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Flughafenplaner Frank Lamparski im Interview: „Ich habe nichts zu verbergen“

Flughafenplaner Frank Lamparski im Interview: „Ich habe nichts zu verbergen“

Der Projektplaner Frank Lamparski hat nach eigener Auskunft schon fast zwei Millionen Euro in die Entwicklung des Flugplatzes Bitburg gesteckt. Pleite sei er deswegen jedoch nicht. Er beziehe Einkünfte aus Immobilien, und auch der Flugplatz werfe bereits Geld ab, sagt er im TV-Interview. Zwei von Lamparskis Firmen sind allerdings insolvent.

Still und verlassen steht das Geschäftshaus an der vielbefahrenen Rue de Commerce in Mamer. Regenwasser hat schwarze Streifen auf seinem Anstrich hinterlassen. Staub und Schmutz haben sich über seine Fensterscheiben gelegt. Rost hat den Briefkasten zerfressen. "Frank Lamparski" steht in verblassten blauen Lettern auf der obersten Klappe. Darunter kleben beschriftete Streifen, die sich wie Pflaster über die rostigen Wunden des Briefkastens legen. "Mini Market SA", "Shanghai Global Investment and Finance" oder "Stintec Ingenieurs-Conseils" ist darauf zu lesen. Ein paar der vielen Firmen, die Lamparski gehören oder gehörten. Wer weiß das schon so genau. Hat der Mann, der plant, den Bitburger Flugplatz mit 380 Millionen Euro Investorengeld in einen internationalen Flughafen zu verwandeln, sich doch bisher sehr bedeckt gehalten, wenn es um seinen geschäftlichen Hintergrund geht.

Nun zwingen ihn die Ereignisse zum Sprechen. Er steht, wie er sagt, kurz vor der Ziellinie. Die ersten 30 Millionen Euro für den Flugplatzausbau seien auf einem luxemburgischen Konto eingegangen. Wenn es nach ihm ginge, könnte er loslegen. Doch benötigt er zuvor die Zustimmung des Kreistags Bitburg-Prüm und des Stadtrats Bitburg. Und viele der Entscheidungsträger haben vor wenigen Tagen Post von Stephan Garçon (SPD- Stadtratsmitglied) bekommen: eine E-Mail mit Informationen über Lamparskis unübersichtliches Firmengeflecht, die Ludwig Kewes vom Verein Bürger gegen Nachtflug zusammengetragen hat - eine Bürgerinitiative, die den Flughafen verhindern möchte. Auch ein Foto vom rostenden Briefkasten ist dabei und ein für Lamparski wenig charmantes Fazit: "Während Lamparski in Bitburg den Eindruck erweckt, das ganz große Rad zu drehen, mehren sich die Hinweise, dass er tatsächlich finanziell mit dem Rücken zur Wand steht", schreibt Kewes, der findet, dass das Gesamtbild von Lamparskis geschäftlichem Hintergrund nicht zu seinen hochfliegenden Plänen passt.
Allerdings finden sich bei dem heruntergekommenen Geschäftssitz in Mamer auch Zeichen des Wohlstands. Direkt hinter den Mülltonnen, die einen Teil des Briefkastens verdecken, parkt Lamparskis Porsche. Und das angrenzende Nachbarhaus ist frisch saniert. Die Fenster im Erdgeschoss geben den Blick auf einen mit Ledergarnituren eingerichteten Raum frei. Selbst von der Straße aus ist zu erkennen, wer hier wohnt. Nicht am Briefkasten, denn der ist neu und unbeschriftet, sondern an etwas, das sich hell gegen den dunklen Hintergrund abhebt: das Modell eines großen Flugzeugs. Ein Symbol für Lamparskis Traum.

Da die Mail mit ihren kritischen Inhalten inzwischen in sehr vielen Postfächern gelandet sein dürfte, haben Lamparski und sein Pressesprecher Ronald Frank von der Medienfabrik Trier sich zur Flucht nach vorne entschieden. Mit unseren Redakteuren Katharina Hammermann und Rolf Seydewitz sprachen sie ungewohnt offen über Lamparskis Firmen und seine finanzielle Situation.

Herr Lamparski, was hat es mit dem heruntergekommenen Firmensitz in Mamer auf sich?
Lamparski: Das Haus sieht von außen noch nicht gut aus. Von innen ist es bereits saniert, die geplante Renovierung der Fassade fehlt noch. Dazu fehlt noch die beantragte Baugenehmigung. Das Haus hat übrigens einen Marktwert von 800.000 Euro.

Wie viel eigenes Geld haben Sie bisher in den Flugplatz Bitburg investiert?
Lamparski: Ich habe in den vergangenen zwei Jahren 1,95 Millionen Euro aufgebracht. 1,2 Millionen stammen aus dem Verkauf von persönlichen Immobilien. Mit dem Geld habe ich die Flugplatzanteile erworben, das Konzept entwickelt, Gutachter und Berater bezahlt.

Sind Sie, wie Ihre Gegner behaupten, jetzt pleite?
Lamparski: Nein ich bin nicht pleite. Dann hätte ich Privatinsolvenz angemeldet - und davon bin ich als stolzer Besitzer zahlreicher Immobilien zum Glück weit entfernt. Ich verdiene recht gut.

Womit verdienen Sie eigentlich derzeit Ihr Geld?
Lamparski: Ich habe Einkommen aus meinem Immobilienbesitz. Zudem habe ich als Geschäftsführer der Flugplatzentwicklungsfirma Einnahmen. Der Investor zahlt für die Entwicklung des Flugplatzes Bitburg. Und wir haben noch andere Aufträge. Für einen Flugplatz in Osteuropa haben wir eine ähnliche Voruntersuchung gemacht wie in Bitburg.

Dennoch mussten zwei Ihrer Firmen Insolvenz anmelden.
Lamparski: Ja, für die Fitness Acadamy und die DB Constructions SA stehen Steuerzahlungen und Sozialabgaben in Höhe von insgesamt rund 100.000 Euro aus. Der luxemburgische Staat hat nach Steuerprüfungen Schätzungen vorgenommen und anschließend Zwangsinsolvenzverfahren eingeleitet. Ich werde die Forderungen begleichen, um die Insolvenz abzuwenden, und anschließend die Korrektheit der Forderungen mit den Behörden klären. Das sind Dinge, um die ich mich eher hätte kümmern müssen. Ich investiere allerdings seit zwei Jahren all meine Zeit und Kraft in den Flugplatz.

Ihr Firmenrepertoire ist - so wie es auch die Mail der Flugplatzgegner darstellt - in der Tat recht unübersichtlich. Da sind viele kleine Firmen mit ganz unterschiedlichen Betätigungsfeldern. Sie wurden gegründet, übernommen und immer wieder umbenannt. Was hat es damit auf sich?
Lamparski: Nahezu alle Firmen, an denen ich beteiligt bin, wurden projektbezogen gegründet, um Immobilienprojekte zu realisieren, zu managen oder zu vermarkten. Wenn die Projekte erfolgreich abgeschlossen waren, hatten die Firmen ihren Zweck erfüllt. Wenn Immobilien darin sind, kann man sie jedoch nicht einfach so auflösen. Einzelne Firmen wurden umbenannt, weil wir neue Projekte angehen wollten. Etwa den Bau von Niedrigenergiehäusern. Da sollte der Name der Firma dann auch dazu passen. Allerdings ist es mein Ziel, mich aus allem zurückzuziehen, um mich ganz und gar um den Bitburg Airport zu kümmern.

Wie kommt es, dass sich in Ihrem Firmenrepertoire neben Bau- und Ingenieurbüros auch Skurriles wie ein Mini-Supermarkt und ein Fitnessstudio finden?
!Lamparski: Ich habe die ehemalige Minimarkt-Gesellschaft von einem Freund gekauft, weil ich das Gebäude haben wollte, in dem jetzt mein Firmensitz in Mamer ist. Den Zweck der Firma habe ich dann in eine Handelsgesellschaft umgewandelt. Zum Fitnesscenter: Wir haben mit der Familie ein Immobilienprojekt in Ettelbrück samt Fitnessstudio-Konzept umgesetzt. Für den Betrieb des Fitnessstudios wurde die Firma gegründet. Inzwischen haben wir den - übrigens sehr gut laufenden - Betrieb vermietet.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Lamparski: Meine Flughafen-Entwicklungsgesellschaft hat zwei Mitarbeiter und bedient sich bei freien Beratern, Kanzleien und Dienstleistern. Mit dem Start der Aufbauphase im Frühjahr 2012 werden weitere drei Mitarbeiter folgen. Die Gesellschaft wird dann nach Bedarf Zug um Zug mit weiterem Personal verstärkt.

In der Mail ist die Rede davon, Ihre Firma Stintec sei pleitegegangen ist, kurz nachdem Sie sie verlassen hätten. Zuvor wurde die Firma in einer Sitzung, die Sie trotz Ihres Ausscheidens geleitet haben, noch schnell umbenannt. Wollten Sie vermeiden, dass man den Konkurs mit Ihrem Namen in Verbindung bringt?
Lamparski: Das stimmt nicht. Die Firma ist nicht kurz nach meinem Ausscheiden in Konkurs gegangen. Es lag mehr als ein Jahr zwischen meinem Ausscheiden, das übrigens von der Luxemburger Ingenieurskammer wegen meines Engagements in Bitburg gefordert wurde, und der Abgabe meiner Anteile im Juli 2010. Die Gesellschaft war damals gesund. Und dass sie Konkurs gegangen ist, liegt daran, dass nach meinem Weggang zu wenig neue Kunden akquiriert wurden: 80 Prozent der Kunden kamen über mich.

Einer der Hauptkritikpunkte der Bürgerinitiative ist, dass Sie in Ihrer Flugplatzentwicklungsgesellschaft nachweislich einen Mitgesellschafter haben, dessen Muttergesellschaft in Tortola auf den British Virgin Islands (Antillen) sitzt. Diese Inselgruppe ist für ihre Briefkastenfirmen bekannt.
Lamparski: Ich habe keinerlei Beziehungen zum Steuerparadies in Tortola und möchte sie auch nicht. Die Zusammenarbeit mit der Firma ist auch vor einem halben Jahr beendet worden. Derzeit bereiten wir den Rückerwerb der Gesellschaftsanteile vor.

Warum der Bruch?
Lamparski: Ursprünglich war es diese Firma, die die Investoren mitgebracht hat. Die waren allerdings nur an kleinem Frachtflug interessiert. Und wir wollten den großen Ausbau mit Werften und Passagierflug. Damit hatten wir keine gemeinsame Basis mehr und haben uns unseren eigenen Investor gesucht.

Ist das auch der Grund, warum Ihnen Ihr Ex-Mitgesellschafter, in dessen Firmengebäude Sie mit Ihren Flugplatzfirmen saßen, gekündigt hat? So dass Sie zwei Firmen ohne Firmensitz hatten?
Lamparski: Ja. Wir sind jetzt vorübergehend in der Rue Glesener in Luxemburg. Sobald die Verträge unterzeichnet sind, werden wir Fachpersonal einstellen und in ein Businesscenter umziehen.

Die letzten Jahre dürften nicht einfach gewesen sein. Mit Bekanntwerden Ihrer Flughafenpläne standen Sie plötzlich im Rampenlicht. Zigmal wurden Wirtschaftsauskünfte über Sie bestellt, die Öffentlichkeit stocherte in Ihrem Leben herum, und Sie mussten sich vielen kritischen Fragen stellen. Warum machen Sie das alles?
Lamparski: Weil ich eine Vision habe und daran glaube. Ich war mir zu Anfang nicht bewusst, dass das Projekt so einen Medienrummel auslöst. Ich bin kein medialer Mensch, das merken Sie auch. Ich spreche zu offen, was nicht immer gut für mich ist. Aber ich habe auch nichts zu verbergen. Ich habe keine Leichen im Keller.

Was halten Sie von der Mail der Bürgerinitiative?
Lamparski: Ich kann nachvollziehen, dass die Gegner des Projektes kurz vor der Ziellinie noch alle Register ziehen, um den Bitburg Airport zu verhindern, indem sie versuchen, meine Person in Misskredit zu bringen. Das ist zwar eine unfaire Sache, wird aber nicht aufgehen, da ich die notwendigen Investitionsgelder bringe und das Projekt erfolgreich realisiere.

Hintergrund

Die Firmen des Projektentwicklers Frank Lamparski

Lamparski Bitburg Airport Group SCPA, Rue Glesener 19, Luxemburg: Dachgesellschaft des Bitburg-Airports. Sie nimmt das Investorengeld auf. Geschäftsführer ist Frank Lamparski, Mitgesellschafter ist ihm zufolge inzwischen der asiatische Investor (50 Prozent der Anteile).

International Airport Development Sàrl, Rue Glesener 19, Luxemburg: Ziel ist die Entwicklung und Verwaltung des Flugplatzes Bitburg und die Beteiligung an in- und ausländischen Geschäften. Geschäftsführer ist Frank Lamparski, Mitgesellschafter ist noch die Firma S.F.D. (20 Prozent der Anteile), deren Muttergesellschaft im Steuerparadies Tortola auf den British Virgin Islands sitzt. Laut Lamparski ist die Zusammenarbeit beendet. Die Anteile von S.F.D. sollen zurückübertragen werden.

Flugplatz Bitburg GmbH, Am Tower 14, Bitburg: Ziel ist die Entwicklung des Flugplatzes. Dem Eifelkreis Bitburg-Prüm gehören derzeit noch 37,89 Prozent der Anteile, der Stadt Bitburg 16,32 Prozent, Lamparski selbst besitzt bereits mehr als 40 Prozent.

Stintec Shanghai Limited: Die Firma soll in China für den Bitburg-Airport den Kontakt zu asiatischen Fluggesellschaften herstellen. Lamparski hält als stiller Gesellschafter 50 Prozent der Anteile.

Global Investment & Finance SA, ehemals Mini-Market SA und Shanghai Global Investment and Finance SA; Rue du Commerce 46, Mamer. Laut Handelsregister: Handel mit Lebensmitteln sowie mit Zeitschriften und Schreibwaren, An- und Verkauf von Immobilien, Finanzierungsgeschäfte, Beteiligung an in- und ausländischen Gesellschaften, Lamparski ist geschäftsführender Direktor.

Paragon Project Management and Consulting SA, Val Saint André 39, Luxemburg: erfolgreiches Ingenieurbüro. Ziel: Baumaßnahmen planen und realisieren; Lamparski hält 20 Prozent und ist geschäftsführender Direktor. Weitere Direktoren sind die luxemburgischen Architekten Gilbert Ballini und Roger Pitt.

Design & Build Promotions SA, Rue du Commerce 46, Mamer: Immobilienfirma, an der auch Familienmitglieder Lamparskis beteiligt sind. Am 27. Januar transferiert sie ihren Firmensitz laut Handelsregister in das leerstehende Gebäude nach Mamer. Laut Lamparski, der im Aufsichtsrat ist, wurde die Firma für die Entwicklung von Immobilienprojekten einer Investorengruppe gegründet. Diese seien nun abgeschlossen.

Association Momentanée Loire: eine Arbeitsgemeinschaft, die laut Lamparski zum Bau eines Mehrfamilienhauses gegründet wurde und seit dem Abschluss der Arbeiten ruht.

Fitness Academy Sàrl, Avenue du Dix Septembre 154, Luxemburg: ruhende Betreibergesellschaft eines Fitnesscenters in Ettelbrück. Das Gebäude gehört der Familie Lamparskis, die den Betrieb vermietet hat. Der luxemburgische Staat eröffnete am 12. Dezember 2011 ein Konkursverfahren, weil Umsatzsteuerzahlungen in Höhe von 38.000 Euro ausstehen.

Stintec SA: Ingenieurbüro. Ziel: Entwicklung industrieller Bauprojekte, Landerschließung. Am 30. Juli 2010 scheidet Lamparski aus. Wie er sagt, weil die luxemburgische Ingenieurskammer ihn dazu aufgefordert hat, da sie einen Interessenkonflikt mit der Entwicklung des Bitburg Airports sieht. Am 6. September 2010 wird die Firma in Europrimatec umbenannt. Wann sie Konkurs angemeldet hat, ist dem Handelsregister nicht zu entnehmen.
Habitations Basse Energie SA, firmierte unter D & B Constructions SA, Rue du Commerce 46, Mamer: Bauunternehmen, das das Ziel hat, in einem Neubaugebiet Niedrigenergiehäuser zu errichten. Dazu kam es laut Lamparski, der alle Anteile hält und Vorstandsmitglied ist, wegen Verzögerungen in der Bauleitplanung jedoch nicht. Am 8. Juli 2011 eröffnete der luxemburgische Staat ein Zwangsinsolvenzverfahren, weil 60.000 Euro für Sozialabgaben und Steuern ausstehen.