EU: Idealer Standort für Endlager

EU: Idealer Standort für Endlager

BURE. Während man in Frankreich noch mauert, gibt man sich bei der EU-Kommission offener: Es sei sehr wahrscheinlich, dass im lothringischen Ort Bure ein Atommüll-Endlager gebaut werde, bestätigten Nuklear-Experten unserer Zeitung. Bislang wurde von französischer Seite immer nur gesagt, es handele sich bei dem Projekt um ein unterirdisches Versuchslabor.

In Frankreich werden Nägel mit Köpfen gemacht. Atomgegner sind sich da schon länger sicher. Im lothringischen Bure entsteht ein Atommüll-Endlager für die 59 Kernkraftwerke in Frankreich, behaupten die Gegner des Endlagers (der TV berichtete). Von offizieller französischer Seite jedoch heißt es noch immer: Für eine Entscheidung über ein Endlager sei es noch zu früh, man baue derzeit nur ein Versuchslabor, um die Sicherheit der unterirdischen Lagerung des Atommülls zu untersuchen. Dabei zweifeln selbst Experten nicht mehr daran, dass in Bure, knapp 230 Kilometer von Trier entfernt, ein atomares Endlager entstehen wird. Bei der EU-Komission hält man es für "sehr wahrscheinlich", dass zumindest in der Nähe des 500 Meter tief in der lehmigen Erde gebohrten Versuchslabors ein Endlager entstehen würde. Das bestätigen Nuklear-Sicherheitsexperten der Kommission unserer Zeitung. Das 100-Einwohner-Dorf Bure sei ein idealer Standort für das Lager, und eine Alternative zur unterirdischen Endlagerung gebe es auch nicht. Das sei die sicherste und beste Form der Entsorgung des Atommülls. Ohnehin hält man bei der in Luxemburg sitzenden Nuklearsicherheits-Behörde Atomkraft für sicher. Als Beispiel dafür wird ausgerechnet der Zwischenfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark genommen. Dass dabei nichts Schlimmeres geschehen sei, zeige, dass Atomkraft mittlerweile beherrschbar sei. Seit sieben Jahren wird auf der 17 Hektar großen Fläche bei Bure in der Nähe von Bar-le-Duc gebohrt und gegraben. Im Jahr 2004 begannen in dem 500 Meter tiefen Stollen Versuche, ob sich die 40 bis 50 Meter dicke Lehm-Ton-Schicht für die mehrere 100 000 Jahre lange Lagerung des Atommülls eignet. Mehr als 100 Millionen Euro wurden bereits in das Projekt investiert. In diesem Jahr musste die Betreibergesellschaft Andra erste Ergebnisse über die Tauglichkeit des Stollens liefern. Bis 2015 soll dort noch geforscht werden. Es ist das einzige Projekt dieser Art in Frankreich. Wenn sich herausstelle, dass das Gestein dort nicht sicher genug für eine Lagerung sei, müsste nach Alternativen gesucht werden, sagen die EU-Atomexperten. Eigentlich sollte es noch zwei weitere derartige Versuchslabors geben, doch die französische Regierung verzichtete auf die Suche nach zusätzlichen Standorten. Auch das spricht dafür, dass in Bure in spätestens neun Jahren mit der Lagerung des Atommülls begonnen wird. "Gegen die Bürger geht da nichts mehr"

Die Gegner der Anlage befürchten, dass die Bürger bei der Entscheidung nicht mitreden können. Das sieht man bei der Nuklear-Sicherheitsbehörde der EU-Kommission jedoch anders: Der Betreiber komme vor Errichtung einer solchen Anlage nicht um eine intensive Bürgerbeteiligung herum, heißt es dort. "Gegen die Bürger geht in demokratischen Staaten in diesem Bereich nichts mehr", sagte ein Mitarbeiter der Behörde. Selbst in Frankreich, das bislang eher auf das Einbinden der Bevölkerung verzichtet habe, habe ein Umdenken eingesetzt. Als Beispiel für die Offenheit der Betreibergesellschaft Andra nennt man bei der EU-Kommission, dass man regelmäßig die Tore der Anlage für Interessierte öffnet. Erst kürzlich fand ein Tag der offenen Tür statt. Knapp 1500 Besucher aus der Umgebung besichtigten das Versuchslabor. Zumindest in Frankreich stehe die Bevölkerung weit gehend hinter der Anlage, glaubt man bei der Nuklear-Sicherheitsbehörde der EU-Kommission, zumal dadurch in einer strukturschwachen Region Arbeitsplätze geschaffen würden.

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