Erfreuliche Nebenwirkungen

Erfreuliche Nebenwirkungen

TRIER. Rund 20 000 Studenten bevölkern die Universität, die Fachhochschule und die Theologische Fakultät Trier. Sie haben nicht nur die Stadt und das Umland kräftig umgekrempelt und aufgefrischt, sie sind auch der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Region. Das haben sie nun schwarz auf weiß.

Dass der Präsident der Trierer Industrie- und Handelskammer gute Noten für die SPD-geführte Landesregierung verteilt, gehört zu den eher seltenen Ereignissen. Doch angesichts der Daten und Fakten, die bei der Vorstellung der Studie über "Regionalwirtschaftliche Wirkungen der Hochschulen in Rheinland-Pfalz" im IHK-Tagungszentrum auf dem Tisch lagen, kam selbst Wolfgang Natus nicht umhin, Ministerpräsident Beck ein ausdrückliches Lob ausrichten zu lassen.Zöllners Etat kein Fass ohne Boden

Der damit beauftragte Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner hörte es mit sichtlicher Zufriedenheit. Nicht nur, weil sich gute Nachrichten vier Monate vor anstehenden Wahlen besonders schick machen. Seit Jahren predigt der ehemalige Präsident der Uni Mainz, die Hochschulen im Lande seien nicht nur Ausbildungs- und Forschungsstätten, sondern auch gewichtige Wirtschaftsfaktoren vor Ort. Das Forschungsprojekt "Hochschule und Region", für das sich renommierte Institute der Unis Trier, Mainz und Kaiserslautern zusammengetan haben, liefert ihm jetzt die zur Untermauerung notwendigen fundierten Daten. Vor allem der Umstand, dass jeder aus öffentlichen Mitteln investierte Hochschul-Euro mit dem Faktor "mal 1,4" vor Ort aufschlägt, stimmt Zöllner froh. Erscheint doch sein Etat nicht mehr als Fass ohne Boden. Das gibt Pluspunkte bei den nächsten Haushaltsberatungen. "Ich hoffe auf eine Verstetigung der verstärkten Ausgabenpolitik des Landes für die Hochschulen", umschreibt der stets mit Fliege geschmückte akademische Diplomat, was konkret "mehr Geld" heißt. Der Druck für eine bessere - oder zumindest nicht reduzierte - Ausstattung der Hochschulen dürfte nach den Ergebnissen der Studie künftig verstärkt aus den Regionen kommen. Nicht zufällig betonte Triers Oberbürgermeister Helmut Schröer, die Einrichtung von Uni und Fachhochschule sei "die wichtigste Infrastrukturmaßnahme nach dem Zweiten Weltkrieg" gewesen. Trier hat dabei auch gegenüber der Landesregierung gute Karten, sind die Werte bei der Kosten-Nutzen-Relation doch die günstigsten im Land. Das hängt damit zusammen, dass die Studienplätze an einer geisteswissenschaftlichen Uni wie Trier nur halb so viel kosten wie im naturwissenschaftlich orientierten Kaiserslautern. Einzelne Standorte nicht vergleichbar

Freilich warnte der Trierer Volkswirtschafts-Professor Harald Spehl, einer der Väter der Studie, davor, die einzelnen Hochschulstandorte zu vergleichen. Zwar liefere die Analyse durch die Kombination zweier unterschiedlicher Ermittlungs-Ansätze sichere Daten für finanzielle Transfers, nicht aber über die weiteren "Nebenwirkungen", die sich aus der "Versorgung" einer Region mit qualifiziert ausgebildetem akademischen Nachwuchs ergeben. Unternehmensgründungen, Knowhow-Transfers, Personal-Nachwuchs für bestehende Betriebe: Solche Faktoren sollen im zweiten Teil des Wissenschaftsprojekts bis Ende kommenden Jahres herausgearbeitet werden. Das sei, so Spehl, "die eigentliche Herausforderung".