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Erste Händler in der Region nehmen Glyphosat aus den Regalen

Verbraucher verunsichert : Erste Händler in der Region nehmen Glyphosat aus den Regalen

Nach Urteilen in den USA sind viele Verbraucher verunsichert. Ist Glyphosat krebserregend? Diese Frage hatten Zulassungsbehörden weltweit mit Nein beantwortet. Dennoch ist sie hochaktuell, seit in den USA eine Klagewelle gegen Bayers Tochterfirma Monsanto anrollt.

Vergangene Woche urteilte eine Jury des Bundesbezirksgerichts in San Francisco, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat haftbar ist und dem Kläger mehr als 70 Millionen Euro Schadenersatz zahlen muss. Es ist bereits das zweite Urteil dieser Art. Mehr als 11 000 weitere Klagen wurden eingereicht.

Auch in der Region Trier sind Verbraucher – und Verkäufer – verunsichert. So nehmen Trierer Gartencenter das meistverkaufte Herbizid der Welt nun aus ihrem Sortiment. Dehner verkauft nur noch Restbestände. Das Gartenzentrum Lambert hofft, dass Lieferanten diese zurücknehmen. „Man muss sich dem Trend der Zeit anpassen“, sagt Martin Oed, obwohl es seiner Ansicht nach keine richtige Alternative gibt. Abflämmen von Unkraut sei mühsam, und Hausmittel wie Essig wirkten nicht so zuverlässig. Bei jüngeren Kunden merke man aber schon länger, dass sie sensibilisiert sind und lieber kein Glyphosat in ihren Garten spritzen.

Auch politisch bekommt das Thema eine neue Brisanz. In Berlin scheint man sich allerdings noch nicht einig zu sein, wie es weitergehen soll. Pläne gibt es viele. Passiert ist wenig. 2018 hatten Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze unabhängig voneinander präsentiert, wie sie Glyphosat loswerden wollen: Klöckner kündigte im April 2018 ein Verbot in Privatgärten, Parks, auf Schulgeländen oder Sportplätzen, am Wasser oder in Naturschutzgebieten an.  In der Landwirtschaft solle der Einsatz nur noch erlaubt sein, wenn es genügend Hecken gibt, in die sich Vögel zurückziehen können oder wenn Erosion droht. Schulze legte im November nach und kündigte einen schrittweisen Ausstieg aus der Nutzung an, der zusätzlich zu Klöckners Plänen vorsieht, dass mit Auslaufen der EU-Genehmigung im Jahr 2023 endgültig Schluss ist mit Glyphosat. Zudem sollen Landwirte zehn Prozent ihrer Ackerfläche als „pestizidfreie Lebensräume“ vorhalten.

Punkte, über die die Ministerien nun verhandeln. Für Streit sorgt, dass auf Geheiß des Umweltministeriums seit Anfang Januar ein neues Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel gilt. Ab 2020 müssen Landwirte, die solche Mittel nutzen, zehn Prozent ihrer Äcker in Blühflächen oder Brachen umwandeln.

Klöckners Ministerium gibt Schulzes Haus die Schuld daran, dass noch nichts passiert ist. Dieses habe sich lange nicht zu der geplanten Verordnung geäußert. Die Zustimmung sei aber notwendig. Einigen will man sich bis spätestens Ende des Jahres.

Laut Mainzer Landwirtschaftsministerium ist der Glyphosateinsatz seit 2012 landesweit um 40 Prozent gesunken. Das liege auch daran, dass der Pflanzenschutzdienst gezielt für mechanische Alternativen werbe.

Viele Kommunen verzichten auf ihren Flächen freiwillig auf das Spritzmittel, darunter Trier und die Kreise der Region. Gemeinden haben auch die Möglichkeit, den Einsatz von Glyphosat auf verpachteten Äckern oder im Wald ganz zu verbieten. Wie viele davon Gebrauch machen, weiß Mainz nicht. Auch eine Lösung: Lorscheid in der Verbandsgemeinde Ruwer hat Flächen laut Ortsbürgermeisterin zuletzt nur noch an Biolandwirte verpachtet.

Ein Eifeler Mediziner warnt grundsätzlich davor, das Pflanzengift zu nutzen.

Was ein Eifeler Experte zu dem Thema sagt, können Sie hier nachlesen. Einen Artikel über die Besonderheit von Glyphosat gibt es hier.