Erst Missbrauch, dann Vertuschung: Vorwürfe halten Pfarreien im Saarland und Bistum Trier in Atem

Erst Missbrauch, dann Vertuschung: Vorwürfe halten Pfarreien im Saarland und Bistum Trier in Atem

Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe, Drohbriefe und Verleumdungen: Seit zwei Jahren rumort es in den Gemeinden St. Martin und Herz-Jesu im saarländischen Köllerbach. Was ist wirklich passiert? Anstatt aufzuklären, wirft eine Pressekonferenz des Bistums Trier weitere Fragen auf.

"Wir können uns noch nicht an einen runden Tisch setzen, weil alles noch auf Rechtspositionen verhandelt wird", sagt Georg Holkenbrink, Offizial (Leiter des Kirchengerichts) des Bistums Trier, vor der Presse. Die Situation in Köllerbach ist hochkomplex - und sie scheint verfahren.

Die Ausgangslage: Es gibt zwei Gemeinden - Herz-Jesu und Kirchenbauverein St. Martin. Die Priester von St. Martin zelebrieren nach altem Ritus und gehören laut Holkenbrink nicht zum Klerus des Bistums Trier. Mit einer Ausnahme: Ein Pater unterstand von Februar bis März 2007 dem damaligen Bischof Reinhard Marx. Dieser Pater und ein weiterer Priester der Gemeinde St. Martin sowie ein Mitglied des Kirchenvorstandes werden beschuldigt, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Laut Offizial Holkenbrink sind alle zur Anzeige gebrachten "Köllerbacher Missbrauchsfälle" wegen Verjährung eingestellt worden.

Der in einem Fall zuständige Freiburger Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier widerspricht dieser Aussage. "Wir können überhaupt nicht sagen, ob der Fall verjährt gewesen wäre. Es wurde nicht ermittelt, weil ein Familienmitglied, das Anzeige gestellt hatte, den Namen des Opfers nicht nennen wollte", erläutert Maier auf TV-Anfrage. Er bestätigt, dass das Bistum Trier 2010 den Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben hatte.
Obwohl es für den beschuldigten Priester nicht zuständig war? Als entscheidend sei letztlich angesehen worden, dass Verdächtige - durch die Taufe einmal in die Kirche aufgenommen - verpflichtet seien, kirchliche Gesetze und damit auch kirchliche Strafgesetze zu beachten, erklärt der Offizial.

Weiterer Zündstoff in Köllerbach: Pfarrer Guido Ittmann und Pater Klaus Gorges hatten vor zwei Jahren die Bistumsleitung über die Verdachtsfälle sexueller Gewalt in Köllerbach informiert. Danach warfen die Priester der Bistumsleitung "Vertuschung statt Aufklärung" vor. Zudem beschuldigte Pfarrer Ittmann seinen direkten "Chef", den Dechanten, Drohbriefe an ihn gesendet zu haben (der TV berichtete). Holkenbrink betont, es seien keine Drohungen, sondern beleidigende Briefe gewesen. Die Staatsanwaltschaft habe gegen den Dechanten ermittelt und die Vorwürfe nicht bestätigt.
Nach TV-Informationen will Ittmann diese Entscheidung nicht hinnehmen.

Mehr von Volksfreund