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Etikettenschwindel? Nur ein alkoholfreies Bier hat wirklich null Prozent

Etikettenschwindel? Nur ein alkoholfreies Bier hat wirklich null Prozent

Betreiben die meisten Brauereien mit ihrem alkoholfreien Bier Etikettenschwindel? Das zumindest behauptet die Verbraucherschutzorganisation foodwatch und fordert die Politik zum Handeln auf. Vergeblich. Nur der Landesdrogenbeauftragte springt den Verbraucherschützern zur Seite.

Die deutschen Brauereien haben es schwer: Der Bierkonsum geht zurück. Kontinuierlich. Gerade einmal noch gut hundert Liter Bier jährlich schluckt jeder Deutsche - etwa 40 Liter weniger als Mitte der 70er Jahre. Ein kleiner Lichtblick: die alkoholfreien Biere.
Ihr Marktanteil ist im Vergleich zum alkoholhaltigen Bier zwar deutlich kleiner, aber der Absatz wächst. Noch. Denn die Verbraucherorganisation foodwatch wirft den deutschen Brauern vor, mit ihrem alkoholfreien Bier zu gaukeln.
Das Bier sei in den meisten Fällen gar nicht alkoholfrei, sondern enthalte lediglich weniger Alkohol, sagt Foodwatch-Sprecher Oliver Huizinga. Er kritisiert, dass die Bezeichnung "alkoholfreies Bier" nicht gesetzlich geregelt sei. Der Gesetzgeber dulde die Bezeichnung jedoch für Biere mit einem Alkoholgehalt von unter 0,5 Volumenprozent. Heißt: Die meisten in Deutschland verkauften alkoholfreien Biere sind in Wirklichkeit nur alkoholreduziert. Eine der wenigen Ausnahmen: Bitburger. Die Eifeler Brauer werben sogar mit 0,0 %, seit sie aus ihrem Alkoholfreien den Restalkohol völlig eliminiert haben. Vorbildlich, meint Foodwatch.
Und was meint das Bundesverbraucherschutzministerium? Staatssekretär Peter Bleser stärkt den Brauern den Rücken. Von einer Irreführung der Verbraucher könne keine Rede sein, sagt der Cochemer CDU-Mann und verweist auf ein entsprechendes Gerichtsurteil. Ähnlich äußert sich auch der zuständige Mainzer Minister Jochen Hartloff (SPD): Koffeinfreier Kaffee-Extrakt dürfe auch geringe Mengen Koffein enthalten, zuckerfreie Lebensmittel auch etwas Zucker.
Mit dem Landesdrogenbeauftragten Ingo Brennberger haben die Verbraucherschützer immerhin einen Befürworter ihrer Kampagne. "Für Schwangere, Kinder oder trockene Alkoholiker ist es sogar gefährlich, wenn alkoholarme Biere als alkoholfrei bezeichnet werden", argumentiert der Drogenbeauftragte für eine klare Kennzeichnung der Biere.

Hintergrund: Alkoholfrei mit Alkohol: Foodwatch schlägt Alarm