Erneuerbare Energie: In Rheinland-Pfalz werden fast keine Windräder mehr gebaut

Kostenpflichtiger Inhalt: Energie : In Rheinland-Pfalz werden so gut wie keine Windräder mehr gebaut

Bei den Erneuerbaren Energien ist die Region Trier Spitze. Allerdings kommen aktuell kaum neue Anlagen hinzu. Mainz gibt Berlin die Schuld daran.

Sähe es überall aus wie in der Region Trier, dann wären die Klimaziele keine so große Herausforderung mehr. Jedenfalls, wenn es um erneuerbare Energie geht. Spitzenreiter ist der Eifelkreis Bitburg-Prüm. Dort werden mehr als 134 Prozent des benötigten Stroms mit Hilfe von Wind, Sonne und Biogas erzeugt. Im Kreis Trier-Saarburg sind es 106 Prozent, in der Vulkaneifel 78 Prozent, im Kreis Bernkastel-Wittlich 64 Prozent und in Trier, wo es weder Windräder noch riesige Photovoltaikanlagen gibt, nur 20 Prozent.

Damit liegen die Kreise alle deutlich über dem Bundesschnitt: Laut Umweltbundesamt wurden 2018 nur 37,8 Prozent des verbrauchten Stroms regenerativ erzeugt. Das Land Rheinland-Pfalz hinkt mit 36 Prozent leicht hinterher. Und allzu viele neue Anlagen kommen derzeit nicht hinzu.

Sind die Klimaziele so überhaupt zu erreichen? Selbst in Mainz ist man skeptisch. Immerhin will sich das Land bereits 2030 komplett mit klimaneutralem Ökostrom versorgen. Dies sei nur möglich, wenn der Bund endlich alle Hemmnisse beseitige. So sei der Zubau von Windrädern an Land „dramatisch eingebrochen“, teilt das Mainzer Umweltministerium mit. 2018 seien in Rheinland-Pfalz nur noch 203 Megawatt hinzugebaut worden. Nur die Hälfte dessen, was 2013 oder 2014 üblich war. Laut Bundesverband Windenergie wurden bis Mitte August 2019 in Rheinland-Pfalz erst sechs Anlagen genehmigt.

Während sich Windkraftgegner freuen dürften, sagt die Sprecherin des Umweltministeriums: „Das ist eine desaströse Nachricht für den Klimaschutz“. Hauptgrund dieses Einbruchs seien Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2014 und 2017. Seitdem ist der Zubau zum einen mengenmäßig gedeckelt. Zum anderen muss, wer eine Anlage betreiben will, an einer bundesweiten Ausschreibung teilnehmen. Den Zuschlag erhält, wer das niedrigste Gebot in Cent pro Kilowattstunde abgibt. Da könne Rheinland-Pfalz einfach nicht mit dem Norden konkurrieren, wo der Wind stärker weht und Strom günstiger zu produzieren ist. Genau wie der BUND fordert Umweltministerin Ulrike Höfken daher, dass Deutschland für die Ausschreibung in Regionen aufgeteilt wird. „Im Sinne der Verbraucher ist der dezentrale Ausbau sinnvoll, dies vermeidet hohe Netzausbaukosten, generiert Wertschöpfung vor Ort und leistet einen Beitrag zur Versorgungssicherheit“, heißt es aus ihrem Ministerium. BUND-Landesvorsitzende Sabine Yacoub sieht für Rheinland-Pfalz einen Bedarf von weiteren 1000 Windrädern.

Höfkens Haus fürchtet, dass auch der Solarbranche ein unschönes Schicksal droht. Bereits 2020 könnte die Vergütung für Photovoltaikanlagen wegfallen, denn maximal 52 Gigawatt Solarenergie werden über das EEG refinanziert. Dies gefährde gerade Kleinanlagen. „Das entzieht vielen Handwerksbetrieben und Komponentenherstellern die Planungsgrundlage und setzt viele Arbeitsplätze, die regionale Wertschöpfung und auch den Klimaschutz aufs Spiel“, heißt es aus Mainz. Der Bund müsse die Deckelung dringend streichen.

Zudem fordert Höfken, die Nutzung von selbsterzeugtem Ökostrom von allen Umlagen, Abgaben, Steuern und Entgelten zu befreien.

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