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Ergebnisse des Agrargipfels von Volker Wissing in Bad Kreuznach

Umwelt : So soll das Nitrat-Messnetz besser werden

Die Landesregierung plant ein neues Meldeportal und kleinteilige „rote Gebiete“.

Zu weitmaschig, nicht repräsentativ, nicht aussagekräftig. Im Vorfeld des Agrargipfels, zu dem Landwirtschaftsminister Volker Wissing am Montag nach Bad Kreuznach geladen hat, gab es viel Kritik am rheinland-pfälzischen Nitratmessnetz. In den zu stark belasteten „roten Gebieten“ sollen Landwirte, wenn die neue Düngeverordnung in Kraft tritt, 20 Prozent weniger düngen dürfen. Viele Bauern sehen ihre Existenz bedroht.

Wissing will das Messnetz nun mit Hilfe eines neuen Online-Portals optimieren. Auf dem könnten Landwirte Fragen zu Messstellen stellen, sagte der FDP-Politiker. Hinweisen zu möglicherweise fehlerhaften Standorten oder Messergebnissen werde nachgegangen. Betreut werden soll dieses Portal vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) und dem Landesamt für Umwelt.

Rheinland-Pfalz wolle auch zu einer kleinteiligeren Betrachtung der Nitrat-Belastungen kommen, der sogenannten Binnendifferenzierung, sagte Wissing. Aktuell sind ganze Grundwasserkörper als „rote Gebiete“ gekennzeichnet, wenn einzelne Messstellen zu hohe Werte aufweisen. Eine landesweite Modellierung, die auch Nährstoffüberschüsse einzelner Schläge betrachtet, soll auf Gemeindeebene Auskunft geben, welche Gebiete gefährdet sind.

Die Gespräche mit den Landwirten in Bad Kreuznach nennt Wissing „die sachlichste Diskussion der letzten Monate“. Auch Michel Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, lobt den guten Einstieg in einen besseren Dialog. Der Druck von der Straße zeige Wirkung. „Es liegt aber noch viel Arbeit vor uns.“

Der Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz  hat angesichts „der Verlautbarungen der Landwirtschaft“ aufgerufen, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen. Das meiste Nitrat komme eindeutig aus der Landwirtschaft. In Lobby-Videos werden allerlei andere mögliche Verursacher ins Spiel gebracht: Reitställe, Altdeponien, undichte Kanäle, ja sogar Gesteine. „Am Messnetz kann noch so viel optimiert werden, die Ergebnisse werden sich nicht grundlegend ändern“, sagt Verbandssprecher Ronald Roepke. Auch Umweltministerin Ulrike Höfken, deren Abwesenheit die CDU kritisierte, bezeichnete die Messnetz-Debatte  im Vorfeld des Gipfels als „Stellvertreterdiskussion“.

278 Grundwassermessstellen gibt es in Rheinland-Pfalz. 255 davon dienen zur Einteilung in rote und grüne Gebiete. Hinzu kommen Werte von 1362 Messstellen, die Wasserversorger dem Land zur Verfügung stellen. Teils sind es diese nicht-öffentlichen Daten, die dafür sorgen, dass Gebiete als rot bewertet werden. Das Umweltministerium gibt die Werte auch auf mehrfache Nachfrage unserer Zeitung nicht heraus. 1987 sei vereinbart worden, die Informationen nicht an Dritte weiterzugeben. Ein Jurist prüfe das nun. Landesweit nur 35 Messstellen umfasst das umstrittene EU-Nitratmessnetz, dessen Werte nach Brüssel gemeldet werden.19 liegen im Ackerland, elf im Grünland und fünf in Sonderkulturen. Bei einem Teil der elf Messstellen in der Region Trier wurde der Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter 2019 deutlich überschritten: In Dingdorf, Nattenheim, Saarburg-Kahren und Sehlem.