Fragen & Antworten zu den Baustellen in der Region: Der nächste Stau kommt bestimmt

Fragen & Antworten zu den Baustellen in der Region: Der nächste Stau kommt bestimmt

Der Trierische Volksfreund dokumentiert die wichtigsten Baustellen in der Region und beantwortet häufig gestellte Fragen.

So viele Baustellen in der Region! Wie funktionieren die Absprachen? Warum verklagt niemand die langsamen Baufirmen? Antworten auf diese und weitere Fragen, die Autofahrer bewegen, finden Sie hier.

Mehr als 100 Baustellen behindern derzeit den Verkehr in der Region. Warum müssen so viele Baustellen sein? Ebenso wie die Brücken werden Bundes-, Landes- und Kreisstraßen regelmäßig untersucht. Dabei wird nicht nur ihr baulicher Zustand überprüft, sondern auch die Entwicklung der Belastung durch zunehmenden Verkehr bewertet. Anhand dieser Bewertungen werden Prioritätenlisten erstellt. Bei den Landesstraßen entscheidet letztlich der Landtag im Rahmen seiner Haushaltsberatungen über das Straßenbauprogramm. Die Verteilung der Mittel erfolgt dabei auch nach regionalem Proporz, denn keine Region soll leer ausgehen. Auch für das Bauprogramm des Bundes greifen noch viele Aspekte, bis die Einzelmaßnahmen feststehen. Weil aber in den vergangenen Jahrzehnten von Bund, Land und Kommunen nicht genug Geld in den Straßenerhalt investiert wurde, ist die Zahl der dringend sanierungsbedürftigen Straßen gestiegen. "Wir haben derzeit 50 Prozent mehr Mittel als noch vor zehn Jahren", sagt Edeltrud Mayer, Chefin des LBM Trier. Hinzu kommt, dass viele Straßen und Brücken 40 Jahre und älter sind. Eine Grundsanierung lässt sich nach dieser langen Zeit und wegen der zunehmenden Belastung durch mehr PKW und LKW nicht mehr lange hinausschieben.

Wie laufen die Absprachen zwischen den Behörden und Kommunen?
Nach Angaben des LBM Trier finden zu Beginn jedes Jahres umfassende Absprachen über die geplanten Baumaßnahmen mit dem Autobahnamt, der Stadt Trier und den Nachbarn in Luxemburg statt. In der Regel haben Baumaßnahmen auf der Autobahn Priorität vor anderen Straßen. Auch zwischen LBM Trier und LBM Gerolstein werden Projekte besprochen, wenn sich Maßnahmen zum Beispiel durch Umleitungen gegenseitig betreffen. Bruno von Landenberg, stellvertretender Leiter des LBM Gerolstein, nennt die Baustelle auf der B.418 bei Ralingen an der Sauer (Kreis Trier-Saarburg) als Beispiel. Diese wurde von 2016 auf dieses Jahr verschoben, da zuerst die Brückensanierung bei Minden (Eifelkreis Bitburg-Prüm) abgeschlossen und die Anschlussstelle Irrel der B.257 saniert werden musste, um sie als Umleitungsstrecke zu nutzen. Nach Angaben von Ulrich Neuroth, Leiter des Autobahnamts Montabaur, wurde die dringend notwendige Sanierung der Sauertalbrücke (A.64) auf das kommende Frühjahr verschoben, weil dann die Baustellen zwischen Igel und Zewen sowie am Trierer Berg (B.51) abgeschlossen sind und auf der wichtigsten Umfahrung keine Behinderungen drohen.

Warum wird nicht schneller gebaut?
Das Bautempo hängt wesentlich davon ab, wie groß die Schäden an der Brücke oder den Straßen sind und wie tief in die Substanz eingegriffen werden muss. "Wenn nur drei Zentimeter Deckschicht ausgetauscht werden, geht das viel schneller als bei einer grundlegenden Erneuerung der Fahrbahn", sagt Ulrich Neuroth und begegnet damit Kritik, auf Luxemburger Seite passiere alles viel schneller. Aber natürlich ist die Geschwindigkeit auf einer Baustelle auch eine Frage des Geldes. Mehr Arbeiter auf der Fahrbahn, womöglich rund um die Uhr, sind teuer. Für die europaweiten Ausschreibungen von Baumaßnahmen in Deutschland besteht das Wirtschaftlichkeitsgebot: In der Regel kommt das günstigste Angebot zum Zuge. Wenn die beauftragte Firma dann möglicherweise noch andere Baustellen betreut, kann es zu Verzögerungen kommen.

Überprüft wird die Arbeit des LBM durch den Landesrechnungshof und den Bundesrechnungshof. Können Baufirmen in Regress genommen werden, wenn sie schlecht oder zu langsam arbeiten?
Vertragsstrafen seien kein wirkliches Druckmittel, heißt es vonseiten des LBM. "Die Vertragsbedingungen verändern sich im Laufe des Fortgangs der Baustelle", sagt Edeltrud Bayer. "Eine Vertragsstrafe einzufordern ist in der Realität fast unmöglich." Zwar setzen die Behörden bei der Ausschreibung eines Straßenbauprojekts auch eine Bauzeit an. Weil aber keine Straßen gleich und auch das Wetter ein wichtiger Faktor sei, könne eine Vertragsstrafe rechtlich nur selten Bestand haben. Deutlich werden solche Unwägbarkeiten am Beispiel der Sanierung der B51 am Trierer Berg. Aus Bohrkernuntersuchungen an den beiden Brücken und der für die Autofahrer nicht sichtbaren Überbauung des Hangs, auf der die Straße geführt wird, waren zwar Schäden ersichtlich. Wie groß diese tatsächlich waren, stellte sich aber erst bei der Arbeit an der Konstruktion heraus. Die Fertigstellung der Sanierung hat sich dadurch erheblich verzögert. Mit der Folge, dass sich ab Ende September die Sanierung der B.49 zwischen Zewen und Igel mit der Fertigstellung der mittleren Fahrspur auf der B.51 bis zum Ende der Herbstferien überschneidet.

Warum kann dann nicht in einem milden Winter gebaut werden?
In der Regel kalkuliert der Landesbetrieb Mobilität inzwischen mit Bautätigkeiten bis zur Weihnachtszeit. "Aber das Wetter kann niemand steuern", wissen die Verantwortlichen. Eine zeitliche Verschiebung der B49 bis nach Fertigstellung der B51 würde zwangsläufig dazu .führen, dass diese Arbeiten im Winter unterbrochen werden müssten. Die Folge wäre eine Baustelle mit Ampelregelung über Wochen, in denen nicht gebaut werden kann. Ein weiterer Aspekt für die große Zahl an Straßenbauaktivitäten im Herbst ist die fehlende Baustoffversorgung im Winter. Die Asphaltmischwerke stellen in den Monaten mit Frost in Deutschland ihren Betrieb ein und liefern erst im Frühjahr wieder.

Wäre für Pendler die Bahn eine Alternative für den Weg nach Luxemburg?
Im Prinzip ja, denn immer mehr Individualverkehr macht nicht nur den Straßenbelägen und Brücken zu schaffen. Die Fahrt mit der Bahn kann im Vergleich zum nervenaufreibenden Stau eine entspannte Sache sein. Zumindest bis zum Morgen des 11. September ist das allerdings eine nur eingeschränkte Option. Bis dahin ist die Regionalbahnlinie RE 11 Luxemburg-Wasserbillig-Trier nur bedingt in Funktion. Wegen Bauarbeiten auf den Gleisen fallen zwischen Luxemburg-Oetrange und Trier Hauptbahnhof die Züge aus und werden durch Busse ersetzt. Ein Ersatzbus fährt über Munsbach - Wasserbillig - Trier-Süd, ein zweiter Bus über Munsbach-Wecker - Kreuz-Konz - Trier-Süd. Zusätzlich fahren zwischen Luxemburg und Trier Schnellbusse. Auch die Züge der Linie RB 30 (Luxemburg-Wasserbillig) werden zwischen Oetrange und Wasserbillig durch Busse ersetzt. Ab Ende 2020 soll die neue Linie RB 83 von Dommeldange über Luxemburg und die reaktivierte Westtrasse Trier bis nach Wittlich fahren.

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