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Erst Klöckner sorgt für Bierzeltatmosphäre

Erst Klöckner sorgt für Bierzeltatmosphäre

Beim Politischen Aschermittwoch der regionalen CDU in Trier gibt’s Heringe und verbale Schonkost.

Andreas Steier müsste eigentlich dankbar sein, dass er seine Aschermittwochsrede in einer eher tristen Nebenhalle der Trier- Arena hält. Würde der CDU-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl in einem Bierzelt sprechen, fiele der Kontrast zwischen der eher zurückhaltenden Art Steiers und der Tatsache, dass es beim Politischen Aschermittwoch ruhig mal etwas derber zugehen darf, umso mehr auf. Der 44-jährige Andreas Steier will im September für den nicht erneut kandidierenden langjährigen CDU-Parlamentarier Bernhard Kaster in den Bundestag einziehen. Im Wahlkreis kandidiert der Pellinger gegen SPD-Generalsekretärin Katarina Barley, die fast jeden Tag in den Fernsehnachrichten präsent ist. Da wird sich Andreas Steier in den verbleibenden knapp sieben Monaten anstrengen müssen, um sich in seinem Wahlkreis noch eine Spur bekannter zu machen. Die Themen reißt er am Mittwochabend schon einmal an: Infrastruktur, schnelles Internet, Europa. "Diese Region braucht den Kümmerer", schreibt ihm der scheidende Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster ins Stammbuch. "Wir müssen für unsere Heimat und unsere Region kämpfen." Auch Andreas Steier (TVFoto: Rolf Seydewitz) redet vom Kämpfen, doch zur eher bedächtigen Art des Trier-Saarburger Kommunalpolitikers will die Attitüde nicht so richtig passen. "Man braucht nicht nur Polterer", nimmt CDU-Landesvize Günther Schartz seinen Parteikollegen in Schutz. Der Applaus ist nach Steiers Rede artig, und nicht wenige unter den 300 Anwesenden mögen sich da schon nach der Landesvorsitzenden Julia Klöckner sehnen, die zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs von Mainz nach Trier ist. Als Klöckner um kurz vor 21 Uhr eintrifft, gibt es schon Applaus, als sie den Saal betritt. "Je später der Abend", ruft sie ein paar Minuten später von der Bühne, lobt die Heringe und die Pellkartoffeln und fügt hinzu, dass sie in der Fastenzeit auf Alkohol verzichte. "Sie glauben gar nicht, wie man sich da auf die Auferstehung des Herrn freuen kann", fügt sie hinzu, und der Saal ist begeistert. So ein bisschen Bierzeltatmosphäre geht selbst in einer tristen Turnhalle. Julia Klöckner beherrscht das Wechselspiel zwischen lockeren Gags und der Abteilung Angriff. Abwechselnd attackiert sie die Landesregierung und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, immer wieder wird ihre Rede von Applaus unterbrochen. So geht Wahlkampf mit humoristischen Einsprengseln. "Andreas Steier fehlt noch etwas der Schliff", meint ein Christdemokrat, der dem 44-Jährigen nach eigenen Angaben durchaus wohlwollend gegenübersteht. Den Schliff hat dafür Bernhard Kaster, der seine Partei zur Geschlossenheit im Bundestagswahlkampf aufruft. Auch Kaster nimmt sich den SPD-Kanzlerkandidaten vor, nennt ihn einen "Bratscheler", den man ernstnehmen und bei den Fakten stellen müsse. Ministerpräsidentin Malu Dreyer bezeichnete beim Politischen Aschermittwoch der SPD in Koblenz die Rechtspopulismus-Kritik aus der Union gegen Schulz als verfehlt. Er sei ein Politiker, der natürlich sehr populär, aber nicht populistisch sei. "Dass man jetzt in letzter Zeit beobachten kann, dass die AfD eher an Prozenten verliert als dazugewinnt, spricht auch ein bisschen dafür, dass die CSU, Herr Schäuble und Frau Klöckner da auch gar nichts mehr mit der Realität zu tun haben", meinte Dreyer. Zum Politischen Aschermittwoch der Landesgrünen wurde ebenfalls in Koblenz der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin erwartet.