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Fillon nach letzter Fernsehdebatte Favorit

Fillon nach letzter Fernsehdebatte Favorit

Nach der letzten Fernsehdebatte ist François Fillon die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen fast sicher. Alain Juppé zeigte keinen Biss gegen den Kandidaten, der die erste Runde der Vorwahlen deutlich gewonnen hatte.

Paris. "Ich spüre eine Welle, die anwächst", sagte François Fillon nach gut zwei Stunden in seinem Schlusswort. Der frühere französische Regierungschef konnte siegesgewiss sein, denn in der Fernsehdebatte mit seinem Rivalen Alain Juppé hatte er die bessere Figur gemacht.
In die Stichwahl um die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen am Sonntag geht der 62-Jährige nun als haushoher Favorit. Überraschend hatte der Abgeordnete die erste Runde mit 44 Prozent gegen den lange in den Umfragen führenden Juppé gewonnen, der nur auf knapp 29 Prozent kam. Der Drittplatzierte Nicolas Sarkozy erklärte seine Unterstützung für Fillon, so dass Juppé in fast aussichtsloser Lage nur die Flucht nach vorne blieb.
Der Bürgermeister von Bordeaux, der auch die enttäuschten sozialistischen Wähler ansprechen will, griff seinen stramm konservativen Rivalen zunächst scharf an: für dessen Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Haltung zur Abtreibung und seine "extrem traditionalistischen" Positionen. Drei Tage lang beharkten sich die beiden Lager, bis am Donnerstagabend dann die Kontrahenten direkt aufeinandertrafen. Wer davon einen harten Schlagabtausch wie im US-Wahlkampf erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Bewerber, beide im dunkelblauen Anzug mit roter Krawatte, gingen höflich miteinander um. Fillon überzeugte dabei 57 Prozent der 8,5 Millionen Fernsehzuschauer. Der fahrig wirkende Juppé schien nach der Aggression der vergangenen Tage Beißhemmung zu haben. Gleich zu Beginn wandte sich der 71-Jährige direkt an Fillon: "Ich habe immer Freundschaft und Wertschätzung für dich empfunden." Meinungsverschiedenheiten wolle er aber trotzdem nicht ausklammern.
So wiederholte Juppé seinen Vorwurf, dass das Programm Fillons "brutal" sei. Zum Beispiel das Projekt, 500 000 Stellen im öffentlichen Dienst abzubauen. "Das ist nicht möglich. Das würde bedeuten, keine Krankenschwester, keinen Polizisten oder Lehrer einzustellen." Dasselbe gelte für die Idee, die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst auf 39 Stunden zu erhöhen, ohne dass es dafür einen Lohnausgleich gebe.
Die Bude abreißen


"Alain Juppé will die Dinge nicht wirklich verändern", entgegnete Fillon, der sich als radikaler Reformer präsentierte. Seine Ankündigung, "die Bude abzureißen", blieb als Slogan seines Wahlkampfs haften. In die Defensive geriet der praktizierende Katholik beim Thema Abtreibung. Aus "persönlichen Glaubensgründen" lehne er den Schwangerschaftsabbruch ab, hatte Fillon im Sommer gesagt. Das Gesetz, das seit 1975 die Abtreibung erlaubt, will der fünffache Vater aber nicht antasten. Änderungen plant er dagegen bei der Homo-Ehe, wo er gleichgeschlechtlichen Paaren das volle Adoptionsrecht nehmen will. Aus diesem Grund wird der Kandidat von der Bewegung gegen die Homo-Ehe unterstützt, die vor vier Jahren Hunderttausende auf die Straße gebracht hatte.
Juppé sprach auch die Nähe Fillons zu Wladimir Putin offen an. "Es hat mich überrascht, dass der russische Präsident seinen Kandidaten auswählt", stichelte der frühere Außenminister. Putin hatte nach der ersten Runde Fillon als "großen Profi" und "integren Mann" gelobt. Die beiden kennen sich aus der Zeit, als Fillon Premierminister war, und duzen sich.
Fillon will den Syrien-Konflikt zusammen mit Russland lösen und fordert ein Ende der europäischen Sanktionen gegen Moskau. Juppé setzt dagegen auf einen Kurs, der sich weder den USA noch Russland annähert, will aber für die europäischen Partner wieder glaubwürdig werden, "vor allem für Deutschland".
Meinungsverschiedenheiten zeigten die Kandidaten ebenfalls, als es um die Zukunft der französischen Gesellschaft ging. Fillon antwortete auf die Frage, ob er eine multikulturelle Gesellschaft wolle, klar mit Nein. Einwanderer müssten sich assimilieren: "Wenn man in das Haus eines anderen kommt, übernimmt man nicht die Macht."
Der Favorit wird auch von Persönlichkeiten unterstützt, die dem rechtspopulistischen Front National nahestehen. Dass er mit einigen von ihnen regieren könne, wies er zurück. Die Partei von Marine Le Pen sei so weit gekommen, "weil wir die nicht gehört haben, die mehr Autorität fordern". Fillon will diese Autorität nun verkörpern - das machte er mit seinem Fernsehauftritt deutlich.