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Expertise: Ring zwischen 98 und 126 Millionen Euro wert

Expertise: Ring zwischen 98 und 126 Millionen Euro wert

Fans des Nürburgrings liegt diese Nachricht schwer im Magen: Das Land könnte die Eifel-Rennstrecke samt Hotels und Freizeitanlagen im schlimmsten Fall verkaufen. Und ein Dokument, das der Rhein-Zeitung vorlegt, macht auch den Steuerzahlern wenig Hoffnung: Selbst ein kompletter Verkauf würde nur einen kleinen Teil der Verbindlichkeiten erlösen.

Mainz. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dornbach & Partner mit Sitz in Koblenz hat am 16. Mai eine brisante Expertise für die nahezu landeseigene Nürburgring GmbH erstellt. Am Tag zuvor hatte die ebenfalls landeseigene Investitions- und Strukturbank (ISB) der Besitzgesellschaft am Ring bereits 2,98 Millionen Euro gestundet. Die Lage war ernst. Nun wollte das Land wissen, über welche Werte die klamme Nürburgring GmbH und ihre beiden Tochtergesellschaften noch verfügen.
Die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verfasste ihre Einschätzung mit größter Vorsicht und empfahl dringend "eine Überarbeitung der hier vorgestellten Werte".
Wie explosiv die Lage war, dokumentiert der Satz: "Angesichts der angespannten Situation empfehlen wir die tägliche Kontrolle und Aktualisierung der Liquidität beziehungsweise Liquiditätsplanung."
Sensible Analyse der Werte


In der Expertise gehen Dornbach & Partner davon aus, dass der Verkehrswert der Nürburgring-Immobilien - dazu gehört die Rennstrecke genauso wie Achterbahn und Hotels - zwischen 98 und 126 Millionen Euro liegt. Der obere Wert wird für "anspruchsvoll, aber gerade noch vertretbar" gehalten.
Schaut man sich das Papier von Dornbach & Partner genau an, liegt der Schluss nahe, dass der Wert der Ring-Immobilien deutlich unter 126 Millionen Euro liegt. Und das aus mehreren Gründen.
Erstens: Die Wirtschaftsprüfer sprechen selbst von einer Bandbreite zwischen 98 und 126 Millionen.
Zweitens: Das Ebitda - das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen - wird mit 14 Millionen Euro ermittelt, würde also knapp unter der einst angestrebten Mindestpacht von 15 Millionen Euro liegen.
Gewaltiger Imageschaden


Doch in diesem Wert ist auch die strittige Tourismusabgabe eingerechnet, die 3,2 Millionen Euro im Jahr beträgt. Zudem liegt dieser Rechnung unter anderem ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von Ernst & Young zugrunde. Darin wird immer noch von Besucherzahlen für das Ringwerk ausgegangen, von denen nur ein Bruchteil erzielt wurde (Prognose: 300 000, Realität: 80 000).
Inzwischen musste das Land allerdings zum Insolvenzrichter gehen. Veranstalter sind auf dem Absprung. Die Zukunft der Formel 1 steht in den Sternen (siehe Extra). Besitz- und Vertragsverhältnisse an der Rennstrecke sind ungeklärt. Der Nürburgring hat einen gewaltigen Imageschaden erlitten.
All das mindert den Wert des Rings. Sachlich betrachtet dürfte die gesamte Anlage in ihrem derzeitigen Zustand weit unter 100 Millionen Euro wert sein.
Da sich die Nürburgring GmbH in einem Insolvenzverfahren befindet, existieren keine hohen Hürden mehr, um zu verhindern, dass Rennstrecke und Nordschleife weit unter Marktpreis verkauft werden. Potenzielle Käufer haben Spielraum, um den Preis zu drücken - zum Nachteil des Steuerzahlers.
300 Millionen Euro Fehlbetrag


Stellt man dieser Zahl nun die 413 Millionen Euro Schulden gegenüber, die im Antrag auf Rettungsbeihilfe an die EU-Kommission genannt werden, ergibt sich ein großer Fehlbetrag. Wenn der Ring am Ende nur 100, 90 oder gar 80 Millionen Euro bringt, wird der Steuerzahler mit rund 300 Millionen Euro zur Kasse gebeten. In der Dornbach-Expertise ist von Netto-Schulden in Höhe von 400 Millionen Euro die Rede.
Die geplante und umstrittene Landes-Rücklage von 254 Millionen Euro scheint angesichts dessen komplett verloren.
Stefan Winkel, Landesgeschäftsführer des Steuerzahlerbundes, ist sicher: "Das Geld können wir endgültig in den Wind schreiben."
Kurz nach dem - oder zeitgleich zum - Eingang des Dornbach-Schreibens räumte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) übrigens erstmals die massiven Finanznöte der Nürburgring GmbH ein.
Damals hatte der Landesvater erklärt: "Wir haben eine Regelung entwickelt, die sicherstellt, dass die Nürburgring GmbH weiter lebens- und zahlungsfähig ist, ohne dass neues Geld reinfließt." Es ist bekanntlich ganz anders gekommen.