"Erbärmlich schlecht"

TRIER. Wenn die Polizei anruft und eine Anzeigenschaltung in einem "brandneuen Sicherheitsberater" vorschlägt, denkt zunächst einmal niemand an Fallen, Klauseln und Kleingedrucktes. Das kann ein teurer Fehler sein. Bundesweit hagelt es Proteste gegen die Werbe-Methoden für die Broschüre "Sicherheit heute".

Die "Bundesvereinigung der Polizei-Basis-Gewerkschaften" und ihre Methoden, die kostenlose Postwurfsendung "Sicherheit heute" mit Anzeigen füllen zu lassen, beschäftigen Rechtsanwälte, Polizeiinspektionen sowie Bezirksgruppen der Gewerkschaft der Polizei und füllen Diskussionsforen im Internet.Es hagelt sowohl Beschwerden von Gewerbetreibenden, die sich geprellt fühlen, als auch Warnhinweise der Polizei, die mit dieser Institution oftmals nichts zu tun haben will. Die Rede ist von Anrufern, die sich mit "Hier ist die Gewerkschaft der Polizei" melden. Diese Anrufer, so behaupten viele Betroffene, erzählen von gestiegenen Kriminalitätsraten, von Kindesmissbrauch, von Einbrüchen und Verkehrsunfällen.

Dagegen wolle man etwas tun. Eine kostenlose Broschüre solle die Haushalte darüber aufklären, wie die Polizei die Sache sieht, und welche Ratschläge sie auf Lager hat. Fazit: Der Gewerbetreibende, der in "Sicherheit heute" eine Anzeige schaltet, wirbt für sein Unternehmen und tut gleichzeitig auch noch etwas Gutes.

"Die Leute denken tatsächlich, mit einer Anzeige in diesem übrigens redaktionell erbärmlich schlecht gemachten Blatt die Polizei und einen guten Zweck zu unterstützen", sagt Rechtsanwalt Jan Dorell. Nach seinen Angaben beginnen die Telefonwerber mit einem Anzeigenpreis in Höhe von 400 Euro, gehen aber auf 200 runter, wenn der Angerufene zögert. Wer nicht fristgerecht kündigt, gibt automatisch noch zwölf weitere Anzeigen in Auftrag.

Grüße vom Rotlicht-Klub

Der Trierische Volksfreund konfrontierte die "Bundesvereinigung der Polizei-Basis-Gewerkschaften" mit diesen Vorwürfen und ließ sich erläutern, welche Ziele die Institution verfolgt.

Erste Aussage des Vorsitzenden Dieter Uekermann: "Wir sind nur für den redaktionellen Teil der Broschüre zuständig." Aber: "Im Verlaufe dieses Jahres wird eine völlige Umstellung der Akquisition erfolgen, sodass in Zukunft keine Grundlage mehr für die bisher geäußerte Kritik bestehen wird."

Uekermann weiter: "Die Broschüre wird vom Herausgeber in einer jeweils vertraglich festgelegten Anzahl an die Inserenten versandt und von dort mit dem entsprechenden Werbeaufdruck auf der Titelseite weiterverteilt. Eine zusätzliche Verteilung findet an private Haushalte in den jeweiligen Akquisitionsbereichen statt." Das bestätigt Rechtsanwalt Dorell: "Die Werber gehen nach Landkreisen vor."

Im Landkreis Trier-Saarburg war die Ausbeute in der jüngsten Ausgabe offensichtlich nicht überragend. Zwischen einer Anzeige des Deutschen Roten Kreuzes - "Blut spenden hilft Leben retten" - und der Werbung einer Bar in Mainz findet der Leser auf Seite 1 von "Sicherheit heute" das Kästchen eines Rotlicht-Klubs in der Verbandsgemeinde Trier-Land. Der Text: "Wir blasen besser als jedes Polizeicorps." Wie man hört, ist das Polizeipräsidium Trier nicht erfreut über dieses Zusammenspiel.

Dieter Uekermann erläutert Ziel und Positionierung der Bundesvereinigung: "Wir wollen die Lobby gewinnen, die es uns ermöglicht, die gemeinsamen Interessen von Polizei und Bevölkerung auf größtmögliche Sicherheit durchzusetzen." In diesem Sinne unterscheide man sich "von anderen polizeilichen Berufsorganisationen, die sich in gewerkschaftlichen Dachverbänden den Interessen anderer und meist auch größerer Berufsorganisationen unterwerfen müssen".

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