1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Flughafen Hahn steht vor ungewisser Zukunft

Flughafen Hahn steht vor ungewisser Zukunft

Wo bleiben die Privatinvestoren für den Flughafen Hahn? Seit Monaten herrscht Rätselraten, ob es Interessenten für den ehemaligen US-Airport gibt und ob überhaupt ernsthaft nach ihnen gesucht wird.

Lautzenhausen/Mainz. Die internationale Suche nach Investoren auf dem defizitären Flugplatz Hahn stockt, obwohl im November 2011 im Hunsrück schon alles startklar schien. Das ist im federführenden Infrastrukturministerium und in der Frankfurt-Hahn GMBH von Geschäftsführer Jörg Schumacher zu erfahren. Ende 2011 hieß es noch, dass das Verfahren anläuft. Nach den Worten des Ministers Roger Lewentz (SPD) meldeten sich damals "zwei bis drei Interessenten im Monat". Auch Schumacher wollte mit weiteren Geldgebern selbst einsteigen. Nach neun Monaten gestaltet sich die Zukunft aber viel ungewisser. Über ihr hängt zudem noch das Damoklesschwert der EU-Wettbewerbshüter. Mehrere Beihilfeverfahren laufen teils schon seit 2006. Angestrengt hat sie die Lufthansa.
Wie am Nürburgring werden auch am Flughafen schlaue und meist sehr teure Berater gesucht. Nach Darstellung des Ministerium läuft die Ausschreibung "wegen der weitreichenden wirtschaftlichen Dimensionen" in einem "gestuften Prozess": Danach mussten in einer ersten Ausschreibung zunächst Rechtsberater gefunden werden. Mit den Spezialisten, über die das Ministerium offenbar nicht verfügt, wurde die Ausschreibung für einen Transaktionsberater gestartet. Der soll im September gefunden sein. Dann soll auch der Markt erforscht und entschieden werden, ob und wie es zu einer Investorenausschreibung kommt, teilt Ministeriumssprecher Christoph Gehring mit. Wie lange dies dauert, ist offen. Auch zu Honorarkosten konnte er sich nicht äußern. Am inzwischen insolventen Nürburgring kosteten Berater zuletzt bereits monatlich mehrere Hunderttausend Euro.
Nach den Worten des Geschäftsführers Jörg Schumacher soll vor der Privatisierung auch das "strukturelle Problem" der nahezu landeseigenen Flughafengesellschaft gelöst sein. Denn nach seinen Worten ist das Kerngeschäft, sprich der Flugbetrieb, gesund. Der habe zuletzt ein Plus von sieben Millionen Euro eingeflogen.
Aber wegen der Investitionen in Infrastruktur (nicht nur Landebahn, sondern auch Kläranlage oder Straße zur Landespolizeischule) landete der Hahn zuletzt im Minus von zehn Millionen Euro. Schumacher: "Es wäre so, als wenn eine Ortsgemeinde selbst die Umgehungsstraße finanzieren müsste." Wie dieses Problem mit dem Gesellschafter (82,5 Prozent Rheinland-Pfalz, 17,5 Prozent Hessen) gelöst wird, beschäftigt ebenfalls externe Berater. Das Problem brennt aber gleich doppelt unter den Nägeln. Denn: Die Flughafen-GmbH deckt das Minus aus ihrem Eigenkapital. Das ist allerdings in vier Jahren aufgebraucht, wenn die Entwicklung nicht gestoppt wird. Zweitens: Der Hahn ist mit seiner Erlaubnis zum 24-Stunden-Betrieb wirtschaftlich für Investoren interessanter, wenn sie nicht flugfremde Kosten am Bein haben. Schumacher: "Die Interessenten warten gerne ab."Extra

Zahlen und ProblemePassagiere: Im ersten Halbjahr 2012 zählte der Hahn 1,28 Millionen Passagiere - acht Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Flughafenchef Jörg Schumacher spricht von "verheerenden Auswirkungen" der Luftverkehrsabgabe. 2011 sank das Passagieraufkommen um 17 Prozent. Fracht: Das Aufkommen sank um satte 28 Prozent auf 104 000 Tonnen. Es gilt laut Flughafen als "Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung". Das Ergebnis lag, so Schumacher, aber noch sechs Prozent über dem von 2010. EU-Problem: Die Lufthansa hatte vor deutschen Gerichten bislang schlechte Karten. Aber ihre Wettbewerbsbeschwerden, teils schon 2006 gestellt, beschäftigen noch die EU. Das Kranich-Unternehmen kritisiert die aus seiner Sicht wettbewerbsverzerrende Hilfen des Landes, zum Beispiel die Möglichkeit, Liquidität zinsgünstig zu erhalten. us