Erstmals große Schau zum Untergang des Römischen Reiches

Erstmals große Schau zum Untergang des Römischen Reiches

Wie konnte das mächtige Römische Reich zusammenbrechen? Diese Frage fasziniert bis heute Historiker, Philosophen, Dichter und Denker. Nun wird es erstmals zu dem Thema eine große Ausstellung geben.

Es ist eines der ganz großen Rätsel der Weltgeschichte: Warum ist das Römische Reich untergegangen? Dieser Frage geht erstmals eine große Schau 2022 in der einstigen Römerstadt Trier nach. Drei Museen widmeten sich in der rheinland-pfälzischen Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ dem Thema - aus historischer, aus christlicher und aus kulturgeschichtlicher Sicht, teilten die Partner am Montag bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages in Trier mit.

Das Budget der Ausstellung vom 25. Juni bis 27. November 2022 beträgt rund 4,8 Millionen Euro. Im Boot sind das Land Rheinland-Pfalz, die Stadt Trier und das Bistum Trier.

„Der Untergang des Imperium Romanum ist ein Mythos an sich und mit einer Faszination verbunden, die bei den Menschen bis heute eine große Emotionalität hervorruft“, sagte der Kulturminister von Rheinland-Pfalz, Konrad Wolf (SPD). Es sei das erste Mal, dass sich eine Ausstellung „diesem historischen Prozess“ widme. Bis heute sei der Untergang dieses kulturell hoch entwickelten Staates mit vielen Spekulationen verbunden: „Was waren die Ursachen? Das ist nach wie vor bis heute eine große Frage der Altertumsforschung.“

Das Rheinische Landesmuseum Trier als Hauptstandort werde mit Spitzenexponaten aus Europa die historischen Ereignisse vom 4. bis 5. Jahrhundert aufzeigen, die das Ende eines Imperiums brachten - das einst von Britannien bis Nordafrika sowie von Spanien bis Syrien reichte. Die Theorien zum Niedergang des westlichen römischen Reiches seien vielfältig, sagte der Direktor des Museums, Marcus Reuter. Ein Grund seien wiederholte Angriffe von germanischen Völkern an verschiedenen Ecken des Reiches gewesen.

Das Museum am Dom werde sich der Rolle des Christentums in dieser Übergangszeit widmen, sagte der Generalvikar des Bistums Trier, Ulrich Graf von Plettenberg. Und dabei vor allem der Frage nachgehen, ob das Christentum „stabilisierend oder destabilisierend auf die römische Gesellschaft“ gewirkt habe. Aktuelle Forschungsergebnisse sollten berücksichtigt werden.

Das Stadtmuseum Simeonstift Trier spüre nach, wie das Römische Reich in den folgenden Jahrhunderten in der Geistes- und Kulturgeschichte fortgewirkt habe, sagte Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Es seien bereits rund 100 internationale Leihgaben in elf Ländern angefragt, sagte Museumsdirektorin Elisabeth Dühr.

Trier habe sich als Standort für große Ausstellungen zur römischen Antike international profiliert, sagte Wolf. Im Jahr 2007 zog eine Sonderschau über Kaiser „Konstantin den Großen“ viele Tausend Besucher an, 2016 gab es eine Ausstellung zum römischen Kaiser Nero - mit mehr als 272 000 Besuchern. An die Erfolge wolle man anknüpfen, sagte Minister Wolf. Trier gilt als älteste Stadt Deutschlands und war einst größte Römermetropole nördlich der Alpen.

Auch wenn es bis zum Start der Ausstellung noch gut zweieinhalb Jahre dauere: Schon jetzt sei „ein großes Interesse an dem Thema“ spürbar, sagte Reuter. „Das wird ein Blockbuster.“ Es fasziniere, wie so viel Wissen über den Bau von Fußbodenheizungen, Kanalisation, Fensterglas, Aquädukte oder Mosaike plötzlich für zig Jahrhunderte verschwinden konnte. „Bis zur Einführung der Schulpflicht im 19. Jahrhundert hat die Gesellschaft danach in Mitteleuropa nie wieder einen so hohen Grad an Kenntnis von Leben und Schreiben gehabt.“

Der Untergang des Römischen Reiches: Visionen und Mythen in der Kunst Europas

Mehr von Volksfreund