Entzweiender Zweikampf

BAD KREUZNACH. Alles war vorher abgesprochen: Norbert Schindler wird Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, der Dauner Leo Blum sein Stellvertreter. Doch dann trat Heribert Metternich auf den Plan, kandidierte bei der Vollversammlung am Donnerstag gegen Blum – und gewann. Auch am Tag danach erhitzte die Skandal-Wahl die Gemüter.

Leo Blum macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Ich bin sehr enttäuscht", sagt der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, der eigentlich seit Donnerstag auch Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sein sollte. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre. Die Bauern- und Winzerverbände Rheinland-Pfalz Süd und Rheinland-Nassau, die jeweils 40 Delegierte stellen, hatten sich im Vorfeld abgestimmt: Der Präsident des Südens, Norbert Schindler, sollte Nachfolger des scheidenden Kammerpräsidenten Günther Schartz werden, der Präsident des Nordens, Blum, sein Stellvertreter. Bei der Vollversammlung am Donnerstag in Bad Kreuznach lief zunächst alles wie abgesprochen: Schindler wurde mit einer Mehrheit von 84 Prozent gewählt (der TV berichtete). Dann die handfeste Überraschung: Heribert Metternich aus Anshöfen im Westerwald erhielt bei seiner Kampfkandidatur gegen Leo Blum die Stimmen von 40 der anwesenden 75 Delegierten. Die Verantwortung dafür sieht Blum beim Süd-Verband: Die meisten Stimmen für Metternich seien von dort gekommen. "Reine Spekulation", kontert Blums Widersacher Heribert Metternich. "Es war schließlich eine geheime Wahl." Er habe sich vor einer Woche zur Gegenkandidatur entschlossen, weil er "von Freunden darum gebeten" worden sei, sagte er am Freitag dem TV. "Meine Motivation ist, den "Grünen Berufen" wieder zu einer höheren Wertigkeit zu verhelfen. Ich glaube, das besser zu können als Leo Blum." Außerdem könne er sich mehr zeitliche Freiräume schaffen als Multifunktionär Blum. Der möchte über die Gründe seiner Niederlage nicht spekulieren. "Wer bei einer demokratischen Wahl antritt, muss eben damit rechnen, zu verlieren", sagte er. Nur so viel ließ er sich entlocken: "Vielleicht ist die Historie noch nicht ganz vergessen." Der Zweikampf Blum gegen Metternich am Donnerstag war nämlich nicht der erste: Bei Blums Wahl zum Verbandspräsidenten vor sechs Jahren hatte er sich im dritten Wahlgang gegen Metternich durchgesetzt. Insider spekulierten gestern auch, die Klatsche vom Donnerstag könnte eine späte Retourkutsche der "Günter-Schartz-Fraktion" unter den Bauern sein - Blum galt in früheren Jahren als dessen Gegenspieler. Auch Blums Amt an der Spitze des Bundesverbands der landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger könnte nach Einschätzung aus Fachkreisen eine Rolle gespielt haben: Manche Bauern lasten ihm offenbar die massiven Probleme bei der sozialen Sicherung von Landwirten an. Die meisten Insider teilen allerdings Blums Einschätzung, dass die Mehrheit seiner Gegner im Süden des Landes zu Hause ist - eine mögliche Folge von Blums Zurückhaltung beim Thema Fusion der beiden Verbände. Die Europa-Abgeordnete Christa Klaß macht unterdessen eine schlechte Vorbereitung der Wahlen für den Ausgang mit verantwortlich. "Man hätte sich im Vorfeld besser abstimmen müssen", sagte sie dem TV. "Da sind riesengroße Fehler gemacht worden." Die CDU-Politikerin aus Osann-Monzel war bei der Vollversammlung zunächst auf einen Vorschlag hin zur Wahl des zweiten Schindler-Stellvertreters angetreten, ließ dann aber dem vorgesehenen Kandidaten Rudolf Schneichel (Kruft) den Vortritt. Sie habe die Gelegenheit nutzen wollen, bei der Vorstellungsrede ihre Positionen zur Zusammenarbeit von Landwirten und Politikern sowie zum Thema Frauen in den landwirtschaftlichen Gremien darzustellen, sagte sie am Freitag. Sie habe jedoch nicht noch mehr Unruhe in die Versammlung bringen wollen und die Kandidatur deshalb zurückgezogen. Schneichel wurde planmäßig gewählt. Im künftigen Vorstand der Kammer sitzen aus der Region Trier Leo Blum, Christa Klaß und der Wittlicher Manfred Zelder. Die Kontrahenten Blum und Metternich haben derweil unisono angekündigt, das Kriegsbeil schnell zu begraben - denn pikanterweise müssen sie weiterhin eng zusammenarbeiten: Metternich ist einer von Blums Stellvertretern als Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau.