Fällt künftig weniger Unterricht aus?

Fällt künftig weniger Unterricht aus?

Nach einer aktuellen Prognose werden die Schülerzahlen in Rheinland-Pfalz bis zum Schuljahr 2016/17 um etwa 60 000 zurückgehen. Die Landesregierung will das nutzen, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Verbände prangern den rot-grünen Sparkurs an.

Mainz. Weniger Unterrichtsausfall, kleinere Klassen, mehr integrative Angebote: Die rot-grüne Landesregierung will die sinkenden Schülerzahlen dazu nutzen, um Unterrichtsversorgung und pädagogische Angebote weiter zu verbessern. Damit die rheinland-pfälzische Schulpolitik auf einer verlässlichen und überprüfbaren Zahlenbasis aufbaut, hat Bildungsforscher Klaus Klemm dazu ein entsprechendes Gutachten erstellt. "Hier haben wir eine grundsolide Grundlage", sagte Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) bei der Präsentation der Expertise. Der Grundansatz der Sozialdemokratin: "Wir wollen die Unterrichtsversorgung deutlich verbessern." Hier die wesentlichen Ergebnisse der Expertise:Weniger Schüler: Im laufenden Schuljahr 2011/12 besuchen 570 000 Schüler in Rheinland-Pfalz die Schule. Diese Zahl sinkt bis zum Schuljahr 2016/2017 um rund 60 000 Schüler, bis 2020 gar um insgesamt 100 000 Schüler.Weniger Lehrer insgesamt, aber mehr pro Schüler: Wenn weniger Schüler zum Unterricht kommen, sind auch weniger Lehrer nötig. Würde alles bleiben, wie es derzeit ist, könnten laut Klemm-Gutachten bis 2016/17 rund 3800 Lehrer eingespart werden. Nur will Rot-Grün die Qualität des Unterrichts und die Unterrichtsversorgung insgesamt verbessern. Daher werden insgesamt nur 1850 Stellen abgebaut. Derzeit ergibt die sogenannte "Schüler-Lehrer-Relation" einen Wert von "15,9 zu 1", im Schuljahr 2016/17 wird er voraussichtlich gar bei "14,7 zu 1" liegen. Das heißt: Im Schnitt kommt dann ein Lehrer auf 15 Schüler. Dieses Betreuungsverhältnis ist nach Überzeugung von Bildungsforscher Klemm ausgesprochen gut, vergleicht man Rheinland-Pfalz mit den übrigen westdeutschen Flächenländern.Bessere Unterrichtsversorgung, mehr Planstellen für Vertretungslehrer: Rot-Grün will den Unterrichtsausfall mit zusätzlichen 500 Stellen eindämmen. Davon sollen vor allem Gymnasien und berufsbildende Schulen profitieren. Der Vertretungslehrerpool wird künftig von 200 auf 1000 Planstellen aufgestockt. Damit sollen mehr junge Menschen eine dauerhafte Festanstellung erhalten.Pädagogische Verbesserungen: Rot-Grün will künftig mehr integrative Angebote schaffen, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen lernen. Zudem werden die Ganztagsschulen ausgeweitet. Und die Klassen werden deutlich verkleinert - auf bis zu maximal 24 Kinder in den Grundschulen.Die Kritik der Verbände: Die Bildungsverbände und Gewerkschaften kritisieren den Abbau von 1850 Lehrerstellen. Sie verlangen, dass der Unterrichtsausfall noch konsequenter reduziert wird.

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