Flughafen Hahn: Aufschwung mit über 100.000 Tonnen Fracht

Flugplatz : Flughafen Hahn: Aufschwung mit über 100.000 Tonnen Fracht

Mehr Fracht, weniger Passagiere und Investitionsstau: Der Airport Hahn muss sich nach seiner weitgehenden Privatisierung im globalen Wettbewerb behaupten. In der Großregion Saar-Lor-Lux gibt es gleich fünf größere Flughäfen. Fragt, sich, ob das zu viele sind.

Nach dem Einbruch im Frachtgeschäft 2016 rechnet der defizitäre Hunsrück-Flughafen Hahn 2017 wieder mit deutlich mehr als 100.000 Tonnen Frachtumschlag. 120.000 bis 130.000 Tonnen seien für dieses Jahr das Ziel, sagte Christoph Goetzmann, Mitglied der Geschäftsführung, am Freitag beim Airport-Besuch von Parlamentariern des Saar-Lor-Lux-Rates. „Der Trend ist sehr positiv.“ Beispielsweise habe sich die Zahl der Flüge der Suparna Airlines (vormals Yangtze River Express) vom Hahn nach Asien jüngst von einem auf vier pro Woche erhöht.

Anders gestalte sich die Entwicklung im Passagiergeschäft: Nach 2,6 Millionen Fluggästen im Jahr 2016 werde diese Zahl 2017 nur bei 2,2 bis 2,4 Millionen liegen, ergänzte Goetzmann. Die Aufnahme der angekündigten regelmäßigen Passagierflüge nach Asien sei flugrechtlich und organisatorisch deutlich langwieriger als die Ausweitung des Frachtgeschäfts.

Gegenwärtig kommen 35 Prozent der Hahn-Passagiere laut dem Manager aus Rheinland-Pfalz, 28 Prozent aus Hessen, 17 Prozent aus Baden-Württemberg, sieben Prozent aus dem Saarland, sechs Prozent aus Nordrhein-Westfalen und vier Prozent aus Luxemburg. „Was uns wirklich Sorgen macht, ist die Ryanair in Luxemburg“, sagte Goetzmann. Die irische Billigfluggesellschaft und Hahn-Hauptkundin könne in dem benachbarten Großherzogtum wegen der dort fehlenden Luftverkehrssteuer mit niedrigeren Ticketpreisen starten.

Die Vorsitzende der Verkehrskommission des Interregionalen Parlamentarier-Rats, Isolde Ries, warf die Frage auf, inwiefern die fünf großen Flughäfen der Saar-Lor-Lux-Region zusammenarbeiten und unterschiedliche Spezialisierungen vereinbaren könnten. Hintergrund ist, dass die EU Beihilfen zum laufenden Unterhalt von Airports von 2024 an verbietet. Im Raum steht somit die Frage, ob fünf Flughäfen in der Großregion nicht zu viele sind.

Am 4. Mai 2018 plant der Saar-Lor-Lux-Rat zur Situation der Airports eine Konferenz in Luxemburg. Goetzmann sagte zum Hahn: „Es gibt relativ wenig Zusammenarbeit mit anderen Flughäfen.“ Derartige Kooperationen könnten angesichts des Wettbewerbs untereinander auch europarechtlich schwierig sein.

  • HNA informiert über Kauf des Flughafens Hahn
  • Völlig unrealistisch
  • China-Pläne am Flughafen Hahn stocken

Den Investitionsstau am kürzlich größtenteils privatisierten Flughafen Hahn bezifferte Goetzmann mit 50 bis 70 Millionen Euro. „Wir fangen jetzt mit einer sorgfältigen Bestandsaufnahme an.“ Damit bezog sich der Manager beispielsweise auf das ursprünglich als Frachthalle gebaute einfache Terminal und den Zustand der einst militärischen Vorfeldflächen.

Der große chinesische Mischkonzern und Deutsche-Bank-Aktionär HNA hatte vor wenigen Monaten die 82,5 Prozent des Landes Rheinland-Pfalz am Flughafen Hahn gekauft. Hessen hält weiterhin 17,5 Prozent. Es ist der erste HNA-Airport in Europa.

Goetzmann sagte, einen anderen geeigneten Käufer habe es für Rheinland-Pfalz nicht gegeben: „Sie hätten noch Kasachen nehmen können, die im Verdacht der Steuerhinterziehung standen.“ HNA sei ein sehr seriöser Investor mit langem Atem und Wagnisbereitschaft. Bislang sei nach dem Verkauf bis auf eine Ausnahme „aus anderen Gründen“ niemand der rund 300 Hahn-Mitarbeiter entlassen worden. Eine andere Frage sei, ob frei werdende Stellen noch stets neu besetzt würden.

HNA hatte sich in deutschen Medien wiederholt mit Vorwürfen von Intransparenz, zu raschem Wachstum und zu großer Staatsnähe in China konfrontiert gesehen. Goetzmann sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Außer bei Fragen von Journalisten ist das bei uns kein Thema.“ Die Vorwürfe seien unberechtigt. HNA habe zwar Schulden. Als seriöses Unternehmen stehe es aber für Verlässlichkeit, Kontinuität und Wachstum.

(dpa)
Mehr von Volksfreund