Fledermäuse und Wildkatzen in Ruinen

Fledermäuse und Wildkatzen in Ruinen

Im tiefsten Wald fristen sie seit Jahrzehnten ihr Dasein: Bunkerruinen aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie sollen als Mahnmal gegen die Nazi-Verbrechen und wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben. Die Frage ist, was das kostet.

Trier/Mainz. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) arbeitet seit zehn Jahren an einem Projekt, das sich "Grüner Wall im Westen" nennt. Die Naturschützer sind begeistert von den vielfältigen Tier- und Pflanzenarten, die sich in den ehemaligen Verteidigungsanlagen des Westwalls, die Hitler errichten ließ, eingenistet haben. "Der Westwall bietet einzigartige kleine Biotope", schwärmt Eva-Maria Altena von der BUND-Kreisgruppe Trier-Saarburg. Ein Biotop-Verbund solle etabliert werden.
Seltene Fledermäuse oder Wildkatzen lebten in den Bunkern, erzählt Altena. Interessenten könnten sich davon bei Exkursionen überzeugen, die der BUND immer wieder anbiete.
Auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken hält die Anlagen für "absolut schützenswert". Sie ist froh darüber, dass der Erhalt gesichert ist. Die Reste des Westwalls seien ein Mahnmal gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus und gleichzeitig ein "einzigartiger Rückzugsraum der Natur".
In den beiden Jahrzehnten nach dem Krieg sind bundesweit Tausende Anlagen beseitigt worden. Meist wurden die Bunker gesprengt oder zertrümmert und mit Sand zugeschüttet.
Hintergrund: Die Bundesrepublik hat eine Verkehrssicherungspflicht. Sie haftet nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz für Schäden an Leib und Leben, wenn sich Spaziergänger oder Kinder an Eisen- oder Betonteilen verletzen. Oft stehen Stahlarmierungen gefährlich hervor.Im Januar 2013 ist die Verantwortung per Staatsvertrag an Rheinland-Pfalz übergegangen. Das Land hat vom Bund 25 Millionen Euro erhalten und sämtliche Westwall-Ruinen im Land übernommen.
Nach Ansicht der Naturschützer stellen die meisten Bunker keine allzu große Gefahr dar. "Sie liegen so abseits im Wald, dass sie gar nicht auffindbar sind", sagt Eva-Maria Altena. Die Sicherung könne sich auf das Entfernen einzelner Gefahrenquellen beschränken. Der BUND erprobe hier diverse Maßnahmen.
Der Landesrechnungshof bewertet die Sachlage anders. Präsident Klaus P. Behnke sagt dem Volksfreund, das finanzielle Risiko für die Sicherung der Bunker müsse ausgeschlossen werden. Es sei fraglich, ob 25 Millionen Euro ausreichten, meint Behnke und verweist auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von Deloitte. Dort wird mit 30 000 Euro pro Anlage kalkuliert.
Die Prüfer beklagen, es lägen keine verlässlichen Zahlen vor. Sie schlagen eine Vollerhebung vor, um zu klären, wie viele Anlagen es überhaupt gibt und wie viele gesichert werden müssen.
Der Rechnungshof weist auch darauf hin, dass die beabsichtigte Stiftung, in die das Geld vom Bund fließen soll, einen kleinen Apparat für die tägliche Arbeit benötige. Im Gesetzentwurf, der im Landtag diskutiert wird, seien jedoch weder Sach- noch Personalkosten veranschlagt. Nur für den ehrenamtlichen Geschäftsführer seien Mittel vorgesehen. Eine Summe werde nicht genannt. Umweltministerin Höfken bezeichnet die Zahlen des Rechnungshofs als "rechnerische Größen". Niemand habe vor, alle Bunkerruinen durch Zäune zu sichern. Das sei nicht notwendig.
Die Grüne benennt eine Reihe kostengünstiger Alternativmaßnahmen: Generell das Erschweren des Zugangs, etwa durch Anpflanzung von Dornenhecken. Das Absichern durch Geländer und das Abdecken von Absturzhöhen sei ebenfalls vorgesehen, außerdem die tiergerechte Vergitterung von Zugängen und Hohlräumen.
Eva-Maria Altena vom BUND Trier kann sich die Zahlen des Rechnungshofs nicht erklären. Für die Sicherung zweier Bunker in Dasburg (Verbandsgemeinde Arzfeld) habe man nur 1000 Euro ausgegeben, an anderer Stelle pro Anlage höchstens 3000 Euro.
Auch die CDU-Opposition teilt die finanziellen Bedenken des Rechnungshofs nicht. "Vom Grundsatz her ist es richtig, die Bunker zu erhalten", sagt der Eifeler Abgeordnete Michael Billen als Verhandlungsführer. "Mit 25 Millionen Euro kann eigentlich nicht viel passieren", meint er.
Der Union sind zwei andere Sachen wichtig, die im Gesetzentwurf berücksichtigt werden sollen. Zum einen sollen dem Stiftungsvorstand auch Parlamentarier angehören und nicht nur Regierungsmitglieder. Zum anderen will die CDU, dass die Stiftung das Wort Westwall im Namen trägt. "Mit dem Begriff Grüner Wall kann niemand etwas anfangen", sagt Billen. Die Kompromisssuche mit SPD und Grünen läuft.