Feuer als "Neuanfang"

Das Trierer Landgericht verurteilte gestern zwei Männer wegen schwerer Brandstiftung zu sechs und fünfeinhalb Jahren Haft. Sie haben gemeinsam das Haus eines der Verurteilten im vergangenen Jahr angezündet.

Trier. "Ich habe eine Dummheit gemacht." Der 57-Jährige ist sichtlich mit den Nerven am Ende, weint, fuchtelt unkontrolliert mit den Fingern, als er unsicher sein Schlusswort formuliert. Doch die Erkenntnis kommt zu spät. Der gebrochene, bis dahin unbescholtene Mann ist ein Brandstifter. Im Dezember vergangenen Jahres hat der pensionierte Postbeamte einen sechs Jahre jüngeren damaligen Kumpel angestiftet, sein Haus im Eifelort Utscheid anzuzünden, während er mit seiner Frau an der Ostsee zur Kur war. Der 57-Jährige, dem der Gutachter überdurchschnittliche Intelligenz, einen Hang zum Perfektionismus, aber auch einen gewissen Lebensfrust bescheinigte, wollte die Versicherung betrügen. Sein schwer gehbehinderter und finanziell klammer Freund ließ sich darauf ein, weil ihm 5000 bis 10 000 Euro geboten worden sein sollen. Er zündete in dem Haus in Utscheid die bereitgelegte Papierrolle mit dem daneben liegenden Feuerzeug an. Das gesamte Erdgeschoss brannte aus, Schaden: 150 000 Euro. Der Sohn des 57-Jährigen, mit dem er seit Jahren im Streit lebt, zeigte den Vater an, weil der bereits vor längerer Zeit gesagt haben soll, er wolle das Haus anzünden, weil er neu anfangen wolle. Die Polizei kam dem 57-Jährigen auf die Schliche - unter anderem auch durch Telefonüberwachung. Dabei kam auch heraus, dass er sogar die Opferschutzorganisation Weißer Ring missbrauchen wollte, ihm Geld zu geben, weil die Versicherung kein Geschick mache, den Schaden zu begleichen. "Skrupellos", nannte das der Staatsanwalt und forderte eine Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten. Den eigentlichen Brandstifter, den ehemaligen Kumpel des ehemaligen Postbeamten, wollte die Staatsanwaltschaft ein Jahr weniger ins Gefängnis schicken. Zwar hatten beide Angeklagte zu Prozessbeginn die Tat gestanden, allerdings mit widersprüchlichen Aussagen. Bis zum Schluss bestritt der 57-Jährige, von Anfang an geplant zu haben, die Versicherung zu betrügen. Die Dritte Große Strafkammer des Trierer Landgerichts sah das anders. Der Vorsitzende Richter Armin Hardt verurteilte den ehemaligen Postbeamten wegen besonders schwerer Brandstiftung und Versicherungsbetrugs zu sechs Jahren Haft, seinen ehemaligen Kumpel zu fünfeinhalb Jahren.