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Fachkräftemangel in Rheinland-Pfalz: Die Grundschulen bereiten Kopfzerbrechen

Fachkräftemangel in Rheinland-Pfalz: Die Grundschulen bereiten Kopfzerbrechen

Gewerkschaften in Rheinland-Pfalz schlagen Alarm: Sie beklagen Fachkräftemangel in Grundschulen. Das Land zeigt erste Reaktionen.

Nach Hause geschickte Kinder, unterbezahlte Lehrer und Schulleiter, die selber Briefe abstempeln: Geht es nach den Lehrergewerkschaften, sieht der Alltag in etlichen rheinland-pfälzischen Grundschulen trostlos aus. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft spricht von einer "Bankrotterklärung". Der Vorsitzende Klaus-Peter Hammer kritisiert: "Viele Lehrer fühlen sich am Rande der Leistungsfähigkeit und sind überlastet."

Alarm schlägt die Gewerkschaft, weil es den Schulen immer mehr an Fachkräften fehle - und das Bildungsministerium das nicht einsehe. Das Ministerium gebe nur einen mittleren Einstellungsbedarf an, was eine Verharmlosung sei, klagt Carmen Zurheide, Vorsitzende der Landesfachgruppe Grundschulen. In den rheinland-pfälzischen Studienseminaren, die Lehrer auf ihren Job vorbereiten, bleibe seit Jahren jeder fünfte Platz in Rheinland-Pfalz unbesetzt. Die vom Land hervorgehobene Unterrichtsversorgung von 99,4 Prozent beinhalte "faktisch schon einen eingeplanten Ausfall" und täusche: Es brauche Personal, das 115 Prozent des Unterrichts abdecken könne, um Schwangerschaften, Krankheiten und Fortbildungen aufzufangen. Was die Gewerkschaft noch stört: Von 700 Vertretungslehrern hätten 82 kein abgeschlossenes Studium, seien in manchen Fällen gar junge Bachelorstudenten, die Klassen leiten, moniert die GEW. Ein exzellenter Chemie-Student sei nicht automatisch geschult, kleinen Kindern das ABC beizubringen, warnt sie. Die Zahl sei erst der Anfang, warnt Zurheide. "Mit dem neuen Schuljahr werden wir sie weit überschreiten."

Manche Grundschullehrer flüchten dagegen in grenznahe Bundesländer, weil die Bezahlung dort besser sei. Die Lehrer seien verglichen mit allen anderen Schularten "am schlechtesten bezahlt", klagt die GEW und fordert eine Erhöhung. Derzeit bekommen Einsteiger nach Angaben der Gewerkschaft ein Monatsgehalt von fast 3200 Euro, zur nächsten Stufe klafft eine Lücke von fast 400 Euro. Wird aufgestockt, müsste das Land laut GEW bis zu 45 zusätzliche Millionen Euro im Jahr zahlen. "Gute Leute kriegt man nur, wenn man sie entsprechend bezahlt", sagt Hammer, der auch den Bund in der Pflicht sieht, die für die Bildung zuständigen Länder stärker zu unterstützen.

Christian Gerteis vom Bezirksverband Trier warnt zudem davor, dass auch Schulleiter überlastet seien, die häufig im Unterricht aushelfen müssten. Häufig fehle es an Verwaltungskräften, wodurch etliche Kollegen sich um Post und Anrufe kümmern müssten. Bürokratische Fragen, "wie das Impressum einer Schul-Homepage zu schreiben ist, kommen dazu". Jede zehnte Grundschulleiter-Stelle im Land sei gar nicht besetzt.

Bildungsministerin Stefanie Hubig wehrt sich gegen die Vorwürfe. Der Lehrkräftemangel sei ein bundesweites Problem -doch Rheinland-Pfalz reagiere. So setze das Land nun auf die ganzjährige Einstellung auf Planstellen. Die Folge: Die Schulaufsicht kann danach Lehrer sofort einstellen, wenn andere Kräfte ausfallen. Zuvor gab es im Land nur zwei feste Einstellungstermine, einer zum 1. Februar und einer zum Schuljahresbeginn. Den Pool an Vertretungslehrern habe das Land von 800 auf 1000 Beamte aufgestockt, von denen 370 den Grundschulen zusätzlich zu 142 weiteren "Feuerwehrlehrkräften" zusätzlich zur Verfügung stehen. Zu den Überlegungen gehöre auch, Lehrer aus anderen Schularten fortzubilden und zu prüfen, ob ein beruflicher Quereinstieg eine Option für Grundschulen sei. Von heute auf morgen werde nicht jeder Anstoß wirken, sagt Hubig. "Aber wir sind auf einem guten Weg."