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Forscher: Nicht gerade die Besten machen als Politiker Karriere

Forscher: Nicht gerade die Besten machen als Politiker Karriere

Bei der Aufstellung für politische Ämter kommen oft nicht die geeignetesten Bewerber zum Zuge, sondern diejenigen, die den Parteien am besten in den Kram passen: Das ist, kurz gefasst, das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie an der Uni Trier. Die Betroffenen sehen das ganz anders.

Wer sich fragt, wie manche Abgeordnete, Dezernenten oder Staatssekretäre an ihr Amt gekommen sind, hat nun eine Antwort: Der Politologe Benjamin Höhne schreibt in seiner Doktorarbeit an der Uni Trier, dass die Parteien ihre Kandidaten häufig nicht nach Eignung, sondern nach Quoten, innerparteilichem Proporz und dem geringsten Abweichungs-Risiko auswählen. Quintessenz aus 4000 Befragungen unter Mitgliedern aller Bundestagsparteien: Aufgestellt wird, wer brav die Ochsentour absolviert hat, nie durch eigenwillige Ideen auffällt und über innerparteiliche Netzwerke verfügt.

Parteienforscher Höhne drückt das wissenschaftlicher aus. Bevorzugt würden "Akteure, die parteipolitisches Kapital angehäuft haben" und sich "durch Loyalität auszeichnen". Wichtige Eigenschaften wie "Offenheit für komplexe Problemlagen" und "hohe Aufnahmefähigkeit für die Frage, wie die Gesellschaft tickt", seien weniger gefragt; auch der "gewandte Umgang mit Medien und Öffentlichkeit" spiele keine wesentliche Rolle. Fazit: "Es sind längst nicht immer die Besten, die von den Parteien in die Parlamente geschickt werden."
Ein Blick auf die Berufsstruktur des Bundestags scheint ihm recht zu geben. Mehr als ein Drittel der Abgeordneten sind öffentlich Bedienstete, meist verbeamtet. Zweitstärkste Berufsgruppe im Parlament sind die Funktionäre, also Angestellte von Parteien, Gewerkschaften, Verbänden - Tendenz steigend. Alles keine Gruppen, mit denen man Innovationsfreude assoziiert.

Ob freier Geist, Sachkompetenz und Ideenreichtum aber wirklich einen guten Parlamentarier ausmachen, daran hat ein alter Hase wie der Trierer CDU-Abgeordnete Bernhard Kaster (55) seine Zweifel. Verlässlichkeit, taktisches Geschick, Erfahrung bei der Findung von Mehrheiten, Kompromissfähigkeit: So sieht er die entscheidenden Qualitäten.
Und auch sein SPD-Kollege Jens Jenssen (33), Wahlkreiskandidat in der Eifel, hält es für legitim, dass die Parteien bei der Kandidatenkür nach ihren eigenen Kriterien entscheiden.

Die Politiker und der Karriere-Fahrstuhl