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Fragen und Antworten zum Thema Brexit. Reisen nach England könnten komplizierter werden.

Fragen & Antworten Brexit : Alle werden die Folgen spüren

Reisen nach England könnten komplizierter werden und der Weinexport zurückgehen.

Kommt er oder kommt er nicht – der Brexit? Und falls ja, wann? Auch zwei Tage vor dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens sind noch immer viele Fragen offen.

Was ist mit geplanten Reisen nach einem möglichen Brexit?

Für die meisten Reisenden wird nach Auskunft der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz selbst ein harter Brexit, also ein Austritt ohne Abkommen, nicht bedeuten, dass ein Urlaub in Großbritannien ausfallen muss. „Die britischen Reiserechte entsprechen weitgehend denen der EU und gelten, bis das Land neue Regeln eingeführt hat“, teilen die Verbraucherschützer mit. Bisher benötige man als EU-Bürger für die Einreise nach Großbritannien einen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Auch muss man jetzt schon durch die Grenzkontrolle, weil Großbritannien bisher zwar noch Mitglied der EU, aber nicht Mitglied des Schengener Abkommens ist. Ob EU-Bürger nach einem sogenannten No-Deal-Brexit ein Visum für Großbritannien benötigen werden, ist noch unklar. Der Tipp der Verbraucherberatung: „Erkundigen Sie sich vor dem Antritt Ihrer Reise darüber, wie der Grenzübertritt geregelt ist und welche Dokumente Sie brauchen.“ Einen Vorteil könnte der Brexit für Urlauber haben: Falls das britische Pfund gegenüber dem Euro an Wert verlieren sollte, könnte der Urlaub günstiger werden.

Was ist bei Online-Einkäufen bei britischen Händlern zu beachten?

Laut Verbraucherzentrale haben Kunden auch bei Einkäufen außerhalb der Europäischen Union verschiedene Verbraucherschutzrechte; so kann das gekaufte Produkt innerhalb von 14 Tagen zurückgegeben und der Kaufpreis erstattet werden. „Aber Achtung: Es kann sehr mühsam sein, diese Rechte außerhalb der Europäischen Union bei einem Streit vor Gerichten durchzusetzen.“ Bei einem harten Brexit können Zoll und Einfuhrumsatzsteuer die in Großbritannien bestellte Ware verteuern. Zudem könnten Zollkontrollen dafür sorgen, dass Lieferungen deutlich später ankommen. Zollbeamte prüften Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten, so die Verbraucherzentrale.

Welche Auswirkungen könnte der Brexit auf den Weinexport haben?

Deutscher Wein ist in Großbritannien beliebt. Das Land ist der drittwichtigste Auslandsmarkt für deutsche Winzer. Durch Zölle könnten sich die Weine verteuern. Und der bürokratische Aufwand für Winzer und Kellerreien dürfte sich dadurch deutlich erhöhen. Man beschäftige sich seit geraumer Zeit mit den verschiedenen Szenarien, die eintreten könnten, sagt eine Sprecherin der Winzergenossenschaft Moselland EG in  Bernkastel-Kues. „Wir sind auf alles vorbereitet.“ Allerdings: „Wie es letztendlich laufen wird, können wir zurzeit nicht absehen – und damit auch nicht die Folgen ermessen, die das Ganze für uns haben wird.“

Wie reagiert die Wirtschaft?

Die Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz befürchtet, dass die hiesige Wirtschaft unter den Folgen eines harten Brexits leiden wird. Die Unternehmen im Land exportieren nach Verbandsangaben jährlich Güter im Wert von 3,5 Milliarden Euro nach Großbritannien. Die tatsächlichen Auswirkungen des Brexits kann das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium noch nicht abschätzen. Potenziell kann jedes Unternehmen betroffen sein, es hänge davon ab, wie groß die wirtschaftliche Verflechtung mit Großbritannien sei, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion. „Ein harter Brexit ist ein Szenario, das auf beiden Seiten nur Verlierer kennt. Sowohl Deutschland als auch Großbritannien hätten in diesem Fall mit enormen wirtschaftlichen Einbußen zu rechnen. Es muss daher oberstes Ziel sein, einen geregelten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu ermöglichen“, appelliert Jan Heidemanns, Referent International der Trierer Industrie- und Handelskammer, an die britischen Parlamentarierer.

Welche Folgen hat der Brexit für Studierende und Wissenschaftler?

Wenn es zu einem harten Brexit kommen sollte, müssten alle Mitarbeiter der Universität Trier, die ausschließlich einen britischen Pass haben, jeweils eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis beantragen, heißt es bei der Uni. Und auch Studierende mit britischen Pässen ständen in dem Fall ohne Aufenthaltserlaubnis da.