Flüchtlingskinder hoffen auf eine bessere Zukunft

Flüchtlingskinder hoffen auf eine bessere Zukunft

Auf den zunehmenden Strom von Flüchtlingen nach Deutschland reagieren viele Menschen in der Region mit großem Engagement. Sie unterstützen die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier auf vielfache Weise. Der TV hat sich vor Ort umgesehen und mit Mitarbeitern, Helfern und Bewohnern gesprochen.

Trier. Ein buntes Gewusel herrscht in der engen Spielstube. Kinder malen Bilder, puzzeln oder spielen den Klassiker "Mensch ärgere dich nicht". Es könnte fast eine normale Kindertagesstätte sein. Doch besondere Umstände haben die Familien der Kinder an diesem Ort zusammengeführt - der zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) des Landes Rheinland-Pfalz in Trier."Die Schicksale sind unterschiedlich", sagt Dagmar Barzen, Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier. "Krieg, Vertreibung - oft kommen die Menschen hier nur mit dem Nötigsten an." Und es werden immer mehr. Im Jahr 2011 kamen insgesamt 1800 Asylbewerber nach Rheinland-Pfalz, 2013 waren es hingegen 5600.Um so wertvoller sei die jüngste Welle der Hilfsbereitschaft, erklärt Barzen. Stellvertretend für alle Spender aus der Region hat sie einige eingeladen, um ihnen zu danken. Zum Beispiel die Strickfrauen Kell (Kreis Trier-Saarburg) mit 47 Aktiven auch aus Schillingen, Mandern, Beu ren, Bescheid und Luxemburg. Leiterin Gerlinde Hoegen: "Unser erster Besuch in der Afa war ergreifend. Seitdem stricken wir begeistert, weil wir sehen, wo unsere Kleiderspenden hingehen."Rolf Scheurich ist Gründer des Spielzeugmuseums Trier. Seine Frau Annemarie chartert einen Bus, der Kinder aus der Afa am 14. Januar zu einem kostenlosen Besuch ins Museum bringt.Ganze Klasse besucht die Afa

Schüler der Privatschule Eberhard in Trier haben bei sich zu Hause Spielsachen gesammelt und als Spende verpackt. "Wir wollen demnächst mit der ganzen Klasse die Afa besuchen", sagt Lehrerin Barbara Frick.Stephan Keidel, Geschäftsführer der Firma Natus in Trier, kündigt ein spezielles Projekt an: "Führungskräfte aus unserem Unternehmen werden in ihrer Freizeit Räume in der Afa streichen und so einrichten, dass sie als Spielstuben genutzt werden können." Dafür ist ein ganzer Flur in einem Nebengebäude vorgesehen. Vier Spielräume, Toiletten und ein Raum für die Mitarbeiter sollen so entstehen. "Die bisher belegten Räume werden frei, wenn wir ab Februar das Ausweichquartier in der General-von-Seidel-Kaserne nutzen können. Dann kann die Renovierung und Möblierung beginnen", freut sich Afa-Leiter Wolfgang Bauer.Dass eine staatliche Einrichtung durch die Spenden von Bürgern und Firmen womöglich Geld bei ihren originären Aufgaben spart, sieht Keidel rein positiv: "Wir alle sind der Staat. Jeder engagiert sich in dem Rahmen, wie er kann." Bei Menschen, die unberechtigt in Deutschland seien, vertraue er dem Reglement der staatlichen Organe.Weniger als ein Prozent aller Asylbewerber werden als politisch Verfolgte nach dem Grundgesetz anerkannt. "Doch 20 Prozent dürfen aus unterschiedlichen humanitären Gründen im Land bleiben", erklärt Bauer.Bewohner der Afa werden wegen des großen Andrangs neuerdings schneller an Kommunen vermittelt, meist schon nach fünf bis sechs Wochen. Die Pflichtkontingente der Landkreise richten sich nach Größe, Infrastruktur und Finanzkraft. 2013 waren es 162 Asylbewerber in Trier-Saarburg, 159 im Eifelkreis Bitburg-Prüm (nahm freiwillig mehr auf), 164 in Bernkastel-Wittlich und 99 im Kreis Vulkaneifel.Extra

Rasheed Rasheed (25), Asylbewerber aus Syrien. Warum sind Sie geflüchtet? Rasheed: Als Sergeant der syrischen Armee wurde ich gezwungen, Zivilisten zu töten. Als ich mich weigerte, haben andere versucht, mich zu töten, und haben mir in den Arm geschossen. Wie haben Sie Ihr Heimatland verlassen? Rasheed: Ich bin zu Fuß in die Türkei geflohen, das war ein harter Trip. Von dort ging es weiter nach Bulgarien. Doch nach einem Regierungswechsel gab es Angriffe auf Syrer in Bulgarien und keinen Schutz durch die Polizei. Da bin ich nach Deutschland geflohen. Wie sind die Umstände in der Afa Trier aus ihrer Sicht? Rasheed: Ich fühle mich hier vor allem sicher. Es gibt Duschen, Essen und die Gelegenheit, Deutsch zu lernen. Kinder bekommen Schulunterricht. Wie geht es für Sie weiter? Rasheed: Ich hoffe, ich bekomme eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, um ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein. Und ich hoffe, die Bundesregierung erkennt die große Gefahr besonders für Kurden und Christen in Syrien an. Viele werden dort wegen ihrer Volkszugehörigkeit oder Religion bedroht oder umgebracht. Diese Menschen brauchen dringend Schutz. cus Extra

Das Land mietet einen Teil der ehemaligen General-von-Seidel-Kaserne in Trier-Euren für ein Jahr bis Ende Januar 2015 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Dort werden als Ergänzung zum Afa-Hauptstandort Trier-Nord 150 alleinreisende Männer untergebracht, da die Infrastruktur für Familien nicht geeignet ist. Die Betreuung der Asylbewerber am neuen Standort übernimmt per Vertrag der Caritasverband Trier. Dort werden vier Sozialarbeiter, ein Hausmeister, Fahrer und weitere Kräfte eingesetzt. cus

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