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Festung Ehrenbreitstein: Gigantische Sehenswürdigkeit am Mittelrhein

Koblenz : Festung Ehrenbreitstein: Gigantische Sehenswürdigkeit über dem Mittelrhein

Einen fantastischen Ausblick auf den Zusammenfluss von Rhein und Mosel und spannende Einblicke in die Geschichte – all dies bietet die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz.

Wo liegt die Festung Ehrenbreitstein?

Touristen, die die Stadt Koblenz im nördlichen Rheinland-Pfalz besuchen, steuern gerne das Deutsche Eck an, die Stelle, an der die Mosel in den Rhein fließt. Von dort sehen sie gen Osten auf der anderen Rheinseite auf einer Anhöhe eine wuchtige Festungsanlage. Doch was sie wahrnehmen, ist nur ein kleiner Teil einer riesigen Anlage: die Festung Ehrenbreitstein. Es lohnt sich, sie zu besuchen. Das ist einfach möglich – nur wenige Meter vom Deutschen Eck entfernt befindet sich die Talstation der anlässlich der Bundesgartenschau 2011 errichteten Seilbahn. Sie führt direkt zur Festungsanlage.

Was ist die Festung Ehrenbreitstein?

Luftaufnahmen zeigen die wahren Dimensionen der zweitgrößten noch erhaltenen Festung Europas und vermitteln einen ersten Eindruck, wofür sie gebaut wurde. 118 Meter oberhalb des Rheins gelegen, dienten die Befestigungen der Sicherung des Mittelrhein-Tales. Sie haben einen Umfang von insgesamt 14 Kilometern. Verwinkelt ziehen sich teils meterdicke, mehrgeschossige und bis zu dreizehn Meter hohe Mauersysteme durch die Anlage und um sie herum. Kanonenscharten machen einen martialischen Eindruck. Der Sicherung dienen auch die beiden Hauptgräben im Norden und Osten des Systems. Sie sind zwei bis fünf Meter tief und 20 bis 25 Meter breit.  

Bedrohlich, wehrhaft, abweisend, furchteinflößend – noch heute vermittelt die militärische Konstruktion diese Ausstrahlung der Festung nach außen. Doch innen überrascht sie die Besucher mit Gebäuden, die eher an ein Schloss erinnern – durchaus beabsichtigt, sollte doch das ganze Ensemble auch den preußischen Staat repräsentieren. Klassizistische Fassaden verraten auch schon die Zeit der Konstruktion, die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts.  

Auf dem Gelände gibt es viel zu entdecken und Geschichtliches zu erleben. Zum Beispiel gleich hinter dem im Nordosten gelegenen Eingangsbereich. Erreicht man durch das Feldtor den inneren Teil, fällt links ein Bauwerk auf, das den Namen „Turm Ungenannt“ trägt. Natürlich verbirgt sich hinter diesem seltsamen Namen eine Geschichte: Am 20. Juni 1821 haben, so die Überlieferung, der preußische Prinz und der russische Zarensohn am Bau mitgewirkt. Offenbar zählten sie beide zu den Zeitgenossen mit guten Manieren. Als es darum ging, dem Turm einen Namen zu geben, wollte jeder dem anderen den Vortritt lassen. Und so blieb der Turm eben ungenannt. Er ragt über drei Stockwerke in die Höhe und beherrscht so den Hang, das Tal und die gegenüberliegende Höhe von Ehrenbreitstein.  

Wie sieht die Baustruktur der Festung Ehrenbreitstein aus?

Das heutige Bauwerk wurde nicht einfach in die Landschaft hineingedrückt. Schon zuvor gab es an dieser exponierten Stelle mit dem fantastischen Rundblick Wehranlagen. Alle dienten anders als heute nicht dem Vergnügen, eine schöne Aussicht zu genießen, sondern naturgemäß der Absicht, die Region zu überwachen und zu verteidigen.  

So steht beispielsweise die „Contregarde links“ exakt an der Stelle eines früheren Bauwerks und basiert auf einem Ruinenplan aus dem Jahr 1815. Die beiden Stirnmauern ruhen auf einem Untergrund, der bereits anderen Konstruktionen Halt gab. Massiver Fels bildet die Grundlage, Lücken wurden mit Erdreich und Steinen aufgefüllt, dann festgestampft.   

Die beiden Contregarden links und rechts sind Teile des Hauptwalls. Sie flankieren den Hauptgraben, die zweite Verteidigungslinie. Sie sollte den Feind aufhalten, falls der die erste Mauer und das Feldtor überwunden hatte. In dem Komplex befindet sich auch der Kanonengang. Er zeigt heute verschiedene Geschütze, die auf der Festung im Einsatz waren. Das Highlight der Festung ist die 1524 in Frankfurt am Main gegossene Kanone Vogel Greif.

Zwischen den Contregarden wurde 1972 das Ehrenmal des Heeres errichtet. Das Mahnmal der Bundeswehr dient dem Gedenken an die gefallenen deutschen Soldaten in den beiden Weltkriegen sowie an die im Auslandseinsatz und im Friedensbetrieb ums Leben gekommenen Bundeswehrangehörigen des Heeres.  

Wann wurde die Festung Ehrenbreitstein gebaut?

Die Wehrkonstruktion in ihrer heutigen Gestalt haben die Preußen zwischen 1817 und 1828 erbaut. Historischer Hintergrund ist die Niederlage Napoleons, der in den Jahren davor halb Europa erobert hatte. Zu den Siegern gehörte das Königreich Preußen, das 1815 auf dem Wiener Kongress viele von den Franzosen eroberte Gebiete für sich reklamierte und erhielt, darunter auch die rheinischen Gebiete des einstigen  Kurfürstentums Trier. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete an, Koblenz zur Festungsstadt auszubauen. Und so entstand eine der größten Festungsanlagen Europas.

Warum wurde die Festung Ehrenbreitstein gebaut?

Die Preußen wollten mit einem umfassenden System von Festungswerken das Tal des Mittelrheins sichern. Die Erbauer haben dabei nicht gekleckert, sondern geklotzt. Denn Ehrenbreitstein sollte sich gegen alle damals bekannten Waffen und Angriffsarten verteidigen können. So erklären sich die heute etwas verwirrend anmutenden Strukturen. Beispielsweise nahm man die Schussweiten der damaligen Feuerwaffen als Maßstab für die Dimensionen der Anlage. Im Kriegsfall sollten 1500 Soldaten mit 80 Geschützen die Festung verteidigen. Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie achtmal in Alarmzustand versetzt, aber nur einmal richtig attackiert – und zwar bei acht Luftangriffen im Ersten Weltkrieg auf Koblenz ab Oktober 1917. Von der preußischen Armee wurde sie bis 1918 militärisch genutzt.  

Wie ist die Geschichte der Festung Ehrenbreitstein verlaufen?

Die Archäologie belegt, dass das Terrain bereits vor über 3000 Jahren besiedelt und auch befestigt wurde. Kelten und Germanen nutzten die exponierte Lage, und die Römer schlugen hier im Jahre 49 nach Christus eine Brücke über den Rhein. Um das Jahr 1000 warf ein gewisser Erembert, Ehrenbert oder Ehrenbrecht aus einem lahngauisch-konradinischen Grafengeschlecht einen Blick auf den strategisch interessanten Ort und errichtete eine Burg. Sie wurde nach ihm benannt, der Name wandelte sich zu „Ehrenbertstein“ und schließlich ins heutige „Ehrenbreitstein“.

Etwa um 1020 übernahm der Trierer Erzbischof Poppo die Burg. Im 15. Jahrhundert baute sie Erzbischof Richard von Greiffenclau zu einer Festung aus, die auch Artillerieangriffen standhalten sollte. Während des Dreißigjährigen Kriegs ging es dann hin und her zwischen verschiedenen Besitzern. Im Jahr 1797 belagerten französische Revolutionstruppen die Festung. Zwei Jahre lang hungerten sie die Insassen aus, die die Anlage dann 1799 übergaben. 1801 ließen die Franzosen die Festung sprengen. Dann kamen die Preußen (siehe oben).

Wie wird die Festung Ehrenbreitstein heute genutzt?

Heute geht es sehr friedlich auf dem ehemaligen Militärgelände zu. 2011 richtete Koblenz die Bundesgartenschau aus. Auf dem Gelände wurde ein Landschaftspark angelegt, der noch heute Besucher anzieht. Man baute auch eine hölzerne Aussichtsplattform, von der aus ein Blick weit über das Rheintal und die Moselmündung möglich ist. In dem Zusammenhang wurde auch die Seilbahn in Koblenz gebaut, die bis zu 7600 Personen pro Stunde befördern kann und damit die Luftseilbahn mit der deutschlandweit höchsten Förderkapazität ist. Auf dem Festungsgelände befinden sich das Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein, das Landesmuseum Koblenz, das zahlreiche kulturelle Ausstellungen bietet, und die Jugendherberge Koblenz.

Auch die Verwaltung der im Eigentum des Landes Rheinland-Pfalz stehenden Burgen, Schlösser und Altertümer hat ihren Sitz auf der Festung Ehrenbreitstein. Sie wurde im Mai 1998 unter der Bezeichnung „Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz“ als Abteilung des Landesamtes für Denkmalpflege neu gebildet.

Seit 2002 ist die Festung Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Oberes Mittelrheintal“. Die Festung Ehrenbreitstein gehört sicherlich neben einem weiteren Koblenzer Highlight, dem Schloss Stolzenfels, und Attraktionen wie der Pfalzgrafenstein (die Pfalz bei Kaub) oder die Loreley zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Oberen Mittelrheintal.

Wann hat die Festung Ehrenbreitstein geöffnet?

Ab 1. April 2022 kann die Festung täglich von zehn bis 18 Uhr besucht werden, ab 18 Uhr gibt es in der Regel sogar einen freien Zutritt zum Gelände und der Gastronomie. Der Eintritt ins Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein kostet acht Euro für Erwachsene (Ermäßigungen für Gruppen, Familien, Schüler, Studenten, Kinder und andere). Außerdem gibt es Kombitickets mit der Seilbahn.

Weitere Informationen mit Angaben über Führungen und Veranstaltungen sowie Kontakt gibt es zum Beispiel auf den Seiten www.ehrenbreitstein.de und www.koblenz-touristik.de