Fall Pascal: Erst Richterin, jetzt hinter Gittern

Fall Pascal: Erst Richterin, jetzt hinter Gittern

Saarbrücken. Im Mordfall Pascal ist sie eine der Hauptverdächtigen. Die Ex-Wirtin Christa W. (50) soll Kinder an ihre Peiniger verkauft haben. Jetzt ist bestätigt: Sie war ehrenamtliche Richterin am Jugendschöffengericht.

Der vermisste Pascal Zimmer, von dem die Polizei annimmt, dasser von Kinderschändern ermordet worden ist, war offensichtlich amTag seines Verschwindens in der "Tosa-Klause" im SaarbrückerStadtteil Burbach. Dort soll er in einem fensterlosen Nebenraumsexuell schwer missbraucht und möglicherweise auch umgebrachtworden sein. Ob Pascal, von dessen Leiche es immer noch keineSpur gibt, in dieser Kneipe tatsächlich starb, ist noch nichtklar. Denkbar wäre auch, dass er bewusstlos war und auf demTransport zu der Sandgrube im lothringischen Schöneck ums Lebenkam. Die Ermittler haben Aussagen, so Informationen der"Saarbrücker Zeitung", dass insgesamt zwölf Leute damals in derKneipe waren. In unterschiedlichen Rollen - vom Schänder, bis zumBeobachter oder Helfer - seien sie in den Mordfall verwickelt. In der "Tosa-Klause" hatte Wirtin Christa W. das Sagen. Die 50 Jahre alte Frau, die seit November 2002 in Untersuchungshaft sitzt, soll Kinder an brutale Freier verkauft haben. Angeblich auch einen früheren Spielkameraden Pascals. Zu diesem heute acht Jahre alten Kind und dessen geistig zurückgebliebener Mutter hatte sie eine besondere Beziehung: Sie war Betreuerin der Mutter, mehrere Jahre amtlich bestellter Vormund und Pflegemutter des Kindes. Es gab in den zurückliegenden Jahren offenbar deutliche Hinweise an das zuständige Stadtverbands-Jugendamt, dass mit dem sozialen Umfeld und den Lebensumständen des Kindes etwas nicht stimme. Nachbarn sollen wiederholt Polizei und Jugendamt alarmiert haben. Lange sei nichts passiert. Erst 2001 sei das Kind aus dieser "Familie" genommen worden.

Aus dem Sonderkindergarten der Saarbrücker Lebenshilfe sind offenbar ebenfalls wiederholt konkrete Hinweise gekommen. Das Kind habe Betreuern dort berichtet, es habe Angst vor "Didi" und anderen Männern. Bei diesem "Didi" könnte es sich um einen inhaftierten Bekannten der Wirtin handeln. Ängstlich sei der Kleine geworden, wenn er nach Hause gebracht werden sollte. Alle Informationen seien an das Jugendamt weitergeleitet worden. Auch als das Jugendamt die Vormundschaft wieder übernahm, sei die Ex-Wirtin weiter Pflegemutter geblieben. Hat das Jugendamt, das alle Vorwürfe bestreitet, versagt?

Im Amt genoss die Frau wohl lange Zeit hohes Ansehen. Sie wurde sogar vom Jugendhilfeausschuss als Schöffin vorgeschlagen. Rolf Kalbhenn, Präsident des Amtsgerichtes Saarbrücken, bestätigte der "Saarbrücker Zeitung", dass Christa W. 1997 bis 2000 als ehrenamtliche Richterin am Jugendschöffengericht eingesetzt war. Wahrscheinlich saß die jetzt inhaftierte Frau auch bei Missbrauchsfällen am Richtertisch!