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Formel 1 bringt den Nürburgring mächtig in Fahrt

Formel 1 bringt den Nürburgring mächtig in Fahrt

Lange Jahre war der Formel-1-Zirkus am Nürburgring ein Verlustgeschäft. Nun soll eine Vereinbarung des neuen Besitzers der Eifelrennstrecke mit Formel-1-Boss Ecclestone dafür sorgen, dass die Rennen in der Eifel in eine neue, glänzende Zukunft durchstarten.

Wer mit Bernie Ecclestone verhandelt, braucht gute Nerven und viel Sitzfleisch. Die Schar der Gesprächs- und Geschäftspartner, die vor seinem Luxus-Wohnwagen stundenlang in London und anderswo ausharrt, ist Legende. Und der große Zampano der Formel 1, bekannt für höfliches Auftreten und sein Elefantengedächtnis, lässt sich nicht gerne in die Karten gucken. Capricorn-Chef Robertino Wild dürfte einen Härtetest überstanden haben, wenn er die Königsklasse des Motorsports erneut und vielleicht sogar dauerhaft an den Nürburgring geholt hat. Ab 2015 soll jedes Jahr ein Formel-1-Rennen in der Eifel laufen. Die strategische Partnerschaft zwischen Ecclestone und Capricorn könnte sogar darüber hinausgehen.

Schließlich hat der künftige Eigentümer der weltberühmten Rennstrecke (grünes Licht der EU steht noch aus) stets betont, dass er sich auf kein finanzielles Abenteuer einlassen wird. Sein Credo: Capricorn bewertet das Formel-1-Geschäft nicht ausschließlich nach Gewinnkriterien. Das Düsseldorfer Unternehmen will der Ringregion den wirtschaftlichen Nutzen dieses Großereignisses nicht nehmen, möchte aber auf keinen Fall ein Defizit einfahren. Schließlich muss die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) insgesamt ihr Geschäftsergebnis verbessern, um Investitionen zu tätigen und Schulden zu tilgen. Der Kauf des Nürburgrings war ein Kraftakt.

Offenbar scheint jetzt ein Finanzierungsmodell gefunden, das Ecclestone genug Einnahmen sichert und die CNG als künftiger Ring-Betreiber nicht leer ausgehen lässt. Lange Jahre war der Formel-1-Zirkus am Nürburgring ein Verlustgeschäft. Das Land musste zuletzt 13 Millionen Euro in das Motorsport-Spektakel pumpen. Erst nach der Insolvenz der nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH änderten sich die Spielregeln.

Ecclestone, der am Nürburgring in einem Anflug nostalgischer Treue hängt, ließ mit sich reden. Zudem braucht er Traditionsstrecken, um die Formel-1-Saison nicht zu einer Retortenveranstaltung verkommen zu lassen. Die Insolvenzverwalter konnten mit Ecclestone 2013 einen Vertrag aushandeln, ohne die teure Fahrerfeldgebühr zahlen zu müssen, die der Chef-Promoter sonst verlangt. Sie lag zuletzt bei rund 20 Millionen Euro.

Bei den intensiven Verhandlungen mit Ecclestone dürften die Anwälte beider Seiten nun an die Ausarbeitung schriftlicher Verträge gehen. Der Formel-1-Zampano besiegelt Vereinbarungen traditionsgemäß mit einem Handschlag. Das muss genügen. Ums Kleingedruckte kümmern sich die Juristen.

Da sich Ecclestone in München vor Gericht verantworten muss, möglicherweise hat er einen Banker der bayrischen Landesbank bestochen, ist unklar, wie weit seine Befugnisse noch reichen. Es gibt Gerüchte, dass er im Formel-1-Board nicht mehr alleine entscheiden kann.

Doch Insider glauben, dass der Milliardär und langjährige Formel-1-Alleinherrscher sofort hinwerfen würde, sollte man seine Macht ernsthaft beschneiden wollen.

Ministerpräsidenten Malu Dreyer (SPD) hofft nun inständig, dass der Ring-Vertrag in trockene Tücher kommt. Und Oppositionschefin Julia Klöckner (CDU) verpasste Rot-Grün einen Seitenhieb, in dem sie bemerkte, dass es an dem Eifelkurs immer dann gut läuft, wenn die Landesregierung ihre Finger nicht im Spiel hat.

Zugleich geht der Blick nach Hockenheim: Wird es 2016 und 2018 zwei Formel-1-Rennen auf deutschem Boden geben? Georg Seiler, Geschäftsführer des Hockenheimring, geht davon aus, dass Ecclestone vertragstreu bleibt. "Mir ist nichts anderes bekannt", sagte er. "Ich rechne damit, dass die Formel 1 in den Jahren 2016 und 2018 wie geplant in Hockenheim fahren wird."

Seiler war "überrascht" von der Nachricht, dass es ab 2015 jedes Jahr ein Formel-1-Rennen am Ring geben soll. Ecclestone selbst meinte, dass er den Hockenheim-Vertrag möglicherweise kündigen wird, wenn er einen Fünf-Jahres-Kontrakt am Ring abschließt. Seit 2008 hatten sich Nürburgring und Hockenheimring Jahr für Jahr mit einem Formel-1-Rennen abgewechselt. Von 1995 bis 2006 liefen sogar zwei Grand Prix in Deutschland - im nordwestlichen Baden-Württemberg und in der Eifel.