Flugausfälle: Ryanair verärgert Reisende

Flugausfälle: Ryanair verärgert Reisende

Angeblich wegen mangelnder Pünktlichkeit fallen 2000 Flüge aus. Auch Verbindungen vom Hahn und von Luxemburg betroffen. Passagiere haben das Recht auf Entschädigung.


Update: Ryanair hat die Liste mit allen Flugausfällen bis Ende Oktober aktualisiert .

Die irische Fluggesellschaft Ryanair, die unter anderem vom Hahn und von Luxemburg aus fliegt, verärgert derzeit massiv ihre Kunden. Sie hat angekündigt, in den kommenden sechs Wochen über 2000 Flüge ausfallen zu lassen. Im Internet finden sich zahlreiche Berichte von Passagieren, die wegen gestrichener Rückflüge gestrandet sind. Über 300.000 Fluggäste sind betroffen.

Als Begründung nennt die Gesellschaft Unpünktlich bei vielen Ryanair-Flüge. Schuld daran seien Kapazitätsengpässe bei den Flugkontrollen auf einigen Flughäfen, Fluglotsenstreiks in Frankreich und eine Häufung von Urlauben bei Piloten und dem Kabinenpersonal. Man habe in den Sommermonaten Juli und August eine Rekordzahl von Flügen absolviert, jetzt müsse das dafür eingesetzte Personal seinen Jahresurlaub antreten, verkündet Ryanair-Sprecher Robin Kiely in einer Pressemitteilung, die allerdings nur auf Englisch und nur auf der englischsprachigen Internetseite der Gesellschaft zu finden ist.

Allein am Montag fielen laut einer von Ryanair ebenfalls nur im Internet veröffentlichten Liste 56 Flüge aus. Betroffen waren davon auch drei Verbindungen vom Hahn nach Porto, Ibiza und Malpensa sowie der Flug von Luxemburg nach London. Für Dienstag stehen 55 Flüge auf der Streichliste, darunter eine Verbindung vom belgischen Charleroi nach Madrid. Am Mittwoch soll der Flug von Luxemburg nach Mailand ausfallen. Bis Montagmittag hatte Ryanair nur die Liste der abgesagten Flüge bis einschließlich Mittwoch im Internet veröffentlicht .

Ryanair-Chef Michael O`Leary kündigte am Montagnachmittag, dass bis Ende Oktober Flüge ausfallen würden. Damit sind dann auch die Ende kommender Woche beginnenden Herbstferien betroffen. "Ryanair wird in den nächsten sechs Wochen 40 bis 50 Flüge des gesamten europäischen Netzwerks pro Tag streichen, dies entspricht weniger als zwei Prozent unseres Flugplans", sagte Kiely unserer Zeitung. Die betroffenen Passagiere werden lediglich per Mail kurz vorher informiert.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heiner Siegmund. Ein solch geballter angekündigter Flugausfall sei ungewöhnlich. Dass dieser wie von Ryanair kommuniziert mit mangelnder Pünktlichkeit zusammenhängt, bezweifelt er. "Die sind doch pünktlich." Siegmund vermutet, dass das Ganze mit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg vom vergangenen Donnerstag zusammenhängen könnte. Die Luxemburger Richter entschieden, dass das Flugpersonal arbeitsrechtliche Streitigkeiten dort vor Gericht bringen, wo ihre Heimatbasis ist - und nicht wie von Ryanair gefordert in Irland, dem Sitz der Fluggesellschaft. Mit dem Zwangsurlaub für die Mitarbeiter wolle man einer Prozesslawine aus dem Weg gehen, vermutet Siegmund. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit geht davon aus, dass ein massiver Mangel an Piloten der Grund für die Flugausfälle ist. Viele Ryanair-Piloten wechselten wegen schlechter Bezahlung zu anderen Gesellschaften.

Ryanair bietet allen Passagieren, deren Flug gestrichen worden ist, eine Erstattung des Ticketpreises an. Das reicht aber nach Auskunft von Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nicht aus. Ryanair müsse den Passagieren auch einen Ersatzflug anbieten, gegebenenfalls mit einer anderen Fluggesellschaft.

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