1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Flughafen Hahn: Rethage sieht persönliche Bereicherung

Flughafen Hahn: Rethage sieht persönliche Bereicherung

Flughafen-Geschäftsführer Heinz Rethage ist überzeugt, dass am Hunsrück-Airport Hahn mindestens ein Fall persönlicher Bereicherung vorliegt. Das erklärte er im Gespräch mit der Rhein-Zeitung.

Inzwischen liegen drei Strafanzeigen gegen Sie vor. Stimmt Sie das nachdenklich?
Rethage: Fakt ist: Bisher liegt nur die Strafanzeige des Betriebsrats vor. Alles, was derzeit an Vorwürfen kursiert, ist haltlos und entbehrt jeder Grundlage. Meines Erachtens handelt es sich bei diesen Angriffen lediglich um Retourkutschen, weil ich grobe Unregelmäßigkeiten festgestellt und einen Klärungsprozess eingeleitet habe.

Die Opposition fordert offen Ihren Rücktritt, die Landesregierung hält sich ebenfalls mit Solidaritätsadressen zurück. Wie lange wollen Sie das durchstehen?
Rethage: Ich halte so lange durch, bis alle Fragwürdigkeiten rund um den Dienstleister für die Passagierabfertigung, die SSD, aufgeklärt sind. Zudem will ich alle Vorwürfe in Bezug auf die Strafanzeige des Betriebsrats ausgeräumt wissen.

Fühlen Sie sich von der Landesregierung noch getragen?
Rethage: Ich habe einen klaren Sanierungsauftrag. Dazu gehört, dass ich für eine Mindesthygiene im Betrieb sorge. Daran arbeite ich. So etwas geht nicht konfliktfrei ab. Bislang hat mir keiner gesagt, dass ich mit dieser Arbeit aufhören soll. Ich will weiterhin davon ausgehen, dass die Landesregierung voll und ganz hinter meinem Sanierungs- und Aufklärungskurs steht.

Wie konnte das Verhältnis zum Betriebsrat derart eskalieren?
Rethage: Der Betriebsrat selbst ist gespalten. Konflikte gibt es vor allem mit einem Betriebsratsmitglied. Die Ursache sind Unregelmäßigkeiten, über die ich gestolpert bin.

Und Sie selbst haben gar keine Fehler gemacht?
Rethage: Ein Fehler war sicher, dass es nicht gelungen ist, maßgebliche Konflikte intern zu klären.

Der frühere Flughafenchef Jörg Schumacher hat Sie angeblich angezeigt und wirft Ihnen Untreue vor. Begründung: Sie hätten den lukrativen Vertrag mit dem Dienstleister zur Passagierabfertigung kündigen können und müssen.
Rethage: Seit Anfang des Jahres wissen wir, dass wir die Leistung für Passagier- und Kofferabfertigung erheblich zu teuer einkaufen. Eine solche Dienstleistung kann man nicht von jetzt auf gleich kündigen, ohne einen Nachfolger zu haben. Eine Ausschreibung braucht drei bis vier Monate. Anfang Mai schreiben wir EU-weit einen Teilnahmewettbewerb aus.

Eine Mail zur Treuhänderstruktur der SSD hat Hahn-Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD) erst Monate später erreicht, obwohl sie bei Ihnen schon Anfang Dezember 2013 vorlag. Wie kann es sein, dass Sie eine derart wichtige Mail nicht gesehen haben?
Rethage: Im ersten Briefkontakt hat die SSD geleugnet, dass es Treuhänder gebe. Nach unseren Überprüfungen im Handelsregister antwortete sie auf eine spätere Anfrage gegenüber einem Mitarbeiter etwas ganz anderes. Dieser schickte die Mail an mich - mit der Antwort im Anhang. Den habe ich in der Tat nicht geöffnet, was mich bis heute maßlos ärgert. Das habe ich auch der Staatsanwaltschaft geschrieben.

FDP-Landeschef Volker Wissing spottet: Ob ein Geschäftsführer, den die Bewältigung seiner Korrespondenz bereits überfordert, geeignet ist, die Probleme am Hahn zu lösen, scheint mehr als zweifelhaft. Trifft Sie das?
Rethage: Ich habe eine gewisse Sympathie für die FDP. Daher sehe ich die Äußerung des Landeschefs als einen Ausreißer, den man nicht überbewerten sollte.

Auf welche Widerstände sind Sie bei der Aufarbeitung vermeintlicher Unregelmäßigkeiten gestoßen?
Rethage: Ich bin im Sommer vergangenen Jahres auf unglaubliche Widerstände bei der damaligen Geschäftsführung und dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden gestoßen. Mir wurde sogar untersagt, mich mit der Aufarbeitung der Vorgänge um die SSD zu beschäftigen, was ich trotzdem gemacht habe. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass im SSD-Komplex ein klassischer Fall von Kick-Back vorliegt. Das heißt, eine Auftragsvergabe erfolgte zu überhöhten Preisen - verbunden mit persönlicher Bereicherung.

Wann wurden Sie misstrauisch?
Rethage: Im Sommer 2013. Ich habe damals gegen den erbitterten Willen des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden ein Gutachten an eine Koblenzer Kanzlei in Auftrag gegeben. Das ist heute die Grundlage für die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Im Juli 2013 bat ich die betroffene Kanzlei um Prüfung, ob strafrechtlich relevante Verfehlungen vorliegen. Bereits seit Sommer 2013 lag es mir also daran, dass die Staatsanwaltschaft einschreitet.

Bis zum Jahr 2015 wollen sie ein Drittel der geplanten Ergebnisverbesserung am Hahn von 13,5 Millionen Euro pro Jahr schaffen. Wie geht das?
Rethage: Wir haben 60 Einzelprojekte. Dadurch wurde das Betriebsergebnis bereits um ein bis zwei Millionen Euro verbessert. Den Rest schaffen wir Schritt für Schritt.

Das Gespräch führte Dietmar Brück