Erben 2.0: So regeln Sie den digitalen Nachlass

Erben 2.0: So regeln Sie den digitalen Nachlass

E-Mails oder Facebook-Fotos kann man aus rechtlicher Sicht genauso vererben wie Schmuck oder Autos. Doch gibt es Tücken.

Das Leben verlagert sich zunehmend in die Online-Welt. Wir produzieren auf digitalen Kanälen riesige Datenmengen, wir besitzen etliche Logins, Online-Konten und Profile. Bankgeschäfte, Einkäufe, Verträge, Freizeitaktivitäten, private Korrespondenzen und vieles mehr wickeln wir online ab. Aber nur die wenigsten denken darüber nach, was mit all den Nutzerdaten und digitalen Inhalten nach dem Tod passiert.

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Die Rechtsanwaltskammer Koblenz, die auch die Rechtsanwälte der Region Trier vertritt, gibt folgende juristische Tipps:

Auch E-Mails werden vererbt Nach deutschem Recht existiert zwischen dem "normalen" und dem "digitalen" Nachlass kein Unterschied. Mit dem Tod eines Menschen gehe dessen Vermögen als Ganzes auf die Erben über. Zum "Vermögen" zählen sowohl elektronische Geräte - Computer, Tablet, Smartphone, Spielkonsole, MP3-Player - als auch Datenspeicher - USB-Stick, Festplatte oder DVD - sowie sämtliche Daten, die auf Speichermedien erfasst sind. Welcher Art die Inhalte sind, spielt der Kammer zufolge keine Rolle. Das Eigentum an einem elektronisch verfassten Text falle ebenso in den Nachlass wie der private Brief des Erblassers.

Mit Testament und Vollmacht vorsorgen "Um langwierigen Streit um den digitalen Nachlass zu vermeiden, sollte jeder, der über Online-Konten verfügt, vorsorgen", raten die Juristen. So können Betroffene für die Erben die Zugangsdaten zu E-Mail-Konten und anderen Internet-Diensten in einem Testament festhalten. Dieses kann auch bestimmen, dass nur bestimmte Menschen Einblick in die Daten erhalten - gerade wenn diese private Informationen enthalten, die Angehörige negativ überraschen könnten. Mit einer "Vorsorgevollmacht" können Betroffene es den Bevollmächtigten (die meistens auch die Erben sind) ermöglichen, auf solche Daten zuzugreifen, und anordnen, was damit geschehen soll. Dies sei insbesondere bei kostenpflichtigen Abonnements, die nach dem Tod gekündigt werden müssen, ratsam.

Grenzen des digitalen Vererbens Auch Vereinbarungen mit sozialen Netzwerken, Streaming-Diensten oder Cloud-Anbietern, sind laut Rechtsanwaltskammer grundsätzlich vererbbar. Doch genau hier liegt die Krux: Die vertraglichen Regelungen, insbesondere in Form von Allgemeinen Geschäftsbeziehungen (AGB) lassen eine Übertragung des Vertrags auf den Erben nicht ohne Weiteres zu. Wie verschieden die Regelungen in den AGB sind, zeigt folgender Überblick: Einige Anbieter, wie GMX, behalten sich den Juristen zufolge das Recht vor, den Account nach einer gewissen Zeit der Inaktivität automatisch zu löschen. Yahoo lösche mit dem Tod des Nutzers. Anbieter wie Apples iCloud lehnten die Übertragbarkeit eines E-Mail-Accounts ausdrücklich ab - mit der Folge, dass die Rechte daran und sämtliche gespeicherte Kommunikation mit dem Tod erlöschen. GoogleMail und andere verwehrten die Zugangsdaten, behielten sich aber vor, selbst E-Mails und Inhalte herauszugeben.
Auch das Telekommunikations- oder das Datenschutzrecht kann dem Erbrecht Grenzen setzen. Ferner müssen laut Kammer bei höchstpersönlichen Inhalten über den Tod hinaus Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen berücksichtigt werden.

ALLGEMEINE TIPPS ZUM THEME ERBEN
(dpa) Seinen letzten Willen sollte jeder selbst formulieren, rät die Stiftung Warentest in Berlin. Viele Menschen machen dafür ein Testament. Bevor ein solches Dokument aber aufgesetzt werden kann, sollte sich jeder einige grundlegende Fragen stellen. Dann - so die Stiftung - könne das Erbe gut geregelt werden. Fünf Schritte bis zum Ziel:
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Schritt 1 Was soll mit dem Vermögen passieren? Diese Frage ist wichtig, denn die Ziele sind oft vielfältig: Während der eine seine Familie absichern möchte, liegen dem anderen vielleicht die Förderung sozialer oder kultureller Einrichtungen am Herzen. Möglicherweise gibt es auch Personen, die besonders bedacht werden sollen, weil sie Familienmitglieder gepflegt haben.
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Schritt 2 Passt die gesetzliche Erbfolge? Kinder und Ehepartner zuerst - auf diese etwas simple Formel lässt sich in etwa die gesetzliche Erbfolge reduzieren. Wem das reicht, der braucht vielleicht gar kein Testament. Um das herauszufinden, können Erblasser einen Stammbaum zeichnen, das hilft beim Verständnis.
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Schritt 3 Wie viel Vermögen ist vorhanden? Ratsam ist es, eine Vermögensübersicht zu erstellen, raten die Warentester. Erfasst werden sollten zum Beispiel Konten, Depots, Ansprüche aus Versicherungen oder Wertgegenstände. Beim Aufschreiben bekommen Erblasser vielleicht schon eine Idee, wer was bekommen soll.
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Schritt 4 Was wollen die Erben haben? Die Immobilie mag einem Erblasser wichtig sein, seinen Erben aber vielleicht nicht. Das können sie schon zu Lebzeiten in Erfahrung bringen - aber besser subtil. Denn konkrete Vorgespräche können auch Enttäuschung provozieren, erklären die Experten.
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Schritt 5 Wer hilft beim Schreiben? Wer seine Gedanken geordnet hat, sollte sich für das Aufsetzen eines Testaments Hilfe holen. Denn in der Regel können juristische Laien viele Fehler in ein Testament einbauen, in dem mehrere Erben bedacht werden sollen. Rechtsanwälte oder Notare können helfen, solche Fallen zu umgehen.