Etwas Geheimniskrämerei und schöne Versprechungen

Sind das die Vorzeichen einer gut katholischen Ehe? Die Barmherzigen Brüder Trier wollen beim Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich einsteigen. Ob Kartellamt und andere Gremien grünes Licht geben, ist allerdings noch offen.

Trier. Das bislang von den beteiligten Akteuren unter der Decke gehaltene Projekt trägt das Aktenzeichen B3-105/09. Unter dieser Nummer führt das Bundeskartellamt in seiner aktuellen Liste über "laufende Zusammenschlussverfahren" den geplanten Einstieg der Trie rer Brüder beim Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich. Die Klinik mit den beiden Standorten Wittlich und Bernkastel wird seit mehr als zwei Jahrzehnten von der Trierer Cusanus (ehemals) Caritas Trägergesellschaft (CTT) gemanagt, und sie ist inzwischen eines ihrer Aushängeschilder.

Gerade aus diesem Grund dürfte die von den Brüdern (BBT) geplante Übernahme der Betriebsführung für Aufsehen sorgen. Und wohl auch deshalb sollte die vorgeschriebene Anfrage beim Bundeskartellamt möglichst keinen Wirbel entfachen. Selbst die Direktoren der 20 Brüder-Einrichtungen wurden erst informiert, nachdem die Unterlagen beim Kartellamt eingereicht waren. Da war das geplante Projekt schon allein deshalb nicht mehr völlig geheimzuhalten, weil die Bonner Wettbewerbshüter alle regionalen Klinik-Betreiber um eine Stellungnahme gebeten haben.

Die führenden Köpfe der beiden katholischen Gesundheitskonzerne BBT und CTT sind eifrig darum bemüht, den Verdacht zu zerstreuen, es handele sich womöglich um ein Projekt, das klammheimlich über die Bühne gebracht werden solle. Im Gegenteil. "Es lag doch fast schon auf der Hand", meinen unisono BBT-Sprecher Martin Fuchs und CTT-Geschäftsführer Burkhard Nauroth unter Verweis auf die langjährige Klinik-Kooperation.

Aus der "bewährten Kooperation" sei nun eben der Gedanke entstanden, ob man die Zusammenarbeit nicht weiter vertiefen könne - indem die Brüder die Geschäftsführung des Verbundkrankenhauses übernehmen. Klingt plausibel, aber was wären denn die Vorteile? "Wir vermeiden Doppel-Strukturen", sagt BBT-Sprecher Fuchs, "können besser steuern und intensiver kooperieren." Und was würde sich für Patienten, Mitarbeiter und die Einrichtungen ändern? "Nichts", verspricht Martin Fuchs, "die Versorgung würde sich sogar noch verbessern." Auch CTT-Chef Nauroth wischt mögliche Bedenken beiseite: "Eine Verlegung oder Schließung von Fach-Abteilungen ist nicht geplant."

Diese Sorge dürften nach Bekanntwerden der Pläne vor allem viele Patienten im Bernkastel-Wittlicher Bereich haben. Aber auch CTT-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Müller ist noch zurückhaltend. "Das Ganze macht nur Sinn", sagt er, "wenn es den Status der Einrichtungen verbessert." Gleichzeitig dürfe der BBT-Einstieg nicht bedeuten, dass die CTT möglicherweise in neuerliche Schieflage gerate, weil eines ihrer Flaggschiffe weg sei. "Das werden wir uns alles sehr genau anschauen", kündigt der oberste Mitarbeiter-Vertreter an.

Dabei sind "die Brüder" für CTT-Mann Müller keine Unbekannten. Die wegen der kriminellen Machenschaften ihres einstigen Chefs fast bankrottgegangene Trägergesellschaft wurde nur deshalb vor dem Untergang bewahrt, weil drei katholische Orden einst ein Rettungsbündnis schmiedeten und der CTT unter die Arme griffen - und immer noch greifen. Erst im Frühjahr wurde die CTT in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt, deren Anteile von der kirchlichen Hildegard Stiftung gehalten werden. Einer deren Vorstandschefs ist Bruder Peter Berg, der Generalobere der Barmherzigen Brüder Trier.

Höchst unwahrscheinlich, dass ausgerechnet einer der Retter den Geretteten wieder über Bord wirft.

Und außerdem: Ganz möchte sich die CTT beim Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich nicht aus der Verantwortung stehlen. Nach Angaben eines Sprechers des Kreises soll die Hildegard Stiftung auch nach einer Klinik-Übernahme durch die Brüder als Minderheitsgesellschafter dort weiter vertreten sein. extra Die Cusanus Trägergesellschaft Trier (CTT) betreibt 32 Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Alten- und Jugendhilfe-Einrichtungen mit insgesamt 5000 Mitarbeitern vor allem in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Die Barmherzigen Brüder Trier (BBT) betreiben mit insgesamt 8000 Mitarbeitern rund 20 Krankenhäuser, Alten- und Behinderten-Einrichtungen und Hospize.