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"Es war für mich wie eine warme Dusche"

"Es war für mich wie eine warme Dusche"

Mit einem Geständnis des Angeklagten hat der Prozess gegen einen 57-jährigen Polizisten aus Daun begonnen. Der Beamte räumte ein, sich mehrfach an einem Mädchen aus der Nachbarschaft vergangen zu haben. Die spannende Frage: Kommt der ehemalige Vorzeige-Polizist mit einer Bewährungsstrafe davon?

Trier. Über fast drei Jahrzehnte hinweg war der Beamte so etwas wie das Aushängeschild der Dauner Polizei: bekannt selbst in der hintersten Ecke des Vulkaneifelkreises, ehrenamtlich in -zig Vereinen engagiert, hilfreich und als Polizist "dein Freund und Helfer". Mit seinem Vornamen und diesem Zusatz unterschrieb der Polizeioberkommissar auch seine teils mit Textbausteinen geschriebenen Briefe, die er häufiger mal an junge Mädchen schickte. Mit denen hatte der Angeklagte schon von Berufs wegen viel zu tun. Bis zu seiner Festnahme Ende Mai war der mehrfache Vater für die Verkehrserziehung im Vulkaneifelkreis zuständig. "Über 20 000 Kinder sind in dieser Zeit durch meine Hände gelaufen", sagt er zum Prozessauftakt und merkt nicht, dass das angesichts der Vorwürfe ein ziemlich misslungenes Bild ist.
Der ehemalige Vorzeige-Polizist soll ein elfjähriges Nachbarmädchen mehrfach unsittlich berührt und geküsst haben. Im Mai offenbarte er sich seinen Vorgesetzten. "Wenn er nicht selbst zur Polizei gegangen wäre, hätten wir das gemacht", sagt die als Zeugin aussagende Mutter des Mädchens, die nach eigenen Angaben völlig überrascht war, als die Tochter ihr eines Tages unter Tränen von den Zudringlichkeiten des Nachbarn erzählt habe. "Ich hatte blindes Vertrauen in ihn, hätte nie vermutet, dass da etwas anderes dahintersteckt."
Der Freund und Helfer kümmerte sich scheinbar rührend um das Nachbarmädchen. Er brachte sie Dutzende Male auf seinem Moped zur Schule, schrieb ihr Briefe oder Handynachrichten, spielte Federball oder Mensch-ärgere-dich mit ihr oder lud sie gar zum Essen ein. "Sie tat mir gut", sagt er am Montag in der Verhandlung, "wenn sie in meiner Nähe war, ging es mir einfach gut." Andere hatten angesichts der fast täglichen Treffen des 57-jährigen Mannes und des 46 Jahre jüngeren Mädchens ein weniger gutes Gefühl; etwa die Ehefrau des Polizisten und eine Tochter, die ihn darauf ansprachen. "Ich habe auf sie nicht gehört", sagt der Angeklagte, "zu dieser Zeit war ich sehr beratungsresistent, habe alle Warnungen in den Wind geschossen."
Seine Ehefrau und die erwachsenen Kinder sitzen im Saal, als der Ehemann und Vater die Fragen des Vorsitzenden Richters Albrecht Keimburg und der anderen Prozessbeteiligten beantwortet. Es sind teils sehr intime Fragen, die der Dauner an diesem ersten Verhandlungstag beantworten muss. Er muss nicht, er könnte auch schweigen.
Aber um am Ende womöglich mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, muss der Angeklagte Punkte sammeln und darauf hoffen, dass es reicht. Der Vorsitzende Richter hat zu Beginn der Verhandlung gesagt, dass Staatsanwalt Stephane Parent in einem (nicht unüblichen) Vorgespräch signalisiert habe, bei der Strafe nicht mehr als zwei Jahre Gefängnis zu fordern. Die spannende Frage: Wird die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt?Beschwerden von Schülerinnen


Da ist es positiv, dass der Angeklagte durch sein Geständnis dem unter den Folgen leidenden Nachbarmädchen die Aussage vor Gericht erspart. Und dass der Beamte wegen seines Hangs zu jungen Mädchen eine Therapie machen will. "Ich merke, dass ich professionelle Hilfe brauche", sagt er. Das Nachbarkind war nicht das einzige Mädchen, dem der Verkehrserzieher in den vergangenen Jahren nahe kam. Eine Lehrerin erzählt, dass sich bei ihr Schülerinnen beschwert hätten, nachdem der Beamte ihnen einen Klaps auf den Hintern oder einen Kuss auf die Backe gegeben hätte. "Oder er wollte, dass sie sich auf seinen Schoß setzen."
Der Angeklagte streitet das nicht ab. "Ich fand das sehr angenehm", sagt er, "das war für mich wie eine warme Dusche."