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Eskalationsgefahr auf der Krim steigt

Eskalationsgefahr auf der Krim steigt

Die Lage auf der Krim droht zu eskalieren, nachdem der russische Geheimdienst der Ukraine vorgeworfen hat, Sabotageakte geplant zu haben. Die russische Armee installiert auf der Halbinsel nun ein Flugabwehrsystem.

Moskau/Kiew/Washington. US-Vizepräsident Joe Biden hat am Samstag Russland und die Ukraine aufgefordert, nicht weiter an der Eskalationsspirale zu drehen. Am Mittwoch hatte der russische Geheimdienst der Ukraine vorgeworfen, auf der Krim Sabotageakte geplant zu haben. Kiew versetzte daraufhin die Armee in Alarmbereitschaft. Am Freitag kündigte die russische Armee unterdessen an, auf dem Territorium der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim ein Flugabwehrsystem in Stellung zu bringen. Das System S-400 Triumph hat eine Reichweite von 400 Kilometern und ist das modernste, das Moskaus Rüstungsindustrie zu bieten hat.
Der russische Geheimdienst FSB behauptete am Mittwoch, er habe mehrere Anschläge auf der Krim vereiteln können. Dennoch seien bei einem Vorfall vier Tage zuvor an der Grenze zum ukrainischen Festland zwei russische Militärs getötet worden. Inzwischen präsentierten russische Medien vermeintliche Saboteure, die vor der Kamera einräumen, dem ukrainischen Geheimdienst anzugehören und auf dessen Geheiß gehandelt zu haben. Die Erzählungen der Festgenommenen werden mit jedem Tag detaillierter. Es handelt sich dabei um den Ukrainer Jewgeni Panow und den Krim-Bewohner Andrei Sachti. Insgesamt sollen zehn Verdächtige festgenommen worden sein. Kiews Aufklärer streiten jedoch ab, dass die Inhaftierten Mitarbeiter ihrer Behörde seien. Teilweise klingen die Geständnisse wie auswendig gelernt, beiden sind Spuren körperlicher Misshandlung anzusehen.
Was war tatsächlich geschehen? Moskau behauptet, Kiew habe drei Gruppen von insgesamt 14 Mann auf die Krim geschickt. Mehrere Vorfälle habe es zwischen dem 6. und 8. August gegeben. Eine Schießerei an einem Grenzübergang, die Festnahme einer Gruppe bei Armjansk, die mit einem Schlauchboot gelandet war, und Beschuss aus schweren Waffen von ukrainischer Seite.
Kiews Aufklärung bestätigte bisher nur eine Schießerei. Die russische Armee und Grenztruppen hätten sich demnach aus Versehen gegenseitig beschossen, berichtet die "Ukrainskaja Prawda". Eine weitere Version geht davon aus, dass sich desertierte Soldaten auf der Flucht ein Feuergefecht mit Feldjägern geliefert hätten. Laut der ukrainischen Agentur Interfax sollen betrunkene Soldaten in der Nähe von Armjansk bei einem Streit mit Anwohnern um sich geschossen haben.
Steckt Kalkül dahinter, mit dem die Ukraine in die Nähe eines Terrorstaates gerückt werden soll? Nach dem Motto: Trotz Kiews Terror hält der Westen an Sanktionen gegen Moskau fest. Will der Kreml den Westen zu weiteren Zugeständnissen in der Ostukraine zwingen? Handelte die lokale Elite vielleicht eigenmächtig, und die Angelegenheit lief aus dem Ruder, so dass Moskau zur Gesichtswahrung eingriff? Womöglich geht es auch nur um ein neues Belagerungs-Szenario vor den Duma-Wahlen im kommenden September.Extra

Inmitten neuer Spannungen zwischen Russland und der Ukraine will Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Montag in Jekaterinburg mit seinem Moskauer Kollegen Sergej Lawrow beraten. Bei dem Treffen werde es auch um die verzweifelte Lage in der syrischen Stadt Aleppo gehen, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Mit Studenten in der Hauptstadt der russischen Ural-Region wollen die Minister über die deutsch-russischen Beziehungen diskutieren. Das war der eigentliche Anlass der Reise Steinmeiers, für die er seinen Urlaub unterbricht. Allerdings überschatten die internationalen Krisenherde die bilateralen Themen. Vor der Reise äußerte Steinmeier seine Sorge über die jüngste Eskalation zwischen Russland und der Ukraine. Moskau hat nach eigenen Angaben ukrainische Sabotageversuche auf der annektierten Halbinsel Krim aufgedeckt, es wirft Kiew Terrorismus vor. Die Ukraine weist die Sabotagevorwürfe zurück. Steinmeier rief beide Seiten dazu auf, weiter an der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen für eine Konfliktlösung in der Ostukraine zu arbeiten. Dort müssten dringend die verfeindeten Truppen entflochten werden. "Ein Abschluss ist bisher an der Kompromisslosigkeit beider Seiten gescheitert." Die Gefechte zwischen den von Russland unterstützten Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen gingen am Wochenende unvermindert hart weiter. Nach Kiewer Angaben wurde ein Soldat getötet, drei wurden verwundet.dpa