Fall Laura Marie: Verdächtige Gegenstände gefunden - Kommissar hält Version des Angeklagten für wenig plausibel

Fall Laura Marie: Verdächtige Gegenstände gefunden - Kommissar hält Version des Angeklagten für wenig plausibel

Wozu sollte das Seil dienen, das die Polizei unweit des Ortes fand, an dem die 16-jährige Laura-Marie getötet wurde? Der Angeklagte sagt, er habe die Leiche damit einwickeln wollen. Eine Aussage, die der ermittelnde Kriminalhauptkommissar nicht plausibel findet.

Trier. Ein spöttisches Raunen geht durch den Gerichtssaal, als der 25-jährige Angeklagte hereingeführt wird. "Ooooo, schön sauwa de Haar geschnieden", frotzelt eine Zuschauerin auf Trierisch. Andere stimmen lautstark ein. Noch immer ist der Mordprozess gut besucht - obwohl die Zuschauer diesmal eine Dreiviertelstunde auf den Beginn warten müssen. Denn auch der Transporter mit dem frisch frisierten Angeklagten ist im vorweihnachtlichen Trierer Stau stecken geblieben.Nylonschnur in der Sporttasche


"Uffstehen", ruft die Triererin, noch ehe die offizielle Aufforderung ertönt und die Richter der ersten Schwurgerichtskammer den Raum des Trierer Landgerichts betreten. Dann kehrt Ruhe ein. Denn alle wollen hören, was der Kriminalhauptkommissar zu sagen hat. Er bringt neue Erkenntnisse mit. Der zum zweiten Mal als Zeuge geladene 47-Jährige hat sich die Sporttasche des Angeklagten erneut angesehen. "Dabei ist mir aufgefallen, dass in einem Fach eine Kette mit Vorhängeschloss sowie relativ dünne Nylonschnur war" - Gegenstände, die als Fesselwerkzeug dienen könnten. Auch ein Kondom fand er in der Tasche. Laut Landeskriminalamt sei auf den Gegenständen keine DNA der 16-jährigen Laura-Marie nachzuweisen. Die Trierer Schülerin war am 13. März 2015 auf einem dunklen Fußweg in Trier-Nord mit vier Messerstichen getötet worden.

Der Angeklagte - ihr Nachbar und Begleiter - hat gestanden, das Mädchen getötet zu haben. Im Streit, wie er sagt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trierer jedoch vor, eine Vergewaltigung geplant und zuvor ein Seil am Tatort deponiert zu haben, um die 16-Jährige zu fesseln.

Der Kommissar hatte das für die vermüllte Umgebung viel zu saubere Seil unweit des Tatorts entdeckt. Der Angeklagte behauptet, er habe es mitgebracht, um die Leiche am Tag nach der Tat in eine Plane einzuwickeln. Allerdings habe er das Seil unterwegs verloren. "Halten Sie das für plausibel?", fragt Staatsanwalt Volker Blindert den Polizisten. "Das ist eher wenig plausibel", antwortet dieser. Denn das Seil war nur 1,25 Meter lang - zu kurz, um eine Leiche einzuwickeln. Auch lag der Fundort nicht auf dem direkten Weg zur Leiche. Der Angeklagte hätte also einen Umweg laufen müssen.

Am 15. Januar soll überraschend noch ein Computerexperte gehört werden, der die Internetnutzung des 25-Jährigen ausgewertet hat. Womöglich kommt auch der psychologische Sachverständige zu Wort. Die mit Spannung erwarteten Plädoyers sind daher erst später zu hören.

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