"Es geht um die Zukunft des Planeten"

"Es geht um die Zukunft des Planeten"

In Paris hat am Montag die UN-Klimakonferenz begonnen. Zum Auftakt gab es viele Appelle, nach dem Scheitern von Kopenhagen 2009 diesmal eine Einigung zu erzielen.

Paris. Zumindest der Auftakt war ein Erfolg: 147 Staats- und Regierungschefs waren am Montag nach Paris gekommen, um ihr Engagement für das Klima zu bekräftigen. So überwältigend war die Teilnahme an der Eröffnung der Klimakonferenz "COP21", dass die Staatenlenker kaum aufs Familienfoto passten. "Noch nie waren so viele Regierungsvertreter zusammen und noch nie stand bei einer internationalen Konferenz so viel auf dem Spiel", sagte Präsident François Hollande in seiner Eröffnungsrede. Nach dem Scheitern der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen will Frankreich diesmal einen Erfolg vorweisen, denn: "Es geht um die Zukunft des Planeten."
Dass der Staatschef damit nicht übertrieben hat, zeigte Anote Tong. Für den Präsidenten der kleinen Inselgruppe Kiribati wird bei der "COP21" über die Zukunft seines Landes entschieden. Sein aus 33 Inseln bestehender Pazifikstaat droht durch den Klimawandel im Meer unterzugehen. In seiner dreiminütigen Rede warnte Tong deshalb vor dem Verschwinden von Dörfern, Städten und ganzen Nationen durch den Klimawandel. "Wir brauchen nicht nur Lippenbekenntnisse zu einem Thema, das dringendes Handeln verlangt." Er forderte erneut einen Stopp von Investitionen in den Kohlebergbau.
Eine Forderung, die energiehungrige Schwellenländer wie Indien ablehnen. "Die Gerechtigkeit verlangt, dass Entwicklungsländern erlaubt wird, weiter zu wachsen", sagte der indische Regierungschef Narendra Modi vor der Konferenz. Das Wachstum besteht für ihn auch in der Nutzung von Kohle und Öl, deren Verbrennung das meiste Treibhausgas CO{-2} erzeugt. Eine Dekarbonisierung, also der Ausstieg aus Kohle und Gas, wie ihn die G-7-Staaten bis 2100 beschlossen hatten, kommt für Indien nicht infrage. Der Subkontinent ist nach China und den USA der drittgrößte CO{-2}-Emittent.
Wie 182 andere Länder hat Indien bereits vor Beginn der Pariser Konferenz seine Klimaziele veröffentlicht. Das Land will den Treibhausgasaustoß bis 2030 um 33 Prozent gegenüber 2005 senken. Damit liegt seine Selbstverpflichtung über der der USA, die die Gase in den kommenden zehn Jahren um 28 Prozent reduzieren wollen. Präsident Barack Obama nutzte seine Ansprache zu einer ernsten Warnung: "Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel spürt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann." Dass gerade sein Land das Problem mitverursacht habe, räumte der Präsident ein. "Es liegt nun in unserer Verantwortung, etwas dagegen zu tun."
Bisher reichen die nationalen Klimaziele noch nicht aus, um die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Alle Verpflichtungen zusammengerechnet ergeben eine Erderwärmung von 2,7 Grad. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte deshalb ein Abkommen, "das ambitioniert, umfassend, fair und verbindlich ist". Die Fairness gebiete es, dass die Industrieländer bei der Dekarbonisierung Vorreiter seien. Außerdem müssten gerade die verletzlichsten Länder bei einer Energiewende unterstützt werden. 100 Milliarden Dollar jährlich sind dafür ab 2020 vorgesehen, doch noch ist nicht genug Geld im Topf.
Die Kanzlerin forderte auch verbindliche Überprüfungen der Klimaziele alle fünf Jahre, und zwar bereits vor Beginn des neuen Klimaabkommens im Jahr 2020. Die Beiträge der einzelnen Länder seien freiwillig, aber: "Keiner der Beiträge darf abgeschwächt werden, sondern die Beiträge müssen verstärkt werden."
Nach der Abreise der Staats- und Regierungschef müssen in den kommenden elf Tagen die Delegationen über die Einzelheiten des rund 50 Seiten langen Vertragsentwurfs verhandeln. "Die Welt schaut auf Sie", sagte die Generalsekretärin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres.Extra

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