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Europaparlament will mehr Musik aus dem Netz für weniger Geld

Europaparlament will mehr Musik aus dem Netz für weniger Geld

Musikdienste im Internet sollen nach dem Willen des EU-Parlaments bald europaweit zugänglich sein. Damit soll Nutzern eine breitere Musikauswahl zu günstigeren Preisen zur Auswahl stehen.

Brüssel. Immer mehr Menschen kaufen ihre Lieblingsmusik im Internet statt im Elektronikmarkt. Dienste wie Juke und Spotify boomen. Künftig sollen Computernutzer eine größere Auswahl an Titeln aus dem Internet herunterladen können: Das EU-Parlament will mit einem neuen Gesetz dafür sorgen, dass mehr aktuelle Hits und Alben künftig in allen EU-Ländern zugänglich sind.
Nur wenige Online-Musikdienste haben bisher europaweite Angebote. Das liegt auch daran, dass in jedem EU-Staat eigene Verträge mit Verwertungsgesellschaften verhandelt werden müssen. Eine Organisation, die europaweit Urheber vertritt, gibt es nicht.
Die EU will daher erreichen, dass die 250 Verwertungsgesellschaften in der EU - darunter auch die deutsche Gema - die von ihnen vertretenen Rechte künftig EU-weit lizenzieren. Dafür können sie Unternehmen mit der Abwicklung und Abrechnung von Lizenzen beauftragen oder sich mit anderen Gesellschaften zusammenschließen. Ist ein Urheber mit seiner Verwertungsgesellschaft nicht zufrieden, soll er das Recht bekommen, sich von einer anderen Gesellschaft in einem anderen Land bei der EU-weiten Online-Nutzung vertreten zu lassen.
"Die Richtlinie soll die Interessen europäischer Künstler schützen und den Zugriff der Internetnutzer auf urheberrechtlich geschützte Inhalte in ganz Europa ermöglichen", so die Parlamentsberichterstatterin Marielle Gallo. Ziel ist, dass die Betreiber von Musik-Downloadseiten leichter die nötigen Nutzungsrechte für die gesamte EU erwerben können. Brüssel erhofft sich davon ein größeres Angebot für die Nutzer - und günstigere Preise.
Im Auftrag der Musiker kassieren die Verwertungsgesellschaften Gebühren etwa für das Abspielen ihrer Titel und schütten diese aus - jährlich summiert sich dies nach EU-Angaben auf sechs Milliarden Euro. Brüssel bemängelt, dass es bisher oft zu lange dauert, bis die Gesellschaften die Rechteinhaber bezahlen. Das soll sich zugunsten von Komponisten und Textautoren ändern. Die EU schreibt nun unabhängige Aufsichtsgremien, detaillierte Berichte über die Erlösquellen und die Verwendung der Mittel sowie Auszahlungsfristen vor. Die Lizenzgebühren sollen nicht später als neun Monate nach Ende des Geschäftsjahres verteilt werden.
Die Gema begrüßt den Vorstoß des Europäischen Parlaments als wichtigen Erfolg für die Urheber: "Damit ist ein wesentlicher Schritt getan, um europaweit einheitliche Standards für Verwertungsgesellschaften zu schaffen und die grenzüberschreitende Lizenzierung von Urheberrechten in Europa zu erleichtern", sagte Vorstandsvorsitzender Harald Heker.ing/dpa