Militär Fliegerhorst Büchel: Wo die Atomwaffen in Deutschland lagern

Büchel · Auch Piloten der Bundeswehr trainieren den Einsatz von Atombomben. Diese Waffen lagern im Fliegerhorst Büchel. Wie sich der Stützpunkt in Rheinland-Pfalz entwickelt hat und was dort in Zukunft passieren soll.

 Ein Tornado-Kampfflugzeug der Bundesluftwaffe landet auf dem Fliegerhorst Büchel.

Ein Tornado-Kampfflugzeug der Bundesluftwaffe landet auf dem Fliegerhorst Büchel.

Foto: picture alliance/dpa/Thomas Frey

In der Nähe der kleinen Ortsgemeinde Büchel bei Cochem an der Mosel in Rheinland-Pfalz ist am Fliegerhorst Büchel das 33. Taktische Luftwaffengeschwader der Bundeswehr stationiert. Die Hauptaufgaben dieser militärischen Einheit sind der Luftwaffenangriff und die Luftnahunterstützung für Bodentruppen. In den Medien wird regelmäßig über den Fliegerhorst Büchel berichtet, nicht nur, weil er einer von zwei Tornado-Standorten innerhalb Deutschlands ist, sondern auch, weil dort nachweislich Atomsprengköpfe eingelagert sind.

Seit wann gibt es den Fliegerhorst in Büchel?

In den Jahren 1954 und 1955 erbauten französische Besatzer in Büchel einen Militärflugplatz, ohne diesen jedoch aktiv zu nutzen. Als am 5. Mai 1955 die Bundesrepublik Deutschland ihre Souveränität erhielt und vier Tage später in die NATO eintrat, übergaben die französischen Streitkräfte den Flugplatz an das Bundesvermögensamt.

Seit dem 13. August 1955 befindet sich der Fliegerhorst Büchel unter Verwaltung der Bundeswehr. Nur wenig später wurden die ersten 250 Soldaten vor Ort stationiert, auch die Infrastruktur des Geländes wurde ab 1957 intensiv ausgebaut. Ab Dezember 1958 wurde das Jagdbombengeschwader 33 offiziell der NATO unterstellt und entsprechend nochmals erweitert. In diesem Rahmen wurden 1962 zunächst Kampfflugzeuge des Typs Starfighter in Büchel verwendet, eine Umstellung auf Jets des Typs Tornado fand 1985 statt.

Welche Flugzeuge sind in Büchel stationiert?

Derzeit sind 46 Flugzeuge des Typs „PA-200 Tornado“ in Büchel stationiert. Die Kampfflugzeuge dieser Bauart sind, so heißt es auf der Webseite der Bundeswehr, „präzise, reaktionsschnell, flexibel und bei jedem Wetter einsatzbereit“. Die Tornados sind zudem für den konventionellen und auch für den nuklearen Einsatz geeignet.

Innerhalb einer Vereinbarung mit der NATO bildet die deutsche Luftwaffe in Büchel im Rahmen der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ daher auch Jagdbomberpiloten für den Einsatz mit taktischen Atomwaffen aus. Aus völkerrechtlicher Sicht ist dieser Umstand allerdings äußerst umstritten.

Hinzu kommt, dass sich die Bundeswehr aus Büchel mit ihren Kampffliegern regelmäßig am geheimen NATO-Manöver „Steadfast Noon“ beteiligt, bei welchem unter anderem der Einsatz und Abwurf von Atomwaffen geübt wird.

Wie viele Soldaten sind in Büchel stationiert?

Am Standort Büchel, der seit 2018 von Oberst Thomas Schneider geführt wird, arbeiten derzeit rund 2000 militärische und zivile Angehörige. Für die Bewohner der Region um den Fliegerhorst Büchel herum ist die Bundeswehr der zentrale Arbeitgeber und stellt damit einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor dar.

Was ist über Atomwaffen am Fliegerhorst Büchel bekannt?

In der Vergangenheit gab es am Standort Büchel drei unterschiedliche Atomwaffenlagerorte. Auf dem Flugplatzgelände selbst wurde bis 1989 eine geringe Anzahl an Waffen in einem speziellen Bunker aufbewahrt, rund drei Kilometer nördlich der Flugzeuglandebahn befand sich ein größeres Lager. Im Jahr 1990 wurde im Zusammenhang mit dem NATO-Programm „Weapons Storage and Security System“ ein neues Lager für die Atomwaffen in Büchel errichtet. In diesem können bis zu 44 Atombomben in speziellen Grüften in den Flugzeugschutzbauten direkt unter den Flugzeugen aufbewahrt werden. Laut verschiedener nicht bestätigter Medienberichte befinden sich in diesem Lager derzeit bis zu 20 taktische US-Atomwaffen vom Typ B61-3/4. Die maximale Sprengkraft einer dieser Bomben liegt bei 170 Kilotonnen TNT, was etwa der 13-fachen Zerstörungskraft von „Little Boy“ entspricht, der Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde.

Da die in Büchel gelagerten Atomwaffen nur im Zusammenhang mit der nuklearen Teilhabe der Bundesrepublik und dem bereits erwähnten NATO-Abkommen in Deutschland aufbewahrt werden dürfen, müssen sie im Falle eines Einsatzes durch den amtierenden US-Präsidenten freigegeben werden.

Welche Protestaktionen gegen Atomwaffen gibt es in Büchel?

Das Gelände um den Fliegerhorst Büchel ist seit dem Jahr 1996 regelmäßig symbolischer Versammlungsort für Friedensdemonstrationen und Initiativen gegen Atomwaffen. Das größte Ereignis, das in den vergangenen Jahren am Haupttor des Fliegerhorsts neben zahlreichen Mahnwachen, Diskussionen, Kundgebungen aber auch Blockaden stattgefunden hat, war eine Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern Ende August 2008.

Auch haben Atomwaffengegner es immer wieder geschafft auf das Gelände des Flugplatzes zu gelangen. Daher wurde 2019 eine mehr als eine Million Euro teure neue Zaunanlage installiert, an der zusätzlich moderne Sensoren und Kameras angebracht wurden.

Die Kampagne „Büchel ist überall – Atomwaffenfrei jetzt!“ und der „Initiativkreis gegen Atomwaffen“ erhielten im Jahr 2019 für ihr jahrzehntelanges Engagement – nicht nur gegen die US-Atomwaffen in Büchel, sondern auch weltweit – den Aachener Friedenspreis.

Welche Flugzeuge soll die Luftwaffe in Zukunft für Büchel erhalten?

Ab dem Jahr 2023 sollen die bisher eingesetzten Tornados in Büchel stillgelegt und durch einen neuen Flugzeugtyp ersetzt werden. Im Rahmen des jüngst beschlossenen 100-Millarden-Euro-Sonderprogramms zum Umbau der Bundeswehr werden dabei 35 hochmoderne atomwaffenfähige Kampfflugzeuge vom Typ F-35/A im Anschluss an eine Grundsanierung der Start- und Landebahn des Fliegerhorsts zum Einsatz kommen. Bis die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, soll der Flugbetrieb jedoch nicht unterbrochen werden. Als Ausweichstandort für die normalerweise in Büchel stationierten Tornados dient bis dahin der Fliegerhorst Nörvenich bei Köln.

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