Flucht in Rambo-Manier
Weil sie einen Trierer Taxifahrer beraubt und einen Streifenwagen schrottreif gefahren haben sollen, müssen sich heute drei Männer vor dem Landgericht verantworten. Das angebliche Motiv: Geldnot.
Trier. Die frühen Morgenstunden an einem Mittwoch im vergangenen November wird ein 47-jähriger Trierer Taxifahrer wohl sein Leben lang nicht vergessen. Es ist kurz nach vier Uhr, als in der Aachener Straße gegenüber der Gaststätte "Luxemburger Eck" drei Männer in sein Taxi steigen und angeblich nach Belgien gefahren werden wollen. Vor Angst und Schmerzen gezittert
Als der Taxifahrer 100 Euro Anzahlung haben will, umklammert der hinter ihm sitzende Mann seinen Hals und schlägt ihn mehrfach auf den Kopf. Der Überfallene zittert vor Angst und Schmerzen, erzählt er später der Polizei. Aus Angst um sein Leben gibt der Taxifahrer den von den Räubern geforderten Geldbeutel heraus. Der Inhalt: 350 Euro.Mit dem Diensthandy des Opfers und dem Autoschlüssel des Taxis macht sich das Trio anschließend aus dem Staub. Womit die Gangster nicht gerechnet haben: Der Taxifahrer hat noch ein zweites Handy dabei, mit dem er direkt nach dem Überfall die Polizei alarmiert. Eine Streife ist wenig später vor Ort, macht sich - mit dem Taxifahrer an Bord - auf die Suche nach den in Richtung Trierer Berg davongebrausten Räubern. Auf einem Parkplatz in der so genannten Hägin-Kurve entdecken die Polizisten wenig später das Fluchtfahrzeug - einen unbeleuchteten BMW mit luxemburgischem Kennzeichen. Als die Beamten den Wagen kontrollieren wollen, fährt der BMW-Fahrer los, rammt den Streifenwagen und braust Richtung Bitburg davon. Wenig später haben die Trierer Polizisten das Fluchtauto aber wieder eingeholt. Und erneut rammt der BMW-Fahrer mit voller Wucht das Polizeiauto, das kurz darauf - nahezu schrottreif - liegen bleibt. Wie durch ein Wunder wird bei dem heftigen Zusammenstoß niemand verletzt. Das Fluchtauto wird kurze Zeit später auf der Autobahn Richtung Luxemburg von anderen Polizisten gestoppt, das mutmaßliche Räuber-Trio festgenommen. Verteidiger kündigen Geständnisse an
Die drei Männer im Alter zwischen 24 und 28 Jahren wohnen seit langem im Großherzogtum, sind allerdings keine Luxemburger. Nach Erkenntnissen der Trierer Staatsanwaltschaft sind alle drei bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Die längste Vorstrafenliste hat demnach der 28-jährige mutmaßliche Fahrer des Fluchtwagens. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Diebstahls unter Gewaltanwendung wurde der gelernte Gärtner in den vergangenen Jahren bereits mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das luxemburgische Trio sitzt seit der Festnahme in Untersuchungshaft. Ab heute wird den Männern vor der Ersten Großen Strafkammer des Trierer Landgerichts der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem räuberische Erpressung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Das angebliche Motiv des Raubüberfalls: Geldnot. Nach Angaben der beiden Verteidiger Sven Collet und Otmar Schaffarczyk sind die Angeklagten "voll geständig". Vermutlich wird in dem zunächst auf zwei Verhandlungstage terminierten Prozess daher auch noch heute ein Urteil gefällt werden. Den Angeklagten drohen mehrjährige Gefängnisstrafen.