin und Unternehmensberaterin Eveline Lemke wird erste grüne Wirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz. Im TV-Interview sagt sie, was anders werden soll.

Neuwied. Was will die grüne Ressortchefin Eveline Lemke mit dem neu zugeschnittenen Wirtschaftsministerium durchsetzen? Mit Lemke sprach unsere Mitarbeiterin Angelika Koch.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse aus Ihrer Tätigkeit als Unternehmensberaterin fließen in Ihre künftige Arbeit ein?
Lemke: Meine handfeste und pragmatische Laufbahn als Groß- und Außenhandelskauffrau im Stahlhandel und für die Geschäftsleitung der Deutschen Erz- und Metallunion prägt natürlich und sensibilisiert für unternehmerisches Denken. Als Unternehmensberaterin hatte ich besonders mit kleinen und mittelständischen Betrieben zu tun, die sich neu aufstellen wollten - vor allem im Sektor der erneuerbaren Energien und im grünen Handwerkerumfeld. Wenn ich jetzt als rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Politik für eine stark mittelständisch geprägte Region mache, kenne ich die Mentalität und die Strukturen dieser Betriebe - und auch deren Probleme.

Bisher standen die Grünen nicht für Wirtschaftskompetenz, die eher dem konservativen Lager zugeschrieben wurde. Welches sind die Grundpfeiler einer ökologischen Wirtschaftspolitik?
Lemke: Vor allem ist es die Einsicht, dass Ökologie und Ökonomie keine Widersprüche sind, im Gegenteil. Viele Unternehmen leben das bereits, aber in etlichen Bereichen ist noch Luft nach oben. Ein Beispiel: die faire Preispolitik bei Energien wie Wind, Sonne und Wasser - Ressourcen, die eigentlich frei zur Verfügung stehen. Die sollte jeder nutzen und sich unabhängig machen können. Den Rest macht dann der Markt. Langfristig werden die Energiepreise sinken, wenn wir heute die Weichen dafür stellen. Die regionalen Energiewirtschaftssysteme zu stärken und dezentral aufzubauen ist unsere Aufgabe. Davon abgesehen wird das Ende des Rohstoffes Erdöl uns zu neuen Produktentwürfen, Verfahren und Verarbeitungsprozessen führen.

Und außerhalb des Energiesektors?
Lemke: Ein anderes Beispiel ist die stärkere Ausrichtung auf regionale Aspekte. Die Regionalmarke Eifel, die auch Tourismus und Handwerk einbezieht, ist ein Vorbild für andere Teilregionen des Landes, wie die Wertschöpfung vor Ort gesteigert werden kann - wenn das Marketing stimmt.

Nun zum Hochmoselübergang ...
Lemke: Projekte wie den Hochmoselübergang haben wir nicht zu verantworten und wir halten ihn nach wie vor für falsch. Der zwischen uns und der SPD geschlossene Koalitionsvertrag ist kein Bauauftrag für diese Brücke. Sondern der war längst gegeben, von CDU, FDP und SPD. Leider funktioniert Politik nicht so, dass wir nun einfach all das rückgängig machen könnten, was vorher jahrelang in die falsche Richtung lief. Wichtig ist es, dass zumindest künftig derartig unsinnige Projekte gar nicht erst geplant werden, und dafür sorgen wir.

Welche Projekte wollen Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen?
Lemke: Nun lassen Sie mich doch erst einmal im Ministerium ankommen! Ich werde dann schnellstmöglich eine tour d\'horizon zu den Unternehmen und Verbänden vor Ort machen, um in den Dialog mit ihnen zu treten und zu erläutern, womit wir anfangen wollen. Da ist natürlich das Thema Energie als Schlüsselfaktor - und zum anderen eine Offensive gegen den Fachkräftemangel. Hier werden wir auch intensive Kontakte nach Luxemburg suchen, denn dieses Problem ist grenzüberschreitend. ako