Fortbildung statt Behandlung: Ärzte machen Praxen dicht

Trier · Die niedergelassenen Ärzte machen ernst: Auch in der Region sollen einen ganzen Tag lang Praxen geschlossen bleiben. Die Ärzte protestieren gegen aus ihrer Sicht zu geringe Honorare.

Trier. "Kurzfristiger Fortbildungstag aus gegebenem Anlass" - so lädt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz die niedergelassenen Ärzte im Land zu einer "ganztägigen Maßnahme" am 24. September ein.
Der gegebene Anlass ist die aus Sicht der Kassenärzte zu niedrig ausgefallene Honorarerhöhung. Sie verlangen elf Prozent mehr, was rund 3,5 Milliarden Euro mehr Ausgaben für die Kassen bedeuten würde. Stattdessen sollen die Honorare aller 130 000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland um insgesamt 270 Millionen Euro steigen. Dagegen haben viele Ärzte Protest angekündigt.
In einer bundesweiten Urabstimmung haben 75 Prozent der Kassenärzte für einen Streik gestimmt. Da aber Ärzte nicht streiken können, weil sie die medizinische Versorgung nicht gefährden dürfen, und die KV auch nicht zum Streik aufrufen darf, soll es einen Fortbildungstag geben, an dem die Praxen geschlossen bleiben. Die Ärzte können sich am 24. September entweder an vier KV-Standorten, etwa in Trier, oder auch an ihrem eigenen Computer von der KV produzierte Filme anschauen, in denen es um da Kodieren geht; das ist die von den Kassen verlangte Verschlüsselung von Erkrankungen der Patienten.
Laut Thorsten Koech aus Leiwen (Kreis Trier-Saarburg), regionaler Geschäftsführer der Ärztevereinigung Medi, wird ein Großteil der Praxisärzte dem Protestaufruf folgen. Notfallpatienten würden in den Bereitschaftsdienstzentralen behandelt. Er fordert ein echtes Streikrecht für Ärzte, dann bräuchte man solche Fortbildungstage nicht. Auch einige Kinderärzte sowie Frauenärzte in der Region wollen sich an der Aktion beteiligen. "Wir müssen ein Zeichen setzen", sagt Heinrich Hackenberg, Frauenarzt aus Trier.
Kein Verständnis dafür hat der Chef der AOK Rheinland-Pfalz, Walter Bockemühl. Er nennt die Forderung der Ärzte überzogen. Es dürfe nicht sein, dass die Mediziner den Fortbildungstag als Weiterbildung anerkannt bekommen. Das führe die Aus- und Fortbildung der Ärzte "ad absurdum" und zeige, dass es dabei nicht um Qualität gehe.

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