1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Erfolgsgeschichte Ökolandbau: Bauern setzen auf Bio-Boom

Erfolgsgeschichte Ökolandbau: Bauern setzen auf Bio-Boom

In Rheinland-Pfalz werden bereits neun Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet. 20 Prozent sollen es werden. Umweltministerin Höfken lädt zum Kongress ein.

Es passiert eher selten, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) einer Meinung sind. Doch das Thema Ökolandbau scheint die beiden zusammenzubringen: Sie freuen sich über die gleiche Entwicklung und verfolgen sogar dieselben Ziele.

"Der Ökolandbau ist eine Erfolgsgeschichte", sagt Höfken. Auf Landes- und auf Bundesebene gilt gleichermaßen: Noch nie gab es so viele Bio-Betriebe, und noch nie war die Fläche, auf der Bio-Lebensmittel produziert werden, derart groß. In Rheinland-Pfalz wirtschafteten 2016 acht Prozent aller Betriebe ökologisch - insgesamt 1445. Rund 63.500 Hektar, das sind neun Prozent der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsfläche, dienen inzwischen der Produktion von BioLebensmitteln. Damit hat sich die Fläche innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt. Der Bundesschnitt lag zuletzt bei 7,5 Prozent.

Mehr: Ökolandbau in der Region: Bio ist gut fürs bäuerliche Bankkonto

"Diese Erfolgsgeschichte darf nicht ausgebremst werden", sagt Schmidt. Genau wie Höfken will er erreichen, dass 20 Prozent aller Äcker, Wiesen oder Weiden ökologisch bewirtschaftet werden, um die große Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln stärker durch heimische Produkte zu stillen. Rheinland-Pfalz unterscheidet sich deutlich von anderen Ländern, denn der Bio-Weinbau spielt eine große Rolle: Hier liegen 65 Prozent aller Öko-Rebflächen Deutschlands. Wegen der Milchkrise haben auch viele Milchvieh- und Grünland-Betriebe umgestellt. Während der Preis für konventionelle Milch immer wieder abstürzte, gab es für Bio-Milch 49 Cent pro Liter. "Das war eine sehr schöne Kontinuität", sagt Bioland-Sprecher Regino Esch. Und es zeige, dass der Verbraucher auch bereit sei, dies zu zahlen. Aktuell streben recht viele Betriebe nach Auskunft des Mainzer Umweltministeriums an, Bio-Eier zu produzieren.

Die Verbraucherzentrale begrüßt die Entwicklung. Denn noch immer hinkt das Angebot hinter der Nachfrage her. "Es ist ein Wunsch vieler Verbraucher, Bio-Produkte aus der Region zu kaufen", sagt Waltraud Fesser, Referentin Lebensmittel und Ernährung. Dabei spiele weniger die Gesundheit eine Rolle, sondern vor allem der Wunsch nach Umwelt- und Tierschutz. Positiv sieht Fesser zudem, dass die Bio-Landwirtschaft das Grundwasser schont, das in vielen Teilen des Landes stark mit Nitrat belastet ist. Was die Verbraucherzentrale in Anbetracht des aktuellen Eier-Skandals nicht nur für die Ökohöfe, sondern für alle landwirtschaftlichen Betriebe fordert, sind unangekündigte Kontrollen.

"Ob konventionell oder ökologisch - jeder Betrieb muss seinen Weg finden", sagt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau. Er warnt Berufskollegen allerdings: "Wer biologisch produzieren will, muss absoluter Profi sein, sonst funktioniert es nicht." In Zeiten des Klimawandels hätten Bio-Bauern es noch schwerer, da sie auf viele Hilfsmittel wie Pflanzenschutzmittel oder Kunstdünger verzichten müssten.

Höfken lädt für den 8. September zu einem Kongress nach Bad Kreuznach ein, der zeigen soll, wie man den rheinland-pfälzischen Bio-Landbau voranbringen kann.